Radsport Armstrong hat Angst, Greipel Pech

Transparenz light: Lance Armstrong will seine Blutwerte in Zukunft entgegen seiner Ankündigung nur teilweise veröffentlichen. Experte kritisieren diese Vorgehensweise. André Greipel, Titelverteidiger der Tour Down Under, wird nach einem Sturz lange aussetzen müssen.


Hamburg - Der siebenmalige Toursieger Lance Armstrong will die Ergebnisse seiner Doping-Kontrollen wie angekündigt veröffentlichen, aus Angst vor Fehlinterpretationen voraussichtlich aber nur in abgeschwächter Version. "Wenn man beispielsweise für einen Monat in der Höhe trainiert, steigt der Hämatokritwert möglicherweise von 41 auf 46. Einige würden dann sagen: Das ist nicht normal", sagte der Amerikaner am Rande der Tour Down Under, wo er derzeit nach dreieinhalb Jahren sein Comeback gibt.

Armstrong (l.) bei Tour Down Under: Vorsicht mit den Daten
AFP

Armstrong (l.) bei Tour Down Under: Vorsicht mit den Daten

Blut-Doping-Experte Walter Schmidt von Uni Bayreuth sieht jedoch genau dort eine Chance: "Armstrong könnte alle seine Werte offenlegen und etwaige Veränderungen kommentieren. Erhöhte Werte wären dann beispielsweise mit Höhentraingslager, niedrigere mit Virusinfektionen zu begründen", so der Doping-Forscher zu SPIEGEL ONLINE: "Das wäre eine sehr gute Sache, mit der man dem Verdacht auf Blutmanipulationen entgegentreten könnte." Denn kleinere Schwankungen gebe es immer. Lücken in der Veröffentlichung würden die Daten abwerten. "Nur komplett macht die Offenlegung Sinn", so Schmidt.

Armstrong hingegen will sich ganz auf seinen Berater Don Catlin verlassen. Der Wissenschaftler soll Armstrong alle drei Tagen testen. Ursprünglich war vorgesehen, dass die Daten anschließend direkt ins Internet gestellt werden. Bislang ist dies noch nicht geschehen. Der frühere Giro-Sieger Ivan Basso und Patrik Sinkewitz, die nach abgesessener Dopingsperre wieder am Start sind, haben ein ähnliches Projekt bereits in die Tat umgesetzt.

Auch der Tour-Sieger des Jahres 2008, Carlos Sastre, der im Winter von der Riis-Mannschaft CSC zum neu gegründeten Schweizer Rennstall Cervelo Test Team gewechselt war, leistete seinen Beitrag zum Thema Doping. Allerdings nur verbal. "Seit zehn Jahren wird über Doping geredet, getan hat aber keiner was", so der 33-Jährige. "Man muss die Mentalität ändern und die Fahrer richtig testen", forderte Sastre: "Wichtig ist doch, dass die UCI, die Wada und die Nada zusammen gegen Doping kämpfen und nicht nur darüber sprechen."

Titelverteidiger Greipel nach Sturz im Krankenhaus

Nach einem spektakulären Sturz endete der Traum des deutschen Sprinters André Greipel von der erfolgreichen Titelverteidigung bei der Tour Down Under im Krankenhaus. Der Columbia-Profi kollidierte auf der dritten Etappe über 136 Kilometer von Unley nach Victor Harbor mit einem parkenden Polizei-Motorrad und erlitt dabei eine schwere Schulterverletzung, die ihn drei Monate außer Gefecht setzen wird.

Bereits nach 15 Kilometern ereignete sich das Unglück. Greipels Rad wurde dabei zurück ins Feld geschleudert, wodurch weitere Fahrer zu Fall kamen. Astana-Fahrer Armstrong konnte gerade noch ausweichen. Der 27-jährige Greipel, der im vergangenen Jahr mit 15 Saisonsiegen den Durchbruch geschafft hatte, kugelte sich die rechte Schulter aus und erlitt tiefe Schürfwunden an Armen und Beinen. Eine Risswunde am Ellbogen wurde noch im Krankenhaus von Unley genäht.

Der gebürtige Rostocker tritt am Freitag die Heimreise nach Hamburg an, wo er an der Schulter operiert werden soll. "Normalerweise werde ich drei Monate ausfallen, vielleicht geht es ein wenig schneller", sagte Greipel.

fpf/sid/dpa

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Seite 1
Der Vogel, 10.09.2008
1.
Zitat von sysopFührende Profi-Radsportler überhöhen das geplante Comeback von Lance Armstrong zur Rückkehr einer Ikone. Dabei steht der einstige Dominator der Tour de France im Ruch des Dopings. Führt dies Comeback den Radsport in eine Krise?
Der Radsport verkraftet doch auch Riis und Basso und alle anderen, warum nicht auch Armstrong?
Dylan1941, 10.09.2008
2.
Zitat von sysopFührende Profi-Radsportler überhöhen das geplante Comeback von Lance Armstrong zur Rückkehr einer Ikone. Dabei steht der einstige Dominator der Tour de France im Ruch des Dopings. Führt dies Comeback den Radsport in eine Krise?
Soll er doch die neuen Mittel ausprobieren!
sportskanone 10.09.2008
3.
Zitat von sysopFührende Profi-Radsportler überhöhen das geplante Comeback von Lance Armstrong zur Rückkehr einer Ikone. Dabei steht der einstige Dominator der Tour de France im Ruch des Dopings. Führt dies Comeback den Radsport in eine Krise?
Wer steht denn nicht im Ruch? Der General ist zurück und wird wieder die Massen spalten. Na und.
Rainer Helmbrecht 10.09.2008
4.
Zitat von sysopFührende Profi-Radsportler überhöhen das geplante Comeback von Lance Armstrong zur Rückkehr einer Ikone. Dabei steht der einstige Dominator der Tour de France im Ruch des Dopings. Führt dies Comeback den Radsport in eine Krise?
Ich denke eine Kriese wird das nicht, aber er verwirrt die Fachleute mit der Frage, gibt es eine Dope, die wir (noch) nicht kennen? MfG. Rainer
P-Berg, 10.09.2008
5.
Zitat von sysopFührende Profi-Radsportler überhöhen das geplante Comeback von Lance Armstrong zur Rückkehr einer Ikone. Dabei steht der einstige Dominator der Tour de France im Ruch des Dopings. Führt dies Comeback den Radsport in eine Krise?
Steckt denn der Radsport nicht schon lange drin ?
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