Radsport Doping-Prozess gegen Virenque

Vor zwei Jahren rutschte der Radsport in seine schwerste Krise, als das komplette Festina-Team wegen Dopings von der Tour de France ausgeschlossen wurde. Jetzt wird Richard Virenque und den anderen Sündern der Prozess gemacht.


Richard Virenque steht in der Doping-Affäre vor Gericht
AFP

Richard Virenque steht in der Doping-Affäre vor Gericht

Lille - 27 Monate nach dem größten Dopingskandal der Tour-Geschichte 1998 hat am Montag im nordfranzösischen Lille der Prozess in der "Festina-Affäre" begonnen. Unter einem Großaufgebot von Kameras nahm als erster der zehn Beschuldigten Radsportstar Richard Virenque auf der Anklagebank Platz. Der 30-Jährige verweigerte vor Sitzungsbeginn jeden Kommentar.

Während des Verhörs gab Virenque zu Protokoll, er habe nicht gewusst, was Mannschaftsarzt Eric Ryckaert ihm seinerzeit injiziert habe. Er habe zwar Spritzen von Ryckaert bekommen, "aber ich bin davon ausgegangen, dass es Vitamine und Stärkungsmittel gewesen sind". Ryckaert selbst konnte wegen einer Krebserkrankung nicht erscheinen, wurde aber wegen der Verabreichung von Dopingmitteln bereits im Vorfeld zu einer Geldstrafe von knapp 30.000 Mark verurteilt. Sein Fall wurde abgetrennt und wird separat behandelt.

Der fünfmalige Gewinner des Bergtrikots bei der Tour de France war 1997 Tour-Zweiter hinter Jan Ullrich geworden. Er wurde als Festina-Kapitän wie die gesamte Mannschaft zur Tour-Halbzeit 1998 aus dem Rennen genommen. Zuvor hatten Teamarzt Ryckaert, Betreuer Willy Voet sowie Sportdirektor Bruno Roussel "langjähriges systematisches Doping" im Team gestanden. Sie sind ebenfalls angeklagt.

Als Einziger hat Virenque bisher jedes Doping geleugnet, während sieben Teamkollegen für zumeist sechs Monate gesperrt wurden, als bekannteste die Ex-Weltmeister Alex Zülle (Schweiz), Neuzugang beim Essener Coast-Team, und Laurent Brochard (Frankreich). Gegen Virenque konnte der französische Verband nicht vorgehen, weil die Protokolle der Verhöre vor Prozessbeginn nicht zugänglich waren. Er ist nicht wegen Dopings angeklagt, sondern wegen "aktiver Teilnahme", also der Verbreitung von Dopingmitteln.

Begonnen hatte der Dopingskandal mit der Verhaftung des Belgiers Voet vor Beginn der Tour 1998. Der Festina-Masseur war an der Grenze zwischen Belgien und Frankreich mit 400 Ampullen unerlaubter Substanzen gestoppt worden.



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