Radsport Politt verpasst Sieg in der "Hölle des Nordens"

Nils Politt hat im Velodrome von Roubaix den Sprint um den Sieg gegen Philippe Gilbert verloren. Das Rennen stand im Zeichen des verstorbenen Michael Goolaerts.

Philippe Gilbert (r.) gewann den Zielsprint gegen Nils Politt (l.)
Christophe Petit Tesson /EPA-EFE/REX

Philippe Gilbert (r.) gewann den Zielsprint gegen Nils Politt (l.)


257 Kilometer, davon 54 Kilometer auf hartem Kopfsteinpflaster - und nach sechs Stunden Fahrzeit wurde das Rennen im Zielsprint entschieden: Der belgische Klassikerspezialist Philippe Gilbert hat das Radrennen Paris-Roubaix gewonnen. Im Zweikampf gegen den Deutschen Nils Politt setzte sich Gilbert im Velodrome von Roubaix durch. Damit hat der Belgier vier der fünf Monumente des Radsports gewonnen, einzig ein Sieg bei Mailand-Sanremo fehlt dem 36-Jährigen noch. Dritter in Roubaix wurde Gilberts Quickstep-Teamkollege Yves Lampaert mit 13 Sekunden Rückstand.

Gut 50 Kilometer vor dem Ziel hatte sich eine sechsköpfige Ausreißergruppe mit dem Vorjahrressieger Peter Sagan, Politt und Gilbert abgesetzt. Das Sextett lag zeitweise mehr als eine Minute vor den Verfolgern. Team Quickstep verlangsamte das Tempo der zweiten Gruppe immer wieder, um seinen Teamkollegen in der Spitzengruppe den Vorsprung zu sichern. So hatte John Degenkolb, Sieger von 2015, bei seinem Lieblingsrennen nichts mit dem Zielsprint zu tun.

Paris-Roubaix stand im Zeichen der Erinnerung an den im vergangenen Jahr verstorbenen Belgier Michael Goolaerts. Der 23-Jährige hatte während des Rennens einen Herzstillstand erlitten und war wenig später im Krankenhaus gestorben. Um an Goolaerts zu erinnern, benannten die Rennorganisatoren den zweiten Kopfsteinpflaster-Abschnitt zwischen Briastre und Viesly nach ihm. Fahrer seines ehemaligen Teams Roompot Charles waren zu Beginn des Rennens in den Ausreißergruppen zu sehen.

"Ich versuche, so wenig wie möglich, daran zu denken", sagte Goolaerts ehemaliger Teamkapitän Wout van Aert, der mittlerweile für Jumbo-Visma fährt, dem belgischen TV-Sender VTM Nieuws vor dem Rennen. "Ich will Michael mit einem großartigen Ergebnis ehren." Technische Defekte und ein Sturz trafen van Aert schwer, er kämpfte sich aber immer wieder zurück ins Peloton und war bis 20 Kilometer vor Schluss in der führenden Ausreißergruppe vertreten. Er kam auf dem 20. Platz ins Ziel. Infolge des Kraftakts nach seinem Sturz war das immer noch ein starkes Ergebnis.

Auf den ruckeligen und schmalen Abschnitten hatten einige Fahrer mit technischen Defekten an ihren Rennrädern zu kämpfen oder stürzten gar in den Straßengraben. Besonders hart traf es Quickstep-Fahrer Iljo Keisse, der auf einer geteerten Straße gegen ein gepolstertes Straßenschild fuhr und ins Krankenhaus gebracht werden musste.

Insgesamt 54 Kilometer fuhren die 175 Fahrer über Kopfsteinpflaster
Christophe Petit Tesson /EPA-EFE/REX

Insgesamt 54 Kilometer fuhren die 175 Fahrer über Kopfsteinpflaster

Anders als beispielsweise bei der Flandern-Rundfahrt, gab es bei Paris-Roubaix dieses Jahr erneut kein Rennen für Frauen. Der Präsident des Rad-Weltverbands UCI David Lappartient hatte die Organisatoren im vergangenen Jahr aufgefordert, auch ein Frauen-Rennen auszurichten, spätestens 2020. Der nächste Frühjahrs-Klassiker der Männer steht am 28. April mit Lüttich-Bastogne-Lüttich an.

ptz

Mehr zum Thema


insgesamt 3 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Prussia Culé 14.04.2019
1. Helden in der Hölle des Nordens
Gratulation an Gilbert, Politt und Lampaert. Bei Politt konnte man im Interview sehen, wie sehr er sich über den 2. Platz gefreut hat. Eine tolle Einstellung von ihm und so gesehen "verpasst" Politt nicht den Sieg. Zu Gilbert muss man nicht mehr viel sagen. Der "Eber der Ardennen" bleibt auch mit 36 ein Weltklassefahrer. Insgesamt wieder eine sehr starke Vorstellung von Deceunick Quick Step mit 3 Fahrern unter den TOP 10. ----- Mann des Tages ist für mich aber Wout Van Aert. Hat einen Defekt und fällt zurück. Kämpft sich alleine wieder heran, muss dann das Rad wechseln. Bei der erneuten Aufholjagd ohne Helfer stürzt er. Verliert wieder Zeit, kämpft sich wieder allein heran und geht dann in die Spitzengruppe. Großer Sport. ----- Kleine Korrektur: Lüttich-Bastogne-Lüttich findet am 28.4. statt. Nächsten Sonntag stehen in Lüttich erst die U23-Fahrer am Start. Der nächste Klassiker der Profis ist am kommenden Sonntag das Amstel Gold Race - bzw. davor noch unter der Woche der Pfeil von Brabant.
Slushi 14.04.2019
2. Seltsame Headline
Da gewinnt ein junger Deutscher den zweiten Platz beim größten Eintagesklassiker der Welt gegen einen erfahrenen Champion und der Spiegel titelt " [...] verpasst den Sieg". Es hätte auch heißen können "Politt fährt nach Couragiertem Ritt auf Rang zwei". Das würde der Leistung des Jungen eher gerecht werden.
Prussia Culé 15.04.2019
3. Noch eine kleine Korrektur, SPON
Hallo SPON, der letzte Satz ist immer noch falsch. Lüttich-Bastogne-Lüttich ist NICHT der nächste, sondern eher der letzte Frühjahrsklassiker. Das nächste klassische Rennen ist am Mittwoch der Pfeil von Brabant, der nächste "große" Klassiker ist am Sonntag das Amstel Gold Race.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.