Radsport-Affäre um Contador Mauschel-Vorwürfe gegen Funktionäre

Die Dopingaffäre um Tour-Sieger Alberto Contador wird immer konfuser. Eine spanische Zeitung behauptet, es gebe einen Deal zwischen dem Madrilenen und dem Radsportweltverband. Die Funktionäre geraten immer stärker in den Verdacht, den Skandal vertuschen zu wollen.

Tour-Sieger Contador: "Die UCI bat mich, niemandem etwas zu erzählen"
AFP

Tour-Sieger Contador: "Die UCI bat mich, niemandem etwas zu erzählen"


Hamburg - In der bizarren Dopingaffäre um Alberto Contador soll der dreimalige Tour-Sieger offenbar geschont werden. Nach einem Bericht der spanischen Zeitung "El País" könnte der Rad-Weltverband UCI den Madrilenen nur mit einer dreimonatigen Sperre bis November belegen. Der Fall solle so schnell und geräuschlos wie möglich ad acta gelegt werden. Demnach habe es bei einem Treffen in Puertollano kurz nach dem Ergebnis der positiven Dopingprobe eine Verständigung beider Seiten auf eine dreimonatige Sperre gegeben.

Voraussetzung sei gewesen, dass Contador eine vorläufige Sperre akzeptiere. Der Weltverband bat den Spanier offenbar um Verschwiegenheit. "Die UCI bat mich, niemandem etwas zu erzählen. Alles hatte den Anschein, dass alles in Ordnung ist und eine interne Lösung gefunden wird", sagte Contador dem dänischen Fernsehen TV2. Die mögliche Sperre könnte vom 24. August an gelten - an dem Tag erhielt Contador Kenntnis von der positiven Probe - und am 24. November enden. Damit würde Contador, der bereits in den Ferien ist, in der Vorbereitung auf die neue Saison keine Zeit verlieren.

Bei einer derartigen Regelung bestünde für die UCI allerdings Rechtfertigungsbedarf gegenüber der Welt-Anti-Doping-Agentur. Die Wada wertet Clenbuterol im Körper - ein Grenzwert existiert nicht - als Doping-Vergehen, das im Fall Contador eine Zweijahressperre nach sich ziehen muss. Die geringe Menge an Clenbuterol ist kein Grund für einen laschen Umgang mit dem Fall. "Es heißt nicht, dass nicht betrogen wurde", sagte Wada-Generaldirektor David Howman.

UCI will "Spekulationen" nicht kommentieren

Mehrere spanische Medien berichteten am Wochenende, UCI-Chef Pat McQuaid habe gegenüber Carlos Castaño, dem Präsidenten des Königlichen Spanischen Verbandes, behauptet, man sei auf der Suche nach einer diskreten Lösung. Innerhalb der nächsten acht bis zehn Tage solle die peinliche Angelegenheit vom Tisch sein, habe der Ire am Rande der Straßen-WM in Australien im internen Kreis mitgeteilt. "Wir sagen zu diesen Spekulationen nichts", erklärte UCI-Sprecher Enrico Carpani am Sonntag.

Nur das Durchsickern der Doping-Testergebnisse an die Presse hätte dazu geführt, dass das Problem nicht wie "geplant" intern gelöst werden konnte, schrieb das Blatt weiter. Es roch bereits zuvor nach einem Deal, weil zwischen dem Test bei der Tour im Juli und der Veröffentlichung der Ergebnisse Ende September mehr als zwei Monate lagen - eine ungewöhnlich lange Zeitspanne. Die ARD hatte McQuaid am Mittwoch vor dessen Abreise nach Australien mit den Erkenntnissen eines positiven Clenbuterol-Befunds konfrontiert. Der oberste Repräsentant des Radsports hatte erklärt, von nichts zu wissen - um den Fall wenige Stunden später in einer Presseerklärung publik zu machen.

