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09. Oktober 2008, 16:05 Uhr

Radsport

Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Schumacher

Erneuter Ärger für den Radprofi: Stefan Schumacher ist Gegenstand eines Verfahrens der Staatsanwaltschaft. Sein zukünftiges Team Quick Step erachtet den Vertrag mit ihm als gegenstandslos. Rudolf Scharping kritisiert die UCI für sein Vorgehen im Fall Armstrong.

Hamburg - Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft hat gegen den unter Doping-Verdacht stehenden Stefan Schumacher ein Betrugsverfahren eingeleitet. Es läge ein Anfangsverdacht gegen den Radprofi vor, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft am Donnerstag. Bereits am Dienstag hätten Beamte das Privathaus des 27-Jährigen durchsucht und einige Beweismittel sichergestellt. Das Material werde derzeit ausgewertet. Schumachers Anwalt Michael Lehner bestätigte die Ermittlungen.

Radfahrer Schumacher: Im Mittelpunkt der Ermittlungen
DDP

Radfahrer Schumacher: Im Mittelpunkt der Ermittlungen

Während der Durchsuchung habe Schumacher keine Angaben gemacht, sich aber kooperativ gezeigt. Im Rahmen des Ermittlungsverfahrens werde er noch Gelegenheit für eine Stellungnahme erhalten. Ermittelt werde wegen des Verdachts der Täuschung seines bisherigen Arbeitgebers, des Gerolsteiner-Teams. Daher hatte die Staatsanwaltschaft auch Unterlagen von Teamchef Hans-Michael Holczer geprüft.

Gemeinsam mit Schumachers Manager Heinz Betz veröffentlichte Anwalt Lehner am Donnerstag eine schriftliche Stellungnahme. Lehner übte darin Kritik an der Vorgehensweise der französischen Dopingkontrolleure, die seinen Mandanten als letzten von den Vorwürfen in Kenntnis setzten. Außerdem habe ihm der Staatsanwalt einen an ihn persönlich gerichteten Brief der AFLD überreichte, der bereits geöffnet und ohne die deutsche Übersetzung gewesen sei, die der Umschlag angeblich enthalten sollte.

Zweifel an den Vorwürfen hat auch Manager Betz, aufgrund eines Briefs, in dem Schumacher in der ersten Tour-Woche angeblich gebeten wurde, seine Blutwerte mit dem Teamarzt zu diskutieren, den er aber nie erhalten habe. "Stefan ist am Boden zerstört und hat sich erst einmal zurückgezogen. Er wird sich zu gegebener Zeit zu Wort melden", so sein Manager.

Währendessen will der belgische Quick-Step-Rennstall den für 2009 geschlossenen Vertrag mit Schumacher aufkündigen. "Ich betrachte ihn als null und nichtig", sagte Teamchef Patrick Lefevere der belgischen Zeitung "Gazet van Antwerpen" am Donnerstag. Er sehe "keinen Weg" für eine Zusammenarbeit mit Schumacher, der sich mit Quick Step erst vor zwei Wochen über einen Wechsel verständigt hatte.

Kritik an Armstrong-Comeback

Rudolf Scharping hat den Radsport-Weltverband UCI für die Sonderbehandlung von Lance Armstrong kritisiert. Es sei "ein Fehler", dass die UCI für ihn eine Ausnahme von ihrem Reglement mache, sagte der Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) am Donnerstag. Die UCI hatte am Mittwoch bekanntgegeben, dass der siebenfache Tour-de-France-Sieger, entgegen der Vorschriften schon bei der Australien-Rundfahrt sein Comeback geben kann.

"In diesen Zeiten sollte sich jeder besonders strikt an die Regeln halten", sagte Scharping. Zugleich betrachtet er die Rückkehr von Armstrong und dem Kasachen Alexander Winokurow mit Skepsis. "Auch wenn in allen Bereichen des Lebens 'Resozialisierung' nach verbüßter Strafe gilt: Muss das unbedingt im Radsport sein?", fragte Scharping.

met/dpa/sid

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