Radsport Klöden setzt auf Astana, Fuentes auf ärztliche Hilfe

Andreas Klöden hat lange überlegt, jetzt hat sich der Radprofi entschieden, beim Team Astana zu bleiben. Doping-Arzt Fuentes ist überzeugt, dass große Rundfahrten nicht nur mit "Wasser und Brot" zu meistern sind. Olympiasieger Jan Schur hat gestanden, für die Stasi tätig gewesen zu sein.


Hamburg - Klöden bestätigte seinen Vertrag beim Rennstall Astana. "Nach langer Überlegung und Gesprächen mit verschiedenen Teams habe ich mich entschlossen, für ein weiteres Jahr beim Team Astana zu bleiben und mit Johan Bruyneel eine entsprechende Vereinbarung getroffen", erklärte Klöden. Der 32-Jährige hatte unter der alten Teamleitung, die in der laufenden Saison durch drei Doping-Fälle in die Kritik geriet, noch einen Vertrag bis Ende 2008. Astana wird in der kommenden Saison unter Führung des einstigen Lance-Armstrong-Mentors Bruyneel stehen.

Astana-Ass Klöden: "Ein weiteres Jahr"
Getty Images

Astana-Ass Klöden: "Ein weiteres Jahr"

Bruyneels Ruf ist wegen seiner offensichtlichen Ignoranz des Doping-Problems allerdings höchst umstritten. So engagierte er Ende 2006 den Italiener Ivan Basso, der wenig später als Klient des Doping-Arztes Eufemiano Fuentes überführt wurde.

Fuentes unterstrich bei einem Sportmediziner-Kongress zu Beginn der Woche in Gran Canaria indirekt die aus einer Sicht weiterhin vorhandene Notwendigkeit, für Topleistungen dopen zu müssen. Große Rundfahrten im Radsport, wie die Tour de France oder die Vuelta seien nicht "mit Wasser und Brot" zu bewältigen, "es sei denn, bei einem Durchschnitt von 28 Stundenkilometern, aber nicht bei den üblichen 42", sagte Fuentes dem Internetdienst "cyclingnews". Zu den juristischen Vorwürfen gegen ihn äußerte sich der 52-jährige Frauenarzt aus Madrid nicht.

Die "Operación Puerto" mit Fuentes im Mittelpunkt hatte im Mai 2006 für den größten Doping-Skandal im Radsport gesorgt. Die Auswirkungen, wie der Ausstieg des größten deutschen Sport- Sponsors Telekom nach 16 Jahren, sind noch heute zu spüren. Fuentes soll demnächst in Spanien im Prozess zwischen Ullrich und dem Molekular-Biologen Werner Franke aussagen.

"Radsport - das ist etwas aus der Vergangenheit mit vielen guten Erinnerungen", sagte Fuentes. Radprofis seien "wie Minenarbeiter, sie kennen ihr Risiko, aber es ist ihre Arbeit". Sport würde "die Gesundheit beeinträchtigen und Ärzte müssen helfen", erläuterte Fuentes, bei dem viele Radprofis vorgenommen haben sollen. Am Beispiel des an Herzversagen gestorbenen Fußballers des FC Sevilla, Antonio Puerta, kritisierte Fuentes, "dass zu wenig in Vorsorgeuntersuchungen investiert werde, aber zu viel in Strafen".

Schur gesteht Zusammenarbeit mit Stasi

Doping-Gebrauch weist Radsport-Olympiasieger Jan Schur nach wie vor strikt zurück, dafür gestand er nun, mehrere Jahre als informeller Mitarbeiter (IM) für die Staatssicherheit tätig gewesen zu sein. Der 45-Jährige, Sohn des DDR-Sportidols Täve Schur, sagte der "Leipziger Volkszeitung", dass er 1982 im Glauben an eine Auslandsmitarbeit für die Stasi die Verpflichtungserklärung unterschrieben habe.

"Schon bei den ersten zwei, drei Treffs wurde mir klar, dass es gar nicht um Auslandstätigkeit ging - sondern um Aushorchen. Ich sollte andere Sportler anschwärzen", sagte Schur zu den Treffs in konspirativen Wohnungen: "Mir war das peinlich. Doch ich wusste nicht, wie ich aus der Nummer rauskomme." Im Wendejahr 1989 beendete die Stasi die Zusammenarbeit.

Schur gab Mitte der neunziger Jahre seinen Rücktritt bekannt, ging dann mit einem Sporthotel in die Insolvenz und beendet derzeit sein Sportstudium in Leipzig. Gedopt habe der Olympiasieger von 1988 mit dem Straßenvierer nie. Er habe zu DDR-Zeiten die blauen Pillen (Oral Turinabol) nicht geschluckt und auch nach der Wende sauber gearbeitet. Die verordneten Tabletten zu DDR-Zeiten habe er auf verschiedene Weise entsorgt.

pav/dpa/sid



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