Radsport-Skandal Ullrich weiter unter Verdacht

Jan Ullrich muss weiter mit einem Verfahren wegen Dopings in der Schweiz rechnen. Die Ermittlungen gegen ihn werden fortgesetzt. Ein anderer deutscher Fahrer darf wieder starten. In den kommenden Tagen geht es aber auch um die Zukunft der Deutschland-Rundfahrt.

Hamburg - Über eine Anklage gegen Ullrichwerde aber nicht vor Anfang kommenden Jahres entschieden, erklärte der zuständige Sachbearbeiter Bernhard Welten gegenüber dem "sid". Grund der Verzögerung sei die Ankündigung der Justizbehörden in Deutschland und Spanien über Zusendung der angeforderten weiteren Unterlagen bis Januar. Erst danach werde das "Dossier Ullrich" an die Disziplinarkammer von Swiss Olympic weitergegeben, die dann über die Einleitung eines Verfahrens zu entscheiden habe. Der 32-Jährige hatte seine Fahrer-Lizenz Mitte Oktober an den Schweizer Verband zurückgegeben.

Die Doping-Fachkommission sehe keinen Anlass zur Einstellung der Ermittlungen, sagte Welten. Die Auflage des Gerichts in Madrid, die Untersuchungsergebnisse in der Dopingaffäre "Operacion Puerto" vorerst nicht zu verwerten, könne aus Schweizer Sicht nur für das Strafrecht gelten. "Wir aber befinden uns im Privatrecht", erklärte Welten.

Während Ullrich seit seinem Austritt aus dem Schweizer Verband ohne Profi-Lizenz ist, könnte der Ansbacher Jörg Jaksche ab sofort wieder starten. Österreichs Verband wird laut Generalsekretär Rudolf Massak vorerst kein Verfahren gegen den 30-Jährigen einleiten, der ebenfalls in den spanischen Skandal verwickelt sein soll. Man werde den Fall aber möglicherweise wieder aufgreifen, wenn neue Erkenntnisse vorlägen.

Dennoch bleibt die sportliche Situation des in Kitzbühel wohnenden Jaksche unklar. Im "Kicker" sagte er vor zwei Wochen: "Ich gehe davon aus, 2007 wieder im Astana-Team von Saiz zu fahren. Er hat es mir schon angeboten." Doch Saiz besitzt zwar eine ProTour-Lizenz, arbeitet aber offiziell nicht mehr für das kasachische Team, für das Andreas Klöden und Aleexander Winokurow starten. Jaksche war kurz vor Beginn der Tour de France "wegen Erkrankung" aus dem Astana-Aufgebot gestrichen und seitdem nicht mehr eingesetzt worden.

Entscheidung über Zukunft der Deutschland-Tour

Am kommenden Montag geht es bei der entscheidenden Sitzung der ARD-Intendanten in München um die Zukunft der Deutschland-Tour. WDR-Chef Fritz Pleitgen will sich vehement dafür einsetzen, dass die Deutschland-Tour der Radprofis auch 2007 in der ARD übertragen wird. Der TV-Vertrag war nach den Dopingskandalen im Radsport zuletzt stark gefährdet. Doch Pleitgen führt gleich mehrere Argumente für sein Engagement an. Vor allem habe der Bund Deutscher Radfahrer "Regeln in seinem Anti-Doping-Programm entwickelt wie kein anderer Sportverband. Die Deutschland-Tour sollte als Beispiel für sauberen Sport stehen."

Die vom 8. bis 16. August 2007 vorgesehene Rundfahrt soll jedoch auf den 11. bis 19. August verlegt werden. Die Organisatoren verhandeln derzeit mit dem Radsport-Weltverband UCI. Dazu sagte Pleitgen: "Wir wollen zwei Wochenenden für Übertragungen und keinen Beginn mitten in der Woche." Er werde bei seinen Bemühungen von Kollegen unterstützt, versicherte Pleitgen: "NDR-Intendant Jobst Plog und Intendant Fritz Raff vom Saarländischen Rundfunk sind meiner Meinung."

DER SPIEGEL hatte in seiner Ausgabe vom 23. Oktober dieses Jahres dagegen berichtet, dass sich die die Programmdirektoren der Sendeanstalten bereits entschieden hätten, das längste deutsche Radrennen schon ab dem kommenden Jahr nicht mehr zu übertragen.

mt/sid

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