Radsport Reichster Brite kauft erfolgreichsten Rennstall der Welt

Seit fast zehn Jahren dominiert Team Sky den Radrennsport. Jetzt ist das Team verkauft worden und wird ab Mai als Team Ineos starten. Der neue Besitzer soll auch am Kauf des FC Chelsea interessiert sein.

Team Sky bei der Abschlussetappe der Tour de France im Juli 2018
DPA

Team Sky bei der Abschlussetappe der Tour de France im Juli 2018


Aus Team Sky wird am 1. Mai Team Ineos. Das gab der britische Radrennstall bekannt, der sechs der vergangenen sieben Tour-de-France-Sieger gestellt hat. Das Medien-Unternehmen Sky hatte bereits im Dezember bekanntgegeben, sich aus dem Radsport zurückziehen zu wollen.

Beim neuen Namensgeber Ineos handelt es sich um ein Chemie-Unternehmen mit einem Jahresumsatz von 40 Milliarden US-Dollar (etwa 35,2 Milliarden Euro). Ineos wurde 1998 von Sir Jim Ratcliffe gegründet, der mit einem Privatvermögen von geschätzten 21 Milliarden Pfund (etwa 24,5 Milliarden Euro) als reichster Brite gilt.

Sir Jim Ratcliffe
REUTERS

Sir Jim Ratcliffe

"Der Radsport verbindet Ausdauer und Taktik und erfreut sich rund um die Welt immer größerer Beliebtheit", sagte Ratcfliffe. "Der Sport wächst immer weiter, weil Radfahren gut für die Fitness und Gesundheit ist und gleichzeitig eine Problemlösung für die Verkehrsbelastung und Umweltverschmutzung in Städten bietet."

Superstar Froome und das Dauerthema Doping

Zum ersten Mal wird sich das Team unter neuem Namen bei der Tour de Yorkshire präsentieren, die am 2. Mai beginnt. Team Sky wurde 2009 gegründet, nimmt seit 2010 an Straßenrennen teil und hat seitdem 327 Rennen gewonnen, darunter acht der Großen Rundfahrten (Tour de France, Giro d'Italia und Vuelta). Angeführt wird das Team vom viermaligen Tour-de-France- und aktuellen Giro-Sieger Christopher Froome.

Froome war 2017 positiv auf das verbotene Asthma-Medikament Salbutamol getestet worden. Im anschließenden Doping-Verfahren wurde Froome zwar freigesprochen, trotzdem gilt er bei Radsport-Fans als Betrüger. Zwischenzeitlich ermittelte die britische Anti-Doping-Agentur Ukad gegen das gesamte Team, Froome und seinem ehemaligen Mannschaftskameraden Bradley Wiggins konnten aber keine Verstöße nachgewiesen werden. Das britische Sportministerium erhob trotzdem schwere Vorwürfe gegen Team Sky, die sowohl Fahrer als auch Verantwortliche stets zurückwiesen.

Neuer Besitzer will auch den FC Chelsea kaufen

Insgesamt stehen bei dem britischen Stall 29 Fahrer aus 14 Ländern unter Vertrag, darunter auch der aktuelle Tour-Sieger Geraint Thomas. Teamchef Sir Dave Brailsford sagte, der Verkauf von Sky an Ineos sei "eine großartige Neuigkeit für das Team, für Radsport-Fans und für den Sport generell. Damit endet die Unsicherheit rund um das Team, und die Geschwindigkeit, in der die Entscheidung getroffen wurde, zeugt von großem Vertrauen in unsere Zukunft."

Ineos sponsert bereits das britische Segel-Team, das 2021 bei der 36. Auflage des America's Cup an den Start gehen soll. Außerdem soll Ratcliffe, dem auch der Schweizer Fußballverein FC Lausanne-Sport gehört, nach übereinstimmenden Medienberichten Interesse haben, Roman Abramowitsch den FC Chelsea abzukaufen.

mmm

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Martin Stein 19.03.2019
1. Ein geflüchteter Brexiteer
leistet sich jetzt die Spielsachen für große Jungs: Nach 140 Mio Pfund für die britische America's Cup Campagne, jetzt die getunten Sky-Strampler, und demnächst dann noch den Fußballclub eines gebeutelten, russischen Oligarchen. Wofür ein Umzug nach Monaco doch gut sein kann!
J. Smith 19.03.2019
2.
Den Ausstieg von 21st Century Fox/Sky aus dem Profi-Radsport habe ich vor allem mit der Hoffnung verbunden, dass endlich die unerträglich gewordene Dominanz des (Ex-)Sky-Teams bei den grossen Landesrundfahrten beendet wird. Aus dieser Hoffnung wird nach dem Einstieg von INEOS wohl leider nichts werden. Auch wenn der Schritt von INEOS aus Radsportsicht insgesamt zu begrüssen ist, bleiben die strukturellen finanziellen Probleme des Radsports weiterhin bestehen. Das Ungleichgewicht zwischen den Teams dürfte somit nicht kleiner werden.
ratx 19.03.2019
3. hoppla !
Dass ein Chemie-Unternehmen das Sky-Team übernimmt, hat eine gewisse Note. Traurig sind die Auswirkungen auf diesen Profisport durch den Einstieg von potenten Unternehmen . Downsizing wäre besser.
achterhoeker 20.03.2019
4. Unverständlich
Unverständlich ist doch das immer noch Beifall für derartige Geschäfte geklatscht wird. Der reichste Brite, der vom Brexit, bevor er laut gehandelt wurde, gewusst hat, der fürr seinen Auszug von der Insel und die ausfallend Steuermillionen für GB noch als Zugabe von der Queen zum Sir gemacht wurde, der von der EU (und den im Parlament mitwirkend Grünen) trotz Umzug in die Schweiz bei seinen Geschäften tatkräftig unterstützt wurde (Liquidierung einer PVC Anlage in Ostdeutschland und Umzug dieser nach Belgien, Transporte von Vinylchlorid per Bahn- Güterzuge pro Monat- vom angeblich zu teuren Schkopau nach anderen Standorten trotz des SCHÖNEBECKUNGLÜCKS, bei dem sich die Grünen und die Medien hysterisch überschlagen haben). Der kauft sich das Zirkuspferd SkyTeam, dessen unerträgliche Art jede Rundfahrt im TV nur mit Ausschalten und Abo kündigen beendet werden konnte. 27 Mrd. EURO Privatvermögen im Alter von 66 Jahren? Da kann man nur noch Spielzeug kaufen. Aber sein letztes Hemd ist wie bei allen, und sein Konzern wird wie Dow auch filletiert. Die Haie haben Zeit, zum Glück.
der_rookie 20.03.2019
5. Hm
Laut ineos Website ist eines von deren Geschäftsbereiche Medical&Pharma. Damit bringen die natürlich viel Kompetenz mit den Gesundheitszustand der Radsportler zu optimieren / zu verbessern - selbstverständlich nur im Rahmen des Legalen.
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