Nächster Rückschlag für eine Sportart in der Krise: Die Deutschland-Tour wird im kommenden Jahr nicht mehr stattfinden. Nach den jüngsten Entwicklungen im Radsport war die Veranstaltung nicht mehr zu finanzieren.
Hamburg - Der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) und der Vermarkter "Upsolut" entschlossen sich dazu, die größte deutsche Radrundfahrt vorerst nicht mehr auszurichten. "Wir bedauern es, diese Entscheidung treffen zu müssen", sagte Renn-Organisator Kai Rapp.
Aufgrund der aktuellen Entwicklungen im Profiradsport sehe man sich nicht mehr in der Lage, die Veranstaltung erfolgreich zu vermarkten und damit zu finanzieren. Bereits am Mittwoch war mit dem österreichischen Bundesland Tirol ein jahrelanger Sponsor ausgestiegen.
Durch die positiven Dopingtests der beiden Gerolsteiner-Profis Stefan Schumacher und Bernhard Kohl war der Radsport in Deutschland noch tiefer in die Krise gerutscht. Vorläufiger Höhepunkt war bislang der Entschluss von ARD und ZDF, im kommenden Jahr
keine Live-Bilder mehr von der Tour de France zu zeigen.
Verhandlungen über die Übertragung der Deutschland-Tour hatte es noch nicht gegeben, doch anscheinend wurde der Tour-Ausstieg der beiden Sender als klares Signal verstanden.
Ungemach droht dem BDR zudem vom Sportausschuss des Bundestages. Dieser will nach den jüngsten Dopingfällen in seiner nächsten Sitzung am 12. November über eine Streichung der kompletten Fördergelder beraten.
Einen entsprechenden Antrag hatte der Grünen-Sportpolitiker Winfried Hermann eingebracht. Der BDR erhält jährlich Steuergelder in Höhe von insgesamt 4,2 Millionen Euro.
Bei der diesjährigen Deutschland-Tour hatte Linus Gerdemann vom Team Columbia
triumphiert. Der 26-Jährige gilt als Hoffnung des deutschen Radsports und tritt vehement für den Kampf gegen Doping ein.