Radsport Olympia-Arzt Huber gesteht Doping

Der Olympia-Arzt Georg Huber hat heute zugegeben, jungen Straßenradfahrern Testosteron verabreicht zu haben. Er wurde nach diesem Geständnis von der Uni Freiburg, der Nationalen Anti Doping Agentur und dem Bund Deutscher Radfahrer suspendiert. Auch ein Nachwuchstrainer gerät unter Druck.

Freiburg - In einer Erklärung der Uniklinik Freiburg heißt es, Huber habe gesagt, er habe unrecht gehandelt, "um Schlimmeres zu verhüten." Der 64 Jahre alte Medizinzer war seit 1980 für die Ausstattung der deutschen Olympia-Apotheken zuständig. Der BDR hatte ihn zuvor ebenfalls suspendiert. Am Abend teilte die Nationale Anti Doping Agentur in einer Pressemitteilung mit, dass man die Zusammenarbeit mit "sofortiger Wirkung" beendete habe. Huber ist nach Andreas Schmid und Lothar Heinrich der dritte Freiburger Mediziner, der im deutschen Dopingskandal geständig ist. Das Geständnis ist laut Erklärung der Uni Freiburg das Ergebnis einer Marathonbefragung: "Gestern wurden noch bis in die Nachtstunden hinein alle sportmedizinisch tätigen Ärzte intensiv befragt. Ergebnis war nun das Geständnis von Dr. Huber."

Seit 1986 engagierte Huber sich aktiv als Anti-Doping-Beauftragter des Behindertensportverbandes und seit vier Jahren in der Nationalen Anti-Dopingagentur (NADA). Huber war zudem Leitender Mannschaftsarzt der deutschen Olympiamannschaft bei den Winterspielen 2006 in Turin. Er betreute deutsche Athleten bei insgesamt sechs Olympischen Sommerspielen. Seit 1972 betreute Huber Straßenfahrer des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR).

Der Mediziner war in der heutigen Ausgabe der "Süddeutschen Zeitung" vom ehemaligen Profirennfahrer Jörg Müller schwer belastet worden. "Uns war klar, dass die im Osten gedopt haben - also mussten wir auch was nehmen. Das ganze lief damals in enger Abstimmung mit Professor Huber von der Uni Freiburg", hatte Müller gesagt.

"Im Zusammenhang mit den aktuellen Vorwürfen gegen Dr. Huber haben wir entschieden, auch im Interesse der Glaubwürdigkeit des Radsports und seines Anti-Dopingkampfes den Sportmediziner Dr. Huber von der Tätigkeit als Verbandsarzt zur suspendieren", hieß es in einer offiziellen Stellungnahme von BDR-Präsident Rudolf Scharping nach einer außerordentlichen Präsidiumssitzung.

Außerdem wurde U23-Bundestrainer Peter Weibel "für Dienstag nach Pfingsten zu einem Gespräch einbestellt. Müller hatte Weibel beschuldigt, ihn schon 1987 bei den Vorbereitungen zu einem Straßenrennen in Frankreich mit illegalen Substanzen versorgt zu haben. "Damals habe ich von Weibel während der Rundfahrt mehrfach Andriol bekommen", so Müller. "Aber immer nur eine gewisse Menge, damit man unter dem Grenzwert liegt", so Müller weiter. Der 57-Jährige Weibel, der seit 1985 als Trainer für den BDR aktiv ist, leitete 1993 die gesamtdeutsche Auswahl, mit der Jan Ullrich in Oslo die Amateurweltmeisterschaften gewann.

Scharping kündigte zudem an, dass zwischen dem 31. Mai und dem 2. Juni Anhörungen und Gespräche durchgeführt werden - "auch mit den Veranstaltern und den Teams, mit denen wir an den Runden Tischen im Juli und August des letzten Jahres gemeinsame Maßnahmen besprochen hatten". Aufgrund noch ausstehender Stellungnahmen von Trainern, Betreuern und Sportlern aus den Nationalmannschaften "in der Dopingfrage" sei laut Scharping auch noch keine Entscheidung "über die Nominierung eines dopinggeständigen Fahrers gefallen". Dies betrifft zunächst Erik Zabel. Der Sprinter vom Milram-Rennstall hatte am Donnerstag als erster aktiver Profi EPO-Doping zugegeben.

Auf der Präsidiumssitzung wurde ferner die Einrichtung einer "unabhängigen Kommission" beschlossen. "Anerkannte Fachleute" sollen in dieser neuen Kommission laut Scharping die "Vergangenheit aufarbeiten, unser Anti-Dopingprogramm überprüfen und, falls erforderlich, Empfehlungen für die Weiterentwicklung dieses Programms machen". So werde Professor Dr. Fritz Sörgel vom Institut für medizinische und pharmazeutische Forschung in Nürnberg ein Mitglied sein. Scharping: "Er war der Sachverständige der Staatsanwaltschaft im Falle des Leichtathleten Dieter Baumann."

Neben der Einrichtung eines Anti-Doping-Fonds, in den "erhebliche Mittel" fließen, werde man "die Zahl - vor allem aber die Qualität der Trainingskontrollen - viel genauer und besser ... machen". Wie schon 2006 strebt der BDR auch 2007 eine Verdopplung der Kontrollen auf EPO und Wachstumshormone an.

mig/dpa/sid

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