Radsport Armstrong fährt und lobt Fuentes-Ermittlungen

Er ist wieder im Rennsattel: Zum Auftakt der Tour Down Under zeigte sich Lance Armstrong entspannt - und wurde 64. Die Ermittlungen im Fall Fuentes begrüßt der siebenmalige Toursieger, auch die vielen Dopingkontrollen. Zweifel an seiner Glaubwürdigkeit gibt es dennoch.

Hamburg - Er rollte mit einem breiten Grinsen auf Rang 64 neben dem spanischen Toursieger Oscar Pereiro über die Ziellinie. Lance Armstrong brachte die ersten 51 Rennkilometer nach dreieinhalb Jahren Pause anscheinend ohne größere Anstrengungen hinter sich. "Ich habe mich gut gefühlt - es hat Spaß gemacht. Ich glaube, ich bin 1990 zuletzt ein so schnelles Rennen gefahren", sagte der 37-jährige Rückkehrer am Sonntag in Adelaide (Australien) im Ziel eines Kriteriums zur Einstimmung auf die am Dienstag beginnende zehnte Tour Down Under.

Armstrong (M.) bei der Tour Down Under: "Alles sehr kompliziert"

Armstrong (M.) bei der Tour Down Under: "Alles sehr kompliziert"

Foto: AP

Den Spurt nach 30 Runden vorbei an fast 150.000 enthusiastischen Zuschauern gewann der Einheimische Robbie McEwen, der schon zwölf Tour-de-France-Etappen gewonnen hat. Armstrong riskierte nichts und hielt sich in der Mitte des Feldes von 133 Profis.

Während sich der siebenmalige Toursieger sichtlich wohl fühlt auf dem fünften Kontinent, ist in Europa die Stimmung weniger nach Armstrongs Vorstellungen. Filippo Simeoni äußerte Zweifel am "sauberen" Armstrong und dessen geäußerten Comeback-Motiven. In einem Interview mit der "Welt am Sonntag" antwortete der italienische Radprofi, der seit 2004 als Armstrongs Intimfeind gilt, auf die Frage der Glaubhaftigkeit der Beteuerungen des Texaners, nie gedopt zu haben: "Nach all den stringenten Beweisen ist es ja kaum möglich, das zu glauben. Aber er wurde nie positiv getestet. So sieht eben die offizielle Realität aus, ob man das nun glaubt oder nicht."

Dass die große Triebfeder seiner Rückkehr das Engagement für seine Krebsstiftung Livestrong sei, glaubt Simeoni "nicht eine einzige Sekunde". Tief im Herzen spüre Armstrong "diesen absoluten Antrieb zum Erfolg, nichts anderes als der Sieg zählt. Simeoni war Hauptbelastungszeuge im Dopingprozess gegen Armstrongs Leibarzt Michele Ferrari. Bei der Tour de France 2004 musste Simeoni für sein Redefreiheit bezahlen: Auf der 18. Etappe fuhr Armstrong im Gelben Trikot einer Ausreißergruppe höchstpersönlich hinterher, um einen möglichen Etappensieg Simeonis zu stoppen.

Die französische Sportzeitung "L'Equipe" hatte dem Texaner nach seinem Rücktritt 2005 Epo-Doping in sechs Fällen vorgeworfen und sich auf die Auswertung tiefgefrorener Proben von 1999 berufen. Auch frühere Mitfahrer in Armstrongs Team US Postal hatten in Interviews wenig Zweifel daran gelassen, dass in der Mannschaft gedopt worden war. Juristisch verwertbar war keine der Anschuldigungen.

Armstrong zeigte sich dennoch erfreut über die wieder aufgenommenen Ermittlungen im Fall Fuentes. "Ich unterstütze jede neue Maßnahme im Kampf gegen Dopingbetrüger", sagte der US-Profi. Armstrong will den Blickpunkt jedoch auch auf andere Sportarten lenken: "Wir sollten nicht vergessen, dass Doping nicht nur eine Radsport-Angelegenheit ist. Man sollte in dieser Hinsicht auch über Tennis oder Fußball sprechen, dann sind viele davon betroffen."

Armstrong hat seit seiner Ankunft in Adelaide am vergangenen Wochenende zwei Dopingkontrollen absolvieren müssen. Der US-Profi habe am Donnerstag nach einer fünfstündigen Trainingseinheit und am Freitagmorgen um 8 Uhr Blut- und Urinproben abgeben müssen. Armstrong bestätigte diese Kontrollen und erklärte, er sei allein in der Vorbereitungsphase in den vergangenen Monaten ein Dutzend Mal getestet worden.

Alle drei Tage ein Test

"Ich fordere jeden heraus, mir jemanden zu zeigen, der sich in den vergangenen drei Monaten zwölf Tests unterzogen hat", sagte Armstrong auf einer Pressekonferenz am Samstag. Das sei "das größte Anti-Doping-Programm in der Geschichte des Sports". Das Programm umfasst alle drei Tage einen Dopingtest, dessen Ergebnisse im Internet veröffentlicht werden sollen.

Anders als auf der Straße hat der Texaner aber mit Startschwierigkeiten beim Erstellen seiner Homepage zu kämpfen, die seine in Zusammenarbeit mit dem Anti-Doping-Experten Don Catlin erzielten Testergebnisse für die Öffentlichkeit zugänglich machen soll. "Wir sind in Vorbereitungen", erklärte Armstrong, "aber alles ist sehr kompliziert, weil viele Leute darin involviert sind."

Für die Tour Down Under sind mehr als 200 Dopingtests angekündigt. Sportministerin Kate Ellis sprach in der "Herald Sun" vom "konsequentesten Anti-Doping-Programm, das jemals bei einem Radrennen in Australien zum Einsatz kam". Die Blut- und Urinproben werden für acht Jahre eingefroren und bei der australischen Anti-Doping-Agentur Asada gelagert.

Zu den Diskussionen um seine Person und den Radsport allgemein vor allem in Deutschland sagte Armstrong, er sei kein Deutscher und er habe auch nicht vor, nach Deutschland zu reisen. "Mich interessiert nicht, ob die Tour in Deutschland läuft oder nicht", sagte der Amerikaner. Er verstehe aber, dass Sponsoren enttäuscht seien und viele auch dem Radsport den Rücken kehrten.

fpf/dpa/sid
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