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Ehemaliger Radprofi Schumacher: Zeitfahrspezialist im Dopingsumpf

Foto: ALESSANDRO TROVATI/ AP

Radsport Schumacher gesteht jahrelanges Doping

Doping habe zu seinem Alltag gehört wie ein Teller Nudeln: Radprofi Stefan Schumacher räumt im SPIEGEL erstmals ein, systematisch gedopt zu haben. Während seiner Zeit beim Team Gerolsteiner hätten Ärzte "aktiv beim Dopen mitgemischt", Rennstallchef Hans-Michael Holczer habe alles gewusst.

Hamburg - Der deutsche Radprofi Stefan Schumacher, zweifacher Etappensieger bei der Tour de France 2008, hat erstmals zugegeben, gedopt zu haben. Im Gespräch mit dem Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL erklärt Schumacher: "Ich habe Epo genommen, auch Wachstumshormon und Kortikosteroide."

Schon mit Anfang 20 habe der heute 31-jährige Rennfahrer damit begonnen, sich Spritzen zu setzen: "Ich habe mich in ein System eingefügt. Das macht mich nicht stolz, aber es war eben so." Anfangs habe er "wegen der Dopingmittel einen inneren Kampf geführt, aber dieses Zerrüttetsein ist irgendwann weg", sagt Schumacher. "Doping wird zum Alltag wie der Teller Nudeln nach dem Training."

Während seiner Zeit beim Team Gerolsteiner von 2006 bis 2008 hätten die Teamärzte "zum Teil aktiv beim Dopen mitgemischt". Im Mannschaftsbus von Gerolsteiner sei eine Vielzahl von Medikamenten transportiert worden: "Die meisten Sachen konnte sich jeder aus der Medikamentenbox nehmen. Das war völlig verrückt." Es seien auch "falsche Rezepte für Kortisonpräparate ausgestellt" worden, so Schumacher: "Einen so laxen Umgang mit Medikamenten habe ich nur bei Gerolsteiner erlebt."

Schumacher behauptet, dass sein damaliger Rennstallchef Hans-Michael Holczer über die Zustände bei Gerolsteiner "bestens im Bilde" gewesen sei: "Der hat schon mitbekommen, was um ihn herum passiert ist." Schumacher war bis August 2010 zwei Jahre lang gesperrt, weil ihm die Einnahme des Epo-Präparats Cera nachgewiesen worden war. Kurz nach Bekanntwerden seiner Cera-Befunde hatte ihn die Nationale Anti-Doping-Agentur (Nada) angezeigt.

Nun ist Schumacher wegen Betrugs des damaligen Rennstallbesitzers Holczer angeklagt, ab 10. April wird vor dem Stuttgarter Landgericht verhandelt. Schumacher ist gewillt, sich als Zeuge zur Verfügung zu stellen: "Ich bin bereit, mein Wissen mit den relevanten Organisationen wie Wada, Nada, UCI zu teilen – wenn es gewünscht ist."

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