Damit gibt es wieder einmal Vertuschungs-Vorwürfe gegen die UCI. Erst im Mai hatte Floyd Landis behauptet, dass Lance Armstrong einst ein "finanzielles Abkommen" mit dem damaligen UCI-Chef Hein Verbruggen getroffen habe, um einen positiven Test verschwinden zu lassen. Daraufhin musste die UCI einräumen, zwei Spenden von 100.000 und 25.000 Dollar erhalten zu haben.

mig/sid/dpa

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Seite 1
FastFertig, 30.09.2010
1. Lasst sie halt endlich dopen!
Wenn alle Dopen sind die Chancen letzlich ja wieder gleich. Das ist wie bei der Formel 1. Da zählt auch nicht nur das fahrerische Können, da braucht man auch einen guten Ingenieur. Radfahrer brauchen dann eben einen guten Arzt der das letzte aus einem rausholt. Dann gibt es auch wieder neue Rekorde! Und die medizinische Wissenschaft gewinnt auch neue Erkenntnisse die vielleicht der Allgemeinheit zu gute kommen. Sagt man ja auch von der Formel 1. Das was da entwickelt wird kann später in normalen Strassenautos den Verbrauch optimieren. Also so wie uns die Raumfahrt das Teflon spendiert hat. Gut, das stimmt so nicht ganz genau, ist aber doch egal. Es gehört doch auch zur Freiheit, dass man sich reinpfeiffen kann was man will. Vielleicht sehen wir dann bald Radfahrer mit 4 Lungenflügeln und einer Figur wie ein Kängaruh. Das wäre immer noch interessanter, als einen wimmernden Radfahrer zu sehen der laufend seine Unschuld beteuert. Das ist kein Sport, das ist Soap.
Maschinchen, 30.09.2010
2. .
Zitat von sysopDer Radsport kommt nicht aus den negativen Schlagzeilen. Trotz aller Beteuerungen wird offenbar noch immer massiv gedopt. Nun steht der aktuelle Tour-Sieger Alberto Contador unter Verdacht. Hat der Radsport noch eine Zukunft?
Man lehnt sich m.E. nicht zu weit aus dem Fenster, wenn man behauptet, dass bislang jeder Tour-de-France-Sieger gedopt war.
K1llaH 30.09.2010
3. muhaha
Eine völlig unerwartete und nicht abzusehende Meldung ! Die Sensation schlechthin !! Geilste Ausrede 2010 :"Verunreinigte Nahrung"!!!! Na logisdch, ist schließlich überall drin !!!!
diddldaddl 30.09.2010
4. .
Zitat von FastFertigWenn alle Dopen sind die Chancen letzlich ja wieder gleich. Das ist wie bei der Formel 1. Da zählt auch nicht nur das fahrerische Können, da braucht man auch einen guten Ingenieur. Radfahrer brauchen dann eben einen guten Arzt der das letzte aus einem rausholt. Dann gibt es auch wieder neue Rekorde! Und die medizinische Wissenschaft gewinnt auch neue Erkenntnisse die vielleicht der Allgemeinheit zu gute kommen. Sagt man ja auch von der Formel 1. Das was da entwickelt wird kann später in normalen Strassenautos den Verbrauch optimieren. Also so wie uns die Raumfahrt das Teflon spendiert hat. Gut, das stimmt so nicht ganz genau, ist aber doch egal. Es gehört doch auch zur Freiheit, dass man sich reinpfeiffen kann was man will. Vielleicht sehen wir dann bald Radfahrer mit 4 Lungenflügeln und einer Figur wie ein Kängaruh. Das wäre immer noch interessanter, als einen wimmernden Radfahrer zu sehen der laufend seine Unschuld beteuert. Das ist kein Sport, das ist Soap.
Das ist doch zynisch. Man muß endlich den Mut aufbringen, aus diesem Zombiezirkus auszusteigen, man = die öff.-rechtl. Medien mit den Konsequenzen für die Sponsoren. Und dann sog. Argument, es gäbe Verträge! Dann werden eben die UCI und Akteure wie Contador schadensersatzpflichtig gemacht. Die ehrlichen Sportler und Funktionäre können einem Leid tun.
a.maniac 30.09.2010
5. nichts neues...
ich bin schon lange der Meinung das grundsätzlich der Profisport jeglicher Disziplin durch Lug, Trug und Trickserei verseucht ist. (meines Erachtens gilt das nicht nur für den Sport, sondern für jeglicher Sache wo es um richtig viel Geld geht...) Nun hat er sich der Contador sich erwischen lassen. nichts neues...
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