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10. Oktober 2012, 20:16 Uhr

Ehemaliger Armstrong-Helfer

Tour-Rekordfahrer Hincapie gesteht Doping

George Hincapie hat zugegeben, während seiner Karriere gedopt zu haben. Der Radprofi fuhr jahrelang an der Seite von Lance Armstrong und ist Rekordteilnehmer der Tour de France. Zudem wurden vier ehemalige Armstrong-Weggefährten gesperrt.

Hamburg - Der ehemalige US-amerikanische Radprofi George Hincapie hat die Einnahme leistungssteigernder Mittel öffentlich gestanden. "Wegen meiner Liebe zu diesem Sport fällt es mir unheimlich schwer, zugeben zu müssen, dass ich während eines Teils meiner Karriere verbotene Substanzen eingenommen habe", hieß es in einer Erklärung des 39-Jährigen.

An der Seite des von der US-Anti-Doping-Agentur Usada lebenslang gesperrten Lance Armstrong war Hincapie lange Zeit für das Team US Postal gefahren und gehört zu den Zeugen, auf die sich die Agentur in ihrer am Mittwoch versendeten Urteilsbegründung beruft. Hincapie, mit 17 Tour-de-France-Teilnahmen alleiniger Rekordhalter beim wichtigsten Radrennen der Welt, hatte im Juni angekündigt, nach der Saison seine Karriere beenden zu wollen.

Zu Beginn seiner professionellen Laufbahn sei Hincapie zudem klar geworden, dass er ohne diese Mittel nicht mit der Spitze hat mithalten können. Seit sechs Jahren habe er den eigenen Angaben zufolge keine verbotenen Substanzen mehr zu sich genommen. "Glücklicherweise ist diese Sache in unserem Sport heute kein Thema mehr und die jungen Fahrer stehen nicht vor solch einer schweren Entscheidung", schrieb Hincapie abschließend, der 2005 einer Einzeletappe bei der Frankreichrundfahrt gewonnen hatte.

Auch Barry gesteht, Leipheimer & Co. gesperrt

Wie Hincapie hatte auch Armstrongs ehemaliger Teamkollege Michael Barry gegenüber der US-Anti-Doping-Agentur Usada über das vermeintliche Dopingsystem im Armstrong-Team ausgesagt. "Ich habe gedopt. Es war eine Entscheidung, die ich tief bereue", schrieb der Kanadier Barry, der bis zuletzt für das Team Sky fuhr und im September zurückgetreten war. Seit dem Sommer 2006 habe er ebenfalls nie wieder Dopingmittel genommen.

Wegen ihrer Aussagen über das Dopingsystem von Armstrong hat die Usada zudem vier noch aktive Radprofis gesperrt. Es handelt sich dabei um Levi Leipheimer (Omega Pharma-QuickStep) und die Garmin-Sharp-Fahrer Christian Vande Velde, Tom Danielson und David Zabriskie. Ebenfalls suspendiert wurden Hincapie und Barry, die allerdings ihre Karriere beendet haben. Die genaue Dauer der Sperre war zunächst unklar. Sollte allerdings wie in ähnlichen Fällen die Kronzeugenregel greifen, wären die Fahrer nach einem halben Jahr im kommenden Frühjahr wieder startberechtigt.

Am Mittwoch hatte die Usada ihre Urteilsbegründung im Dopingfall Armstrong unter anderem an den Weltverband UCI geschickt. Darin enthalten sind die beeideten Zeugenaussagen von 15 Radprofis, darunter elf ehemaligen Teamkollegen des Amerikaners. Die US-Anti-Doping-Agentur hatte Armstrong Ende August lebenslang gesperrt und seine Ergebnisse seit dem 1. August 1998 gestrichen. Sollte die UCI dem zustimmen, würde Armstrong seine Toursiege von 1999 bis 2005 verlieren.

leh/sid/dpa

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