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03. Oktober 2010, 16:26 Uhr

Radsport-Affäre um Contador

Mauschel-Vorwürfe gegen Funktionäre

Die Dopingaffäre um Tour-Sieger Alberto Contador wird immer konfuser. Eine spanische Zeitung behauptet, es gebe einen Deal zwischen dem Madrilenen und dem Radsportweltverband. Die Funktionäre geraten immer stärker in den Verdacht, den Skandal vertuschen zu wollen.

Hamburg - In der bizarren Dopingaffäre um Alberto Contador soll der dreimalige Tour-Sieger offenbar geschont werden. Nach einem Bericht der spanischen Zeitung "El País" könnte der Rad-Weltverband UCI den Madrilenen nur mit einer dreimonatigen Sperre bis November belegen. Der Fall solle so schnell und geräuschlos wie möglich ad acta gelegt werden. Demnach habe es bei einem Treffen in Puertollano kurz nach dem Ergebnis der positiven Dopingprobe eine Verständigung beider Seiten auf eine dreimonatige Sperre gegeben.

Voraussetzung sei gewesen, dass Contador eine vorläufige Sperre akzeptiere. Der Weltverband bat den Spanier offenbar um Verschwiegenheit. "Die UCI bat mich, niemandem etwas zu erzählen. Alles hatte den Anschein, dass alles in Ordnung ist und eine interne Lösung gefunden wird", sagte Contador dem dänischen Fernsehen TV2. Die mögliche Sperre könnte vom 24. August an gelten - an dem Tag erhielt Contador Kenntnis von der positiven Probe - und am 24. November enden. Damit würde Contador, der bereits in den Ferien ist, in der Vorbereitung auf die neue Saison keine Zeit verlieren.

Bei einer derartigen Regelung bestünde für die UCI allerdings Rechtfertigungsbedarf gegenüber der Welt-Anti-Doping-Agentur. Die Wada wertet Clenbuterol im Körper - ein Grenzwert existiert nicht - als Doping-Vergehen, das im Fall Contador eine Zweijahressperre nach sich ziehen muss. Die geringe Menge an Clenbuterol ist kein Grund für einen laschen Umgang mit dem Fall. "Es heißt nicht, dass nicht betrogen wurde", sagte Wada-Generaldirektor David Howman.

UCI will "Spekulationen" nicht kommentieren

Mehrere spanische Medien berichteten am Wochenende, UCI-Chef Pat McQuaid habe gegenüber Carlos Castaño, dem Präsidenten des Königlichen Spanischen Verbandes, behauptet, man sei auf der Suche nach einer diskreten Lösung. Innerhalb der nächsten acht bis zehn Tage solle die peinliche Angelegenheit vom Tisch sein, habe der Ire am Rande der Straßen-WM in Australien im internen Kreis mitgeteilt. "Wir sagen zu diesen Spekulationen nichts", erklärte UCI-Sprecher Enrico Carpani am Sonntag.

Nur das Durchsickern der Doping-Testergebnisse an die Presse hätte dazu geführt, dass das Problem nicht wie "geplant" intern gelöst werden konnte, schrieb das Blatt weiter. Es roch bereits zuvor nach einem Deal, weil zwischen dem Test bei der Tour im Juli und der Veröffentlichung der Ergebnisse Ende September mehr als zwei Monate lagen - eine ungewöhnlich lange Zeitspanne. Die ARD hatte McQuaid am Mittwoch vor dessen Abreise nach Australien mit den Erkenntnissen eines positiven Clenbuterol-Befunds konfrontiert. Der oberste Repräsentant des Radsports hatte erklärt, von nichts zu wissen - um den Fall wenige Stunden später in einer Presseerklärung publik zu machen.

Damit gibt es wieder einmal Vertuschungs-Vorwürfe gegen die UCI. Erst im Mai hatte Floyd Landis behauptet, dass Lance Armstrong einst ein "finanzielles Abkommen" mit dem damaligen UCI-Chef Hein Verbruggen getroffen habe, um einen positiven Test verschwinden zu lassen. Daraufhin musste die UCI einräumen, zwei Spenden von 100.000 und 25.000 Dollar erhalten zu haben.

mig/sid/dpa

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