Radsport Doch ein Doping-Skandal bei der Tour?

Wie die französische Anti-Doping-Agentur am Dienstag bekannt gab, haben fast die Hälfte der während der diesjährigen Tour de France entnommenen Urinproben leistungsfördernde Substanzen enthalten.


Ein sogenanntes Doping Control Kit, wie es bei der Tour 2000 zur Abenahme von Urin verwendet wurde
AFP

Ein sogenanntes Doping Control Kit, wie es bei der Tour 2000 zur Abenahme von Urin verwendet wurde

Paris - "Das zuständige Labor in Chatenay-Malbry hat uns mitgeteilt, dass 45 Prozent der 96 Urinproben aufputschende Mittel enthielten", erklärte der Präsident des französischen "Ausschusses zum Kampf gegen Doping" (CPLD), Michel Boyon, am Dienstag in Paris. In dem verlesenen Kommuniqué machte Boyon indes keine Angaben darüber, ob es sich bei diesen Substanzen um verschriebene Medikamente handelt.

Die 96 Kontrollen sind den Angaben zufolge bei 71 Fahrern durchgeführt worden. Bei jeder Etappe habe es vier Kontrollen gegeben: Zum Test wurden der Etappensieger, der Träger des Gelben Trikots sowie zwei ausgeloste Fahrer gebeten. Zudem wurden bei der 16. und 20. Etappe zwölf spontane Kontrollen vorgenommen.

In 28 Fällen habe man das Mittel Corticosteroid festgestellt, das gegen Müdigkeit und Schmerzen wirkt und in einen gewissen euphorischen Zustand versetzt. In weiteren zehn Fällen seien die Wirkstoffe Salbutamol oder Terbutaline gefunden worden, Mittel, die die Atmung stärken und den Stoffwechsel aufbauen. In fünf Fällen sei eine Kombination von Corticosteroiden und Salbutamol festgestellt worden. Sechs weitere Fälle konnten noch nicht exakt bestimmt werden.

Kein Widerspruch zum UCI

Zu den vom CPLD gemachten Angaben waren weder Vertreter des Rundfahrt-Veranstalters Societé du Tour de France noch des Radsport-Weltverbandes UCI am Dienstag für eine Stellungnahme zu erreichen. Vor knapp einer Woche noch hatte die UCI mitgeteilt, die Dopingproben bei der Tour 2000 seien durchweg ohne auffällige Werte ausgefallen. Es habe lediglich in einigen Fällen den Nachweis von Substanzen gegeben, die zur medizinischen Betreuung von erkrankten Fahrern benutzt wurden und in den jeweiligen Gesundheitspässen vermerkt waren. Lediglich im Falle von zwei Sportlern, die nicht im Vorderfeld der Gesamtwertung platziert und bei denen leistungsfördernde Substanzen entdeckt worden waren, würden noch weitere Ermittlungen angestellt, hieß es von Seiten der UCI am vergangenen Mittwoch in Lausanne.

Allerdings seien die eingefrorenen Urinproben, die für den Nachweis des Blutmittels Erythropoetin (Epo) herangezogen werden sollen, noch nicht getestet worden. Die UCI wartet auf die definitive Freigabe des neuen Tests durch das Internationale Olympische Komitee (IOC), das nach der Unbedenklichkeitserklärung für die in Frankreich und Australien entwickelten Epo-Tests durch ein Experten-Gremium noch auf grünes Licht von juristischer Seite wartet.



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