Radprofi Dekker "Doping war eine Lebenseinstellung"

Radprofi Thomas Dekker hat erschreckende Einblicke in die Dopingpraktiken beim Rennstall Rabobank gegeben. Demnach hat die Teamleitung die Fahrer zum Betrug aufgefordert - und alle machten mit. "Es gehörte zu deinem Beruf", sagte der Niederländer.
Radprofi Dekker: 2009 wegen Epo-Dopings gesperrt

Radprofi Dekker: 2009 wegen Epo-Dopings gesperrt

Foto: Christof Koepsel/ Bongarts/Getty Images

Hamburg - Thomas Dekker hat den Radsport mit einem umfassenden Dopinggeständnis weiter in Verruf gebracht. Der Niederländer sagte der Zeitung "NRC Handelsblad", das Team Rabobank habe systematisch Doping betrieben und seine Fahrer dabei erheblich unter Druck gesetzt. Ein Dutzend anderer Zeugen, die anonym bleiben wollten, berichteten ebenfalls über professionell organisiertes Doping im Team zwischen 1996 bis 2012.

Der Rennstall äußerte sich zu den aktuellen Vorwürfen zunächst nicht. Im vergangenen Jahr hatte der ehemalige Teamleiter Theo de Rooij allerdings bereits Dopingpraktiken bei Rabobank bestätigt.

Dekker war 2009 des Dopings mit Epo überführt worden, damals allerdings hatte er Rabobank schon verlassen, er fuhr für das Team Silence-Lotto. Bei Rabobank habe er 2006 mit Epo-Doping begonnen und 2007 Bluttransfusionen erhalten, sagte der 28-Jährige, der seit 2012 für Garmin fährt. "Die Transfusionen waren der Weg zum Erfolg. Fast jeder Top-Fahrer hat sie bekommen", so Dekker.

Die Mannschaftsärzte hätten beim Doping assistiert, die Fahrer seien von der Teamleitung zum Betrug aufgefordert worden. "Ich war leicht zu beeinflussen. Ich hatte eigentlich Menschen nötig, die mir gesagt hätten, dass ich geduldig sein muss und die Finger vom Doping lassen sollte", sagte Dekker. Das sei jedoch nicht passiert. "Doping war eine Lebenseinstellung, es gehörte zu deinem Beruf."

Doping aus Imagegründen angeordnet

Andere Zeugen berichteten, 1996 habe Rabobank zunächst versucht, ohne Doping mitzuhalten. Da das gesamte Feld jedoch mit Epo gefahren sei, habe der damalige Manager nach den Frühjahrsklassikern auch aus Imagegründen Doping angeordnet. Die verbotenen Substanzen seien zum Teil mit Preisgeldern bezahlt worden.

Der Sponsor wird sich am Ende der laufenden Saison aus dem Sport zurückziehen, er möchte bereits jetzt nicht mehr im Namen des Teams auftauchen. Die Equipe fährt unter dem Namen Blanco Pro Cycling. Als Grund für den Rückzug hatte das Kreditinstitut im Oktober angegeben, es könne nicht mehr darauf vertrauen, "dass der internationale Profiradsport in der Lage ist, saubere und ehrliche Rennen durchzuführen".

Bereits 2007 war Rabobank von einem Skandal erschüttert worden. Der dänische Fahrer Michael Rasmussen wurde während der Tour de France suspendiert. Zuvor war bekannt geworden, dass er sich Dopingkontrollen entzogen hatte.

leh/sid
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