Radsport Riis gab 134.000 Euro für Doping aus

Der frühere Tour-de-France-Gewinner Bjarne Riis hat Einzelheiten seines Doping-Gebrauchs ausgeplaudert. Der ehemalige Telekom-Fahrer investierte eine sechsstellige Summe in Epo-Mittel. Riis ist zudem sicher, dass alle in der Radszene über das Dopingsystem Bescheid wussten.
Ex-Radstar Riis: Schon in den achtziger Jahren gedopt

Ex-Radstar Riis: Schon in den achtziger Jahren gedopt

Foto: JENS DRESLING/ AP

Hamburg - Bjarne Riis, Gewinner der Tour de France 1996, hat in seiner Radsportkarriere bis zu 134.000 Euro für Doping ausgegeben. "Ich habe Doping-Mittel für gut und gerne eine halbe bis eine Million Kronen (umgerechnet 67.000 bis 134.000 Euro) gekauft", sagte der Teamdirektor des Rad-Rennstalls Saxo Bank der dänischen Tageszeitung "Politiken" anlässlich der bevorstehenden Präsentation seiner Biografie "Riis" am Dienstag.

Riis hatte bereits 2007 eingeräumt, in der Zeit von 1993 bis 1998 das Dopingmittel Erythropoietin (Epo), Wachstumshormone und Cortison zur Leistungssteigerung eingenommen zu haben. Auch seinen Tour-Sieg für das damalige Team Telekom hatte er auf illegale Weise erreicht. Nun räumte er ein, bereits in den achtziger Jahren gedopt zu haben. "Das schwerste war die erste Spritze mit Vitaminen und Mineralien, die wir alle bekommen haben und die wir mit der Zeit lernten, uns selbst zu geben. Deshalb hatte ich keine Probleme mit den ersten Dopingspritzen, das war völlig undramatisch. Es war ja nur etwas anderes in der Spritze drin als Vitamine", sagte Riis.

Riis: Alle haben davon gewusst

In einem Interview mit der Internetseite sporten.dk betonte Riis zudem, dass in seiner aktiven Zeit alle über den Gebrauch von Dopingmitteln Bescheid gewusst hätten: "Das war nichts, was ich als etwas total Verbotenes erachtete, das war etwas völlig Natürliches. Die Presse wusste es auch, das war nichts Heimliches." Riis erzählte zudem, dass er 1998 bei einer Polizeirazzia beinahe erwischt worden wäre. In letzter Sekunde spülte er den Inhalt eines Behälters, unter anderem Epo, die Toilette hinunter. "Aus heutiger Sicht betrachtet ist das eine ganz absurde und groteske Geschichte", sagte Riis.

Von seinem Doping-Missbrauch wussten in seiner aktiven Zeit nur seine Frau Mette Riis und seine spätere Partnerin, die ehemalige Handballspielerin Anne Dorthe Tanderup, betonte Riis. Nach der Tour 1998 hatte Riis eigenen Angaben zufolge genug vom Doping. "Es hing mir schon zum Halse heraus, nur eine Vitaminpille zu nehmen", sagte er. 1999 beendete er seine Karriere nach einem schweren Sturz bei der Tour de Suisse.

aha/sid
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.
Merkliste
Speichern Sie Ihre Lieblingsartikel in der persönlichen Merkliste, um sie später zu lesen und einfach wiederzufinden.
Jetzt anmelden
Sie haben noch kein SPIEGEL-Konto? Jetzt registrieren