UCI-Entscheidung Lizenz für Astana in der Kritik

"Zartes Pflänzchen zertrampelt": Die Entscheidung, dem umstrittenen Rennstall Astana die Weltlizenz zu erteilen, sorgt bei Anti-Doping-Kämpfern für große Enttäuschung. Astana selbst gibt sich erleichtert.
Astana-Protagonisten Nibali, Winokurow: "Stolz und glücklich"

Astana-Protagonisten Nibali, Winokurow: "Stolz und glücklich"

Foto: GONZALO FUENTES/ REUTERS

Hamburg - Nach der Fahrerlaubnis für das von Dopingfällen erschütterte Astana-Team steht der Radsport-Weltverband UCI heftig in der Kritik. "Wie lächerlich kann dieser Sport sein. Genug ist genug", twitterte der Brite Peter Kenaugh aus dem Sky-Team von Ex-Toursieger Chris Froome. "Das zarte Pflänzchen, dass sich im Radsport doch vielleicht etwas zum Positiven ändern kann, wurde zertrampelt. Die UCI scheute offensichtlich das Risiko einer Prozess-Lawine", sagte der dopinggeständige Ex-Profi Jörg Jaksche.

Zuvor hatte die UCI dem durch zahlreiche Dopingfälle schwer in Bedrängnis geratene Astana-Team im zweiten Anlauf doch die Lizenz für die WorldTour 2015 erteilt. Die umstrittene Mannschaft aus Kasachstan wird von dem Ex-Doper Alexander Winokurow geführt und seit dieser Zeit von einschlägigen Schlagzeilen begleitet.

Auf seiner Homepage teilte das Team voller Genugtuung mit: "Astana ist stolz und glücklich bekanntzugeben, dass wir die Lizenz erhalten haben. Ein Dankeschön an unsere Fahrer, die Betreuer, die Familien, Sponsoren und Freunde". Darunter prangt ein Foto des bestbezahlten Angestellten Winokurows: Der aktuelle Tour-Sieger Vincenzo Nibali sticht im Gelben Trikot aus dem Fahrerfeld hervor.

Cookson nur ein "zahnloser Tiger"?

Der neue UCI-Boss Brian Cookson, der 2013 das Spitzenamt als Aufräumer angetreten hatte, erweise sich als "zahnloser Tiger", wie Jaksche erklärte. Der UCI-Boss verwies zwar darauf, dass die Lizenz auf "Bewährung" erteilt worden sei. Zum einen stehe eine Untersuchung einer unabhängigen Kommission der Universität Lausanne zur angeblichen Doping-Kultur bei Astana an.

Außerdem warnte Cookson, dass die Lizenz doch noch entzogen werden könnte, wenn die Unterlagen der Staatsanwaltschaft Padua - wie von italienischen Zeitungen gemeldet - wirklich belastendes Material gegen Astana und Winokurow enthalten sollte: "Ein weiterer Dopingfall würde das Aus des Nibali-Teams bedeuten."

Jaksche wertete die Cookson-Warnung nach der Lizenzerteilung als eine Art Beruhigungspille für die Kritiker: "Die Sache ist durch und die Auflagen sind wohl unter Beschwichtigung abzuhaken."

"Der Radsport hat keine Chance - Lasst uns mit diesem Schmierentheater aufhören", twitterte Scott Mercier, der zusammen mit Lance Armstrong in einem Team fuhr und als einer der Hauptbelastungszeugen gegen den ehemaligen Seriensieger aufgetreten war. Mercier verglich die UCI mit dem Internationalen Verband der Catcher, mit der Einschränkung, "dass die nicht für sich beanspruchen, sauber zu sein".

Auch die Ermittlungs-Ergebnisse aus Padua, die Verbindungen zwischen Astana und dem auf Lebenszeit wegen Dopings gesperrten Mediziner Michel Ferrari aufzeigten, konnten die UCI-Lizenz-Kommission bisher nicht zu einem anderen Votum bewegen. Nach Angaben der "Gazzetta dello Sport" soll es Fotos aus dem Vorjahr geben, auf denen Winokurow und Ferrari in Montecatini Terme im Astana-Trainingslager zu sehen sein sollen. Die aktuellen Astana-Profis Michele Scarponi und Borut Bozic sollen demnach Ferrari-Kunden sein.

aha/dpa
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