Radsport Spanische Urteile stürzen Weltverband in die Krise

Erst der Freifahrtschein für Ivan Basso, nun auch noch eine Pro-Tour-Lizenz für den spanischen Manager Manolo Saiz und die Einstellung von Untersuchungen gegen 28 Radprofis: Ein Beschluss der spanischen Justizbehörde hat den internationalen Radsportverband UCI in eine Krise gestürzt.


Hamburg - Der Weltverband bestätigte die Lizenz für Saiz, einen der Hauptangeklagten in der Doping-Affäre um den spanischen Arzt Eufemiano Fuentes. Der spanische Manager des einstigen Teams Liberty Seguros war im Mai auf frischer Tat ertappt worden, als er in Madrid manipulierte Blutkonserven von Fuentes kaufen wollte. Die UCI "bedauerte" in einer Pressemitteilung die Lizenzerteilung "auf Grund der Rechtslage". Eine andere Entscheidung sei wegen mangelnder Informationen der spanischen Ermittlungsbehörden nicht möglich gewesen, sagte UCI-Präsident Pat McQuaid.

Der nur auf Kaution auf freiem Fuß befindliche Saiz gilt neben Fuentes als Schlüsselfigur des Doping-Skandals. Der Spanier, der mit seiner Firma Active Bay unter anderen noch immer die Verträge des Radprofis Alexander Winokurow (Astana) hält, will angeblich ein neues Team gründen.

Manipulierte Blutkonserven: UCI konsterniert über spanische Entscheidung
DPA

Manipulierte Blutkonserven: UCI konsterniert über spanische Entscheidung

Mit der Lizenzerteilung einher geht auch die Aussetzung der Untersuchungen des Königlich Spanischen Verbandes RFEC gegen 28 einheimische Fahrer. Die kurz vor dem Start der Tour de France suspendierten spanischen Profis, darunter auch Ex-T-Mobile-Profi Oscar Sevilla, dürfen damit wieder Rennen fahren. McQuaid ist zwar konsterniert, will aber im Anti-Dopingkampf keinesfalls von einer Niederlage sprechen. "Es ist eine absurde Situation. Uns sind die Hände gebunden. Aber das Warten auf ein Urteil der spanischen Justiz heißt nicht, dass es nicht weitergehen wird. Dann werden wir eben in einem halben oder dreiviertel Jahr ermitteln", sagte der UCI-Chef der französischen Nachrichtenagentur AFP.

Dass die unter Verdacht stehenden Spanier mit ihren gültigen Lizenzen in diesem Zeitraum Verträge bei ProTour-Rennställen erhalten, hofft der Ire nicht. McQuaid erinnert an den Ehrenkodex, den alle ProTeam-Rennleiter unterzeichnet haben. Demnach dürfen unter Verdacht stehende Fahrer nicht eingesetzt oder verpflichtet werden. McQuaid verweist darauf, dass die Rennställe bei Wiederaufnahme der Verfahren Gehälter für dann suspendierte Fahrer weiterzahlen müssten. Zudem vertraut er darauf, dass die Teamleiter den selbst formulierten Ansprüchen im Kampf gegen Doping genügen.

Des einen Leid, des anderen Freud: Das Urteil hat unter Dopingverdacht stehenden Profis wie zum Beispiel auch Jan Ullrich erst einmal ein wenig Luft verschafft. Der Tour-de-France-Sieger von 1997 verweigert ebenso wie Basso nach wie vor einen DNA-Test. Während gegen Ullrich vom Schweizer Verband weiter ermittelt wird und Strafanzeigen in der Heimat vorliegen, wurde Basso vom italienischen Radsportverband "mangels Beweisen" freigesprochen.

Hintergrund der juristischen Spitzfindigkeiten ist die Tatsache, dass Doping in Spanien keinen Strafbestand erfüllt. Die Behörden ermitteln wegen Vergehens gegen die Anti-Drogengesetze des Landes, gegen die der Madrider Arzt Fuentes in Zusammenarbeit mit Saiz verstoßen haben soll.

mac/sid/dpa

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