Radsport Streit zwischen Weltverband und Veranstalter eskaliert

Es ist nur ein Rennen, aber es kann den Radsport verändern: 17 ProTour-Teams werden am kommenden Sonntag bei Paris-Nizza an den Start gehen, obwohl der Weltverband es für illegal erklärt hat. Den Fahrern drohen empfindliche Strafen, doch die Rennställe bleiben hart.


Hamburg - Pat McQuaid befürchtet Schlimmes: Der Präsident des Radsport-Weltverbandes UCI rechnet damit, dass der Rennveranstalter Amaury Sports Organisation (Aso) eine eigene Serie plant. "Die Aso will eine eigene Liga. Falls die Teams folgen und starten, geben sie der Aso eine moralische Rechtfertigung, diesen Weg weiter zu verfolgen", erklärte der Ire, der im Streit mit der Aso immer heftiger droht. Er warnte die Teams erneut dringend vor einer Teilnahme an der Fernfahrt Paris-Nizza, die am Sonntag beginnt.

CSC-Profi Voigt: Keine Rücksicht auf mögliche Konsequenzen
AFP

CSC-Profi Voigt: Keine Rücksicht auf mögliche Konsequenzen

Und die Drohung zeigt Wirkung: Die beiden englischen Highroad-Profis Mark Cavendish und Bradley Wiggins haben heute ihren Verzicht auf Paris-Nizza erklärt, obwohl beide das Rennen als finale Vorbereitung auf die Bahn-WM Ende des Monats in Manchester nutzen wollten. Die Fahrer wollten das Risiko nicht eingehen, für die Weltmeisterschaften gesperrt zu werden und gehen nun bei der Tirreno-Adriatico an den Start.

Zwei Fahrer verzichten - doch 17 Profiteams haben sich trotz der Sanktions-Gefahr (Fahrer-Sperren bis zu sechs Monaten, Verlust des Versicherungs-Schutzes und Ausschluss von Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen) für einen Start bei der 66. Auflage von Paris-Nizza entschieden. Die UCI bezeichnet das Traditionsrennen unter Federführung des französischen Verbandes als "illegal" und ist bereit, Strafen auszusprechen: "Wenn wir nichts machen, können wir gleich die Tür unseres Büros in Aigle schließen", so McQuaid.

Beim Team Gerolsteiner wurden bei der Aufstellung für Paris-Nizza keine Rücksichten auf den Streit und mögliche Auswirkungen genommen. Neben dem Vorjahres-Zweiten Davide Rebellin stehen mit Bernhard Kohl und Stefan Schumacher auch Kandidaten für die ebenfalls von der Aso veranstaltete Tour de France am Start. Auch Jens Voigt (CSC) ist dabei.

Radteams vereinbaren Absicherung mit Aso

Bei Teilnahme am Sonntag werde es laut McQuaid zuerst den veranstaltenden französischen Verband treffen, der für Weltmeisterschaften gesperrt werden könnte, dann die Mannschaften und Fahrer. Der UCI-Boss fühlt sich bestärkt durch einen 18:7-Beschluss der Europäischen Radsport-Vereinigung UEC, der sich dagegen wendet, dass sich die Aso mit Hilfe des UEC-Mitglieds FFC aus Frankreich außerhalb der UCI-Regularien und -Autorität stellt.

Die von den Sanktionen durch den Weltverband bedrohten Radteams haben unterdessen mit der Aso eine Absicherung vereinbart. Für den Fall weiterer Streitfälle soll die Schlichtungskommission des französischen Olympia-Komitees CNOSF der Rennstallvereinigung AIGCP zu Hilfe kommen. Dieser Vertragsklausel stimmte der Ausrichter heute zu.

Dass die gemeldeten 20 Mannschaften, darunter 17 der UCI unterstellten ProTour-Teams, am kommenden Sonntag beim Prolog an den Start gehen werden, steht laut AIGCP-Präsident Eric Boyer außer Frage. "Die Entscheidung ist einheitlich. Die Teams wollen die Interessen ihrer Sponsoren ebenso vertreten wie die des Sports und der Fahrer", heißt es in einem AIGCP-Kommunique, in dem gleichzeitig ein Dialog zwischen den Parteien gefordert wird. Die UCI-Drohung, die Fahrer im Startfall mit Sperren zu belegen, nimmt Boyer in Kauf, warnte jedoch: "Das wäre ein schwerer Fehler".

Der Streit war entbrannt, nachdem die Aso dem mit der ProTour-Lizenz ausgestatteten Astana-Team für alle von ihr ausgerichteten Rennen die Starterlaubnis verweigert hatte. Die UCI-Regularien sehen ein Startrecht aller erstklassigen Teams bei ProTour-Rennen vor. Im Radsport-Kalender 2008 hatte die UCI kein Aso-Rennen mehr der ProTour zugeordnet und die Veranstaltungen für "illegal" erklärt.

goe/sid/dpa



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