Radsport Team Telekom in Doping-Skandal verwickelt

Für das Team Telekom hat die Doping-Razzia beim diesjährigen Giro d'Italia ein Nachspiel. Zwei Radprofis der Mannschaft um Kapitän Jan Ullrich befinden sich im Fadenkreuz der italienischen Justiz.


Alberto Elli: Eine Sperre droht
AFP

Alberto Elli: Eine Sperre droht

Florenz - Wie die italienische Nachrichtenagentur ansa meldet, hat der Florenzer Staatsanwalt Luigi Bocciolini ein Verfahren gegen 52 Personen eröffnet, darunter befinden sich auch Alberto Elli und Roberto Sgambelluri von Team Telekom.

Bei den des Dopingmissbrauchs Verdächtigten waren im Rahmen der Giro-Durchsuchungen vor rund drei Monaten belastendes Material wie Wachstumshormone und Insulin gefunden worden, allerdings nicht das Blutdopingmittel Erythropoetin (Epo).

Neben dem 37-jährigen Elli, der bei der Tour de France 2000 im Gelben Trikot fuhr, dieses Jahr aber nicht von der Telekom für die Frankreich-Rundfahrt nominiert wurde, und dem 27-jährigen Sgambelluri hat die Staatsanwaltschaft 38 weitere Giro-Teilnehmer sowie jeweils sechs sportliche Leiter und Teamärzte im Visier.

Haftstrafen bis zu drei Jahren

Bei einer Verurteilung drohen den Dopingsündern Haftstrafen von drei Monaten bis drei Jahren. Elli wird, unabhängig vom Ausgang des Verfahrens, seine aktive Karriere nach Abschluss der Saison beenden. Nach dem Giro d'Italia hatte Team Telekom erklärt, es werde sich von Sgambelluri trennen. Der Italiener habe die sportlichen Erwartungen nicht erfüllt, hieß es.

Ursprünglich hatte die Staatsanwaltschaft Florenz gegen insgesamt 86 Radprofis ermittelt. Dabei hatte es nach der Razzia, bei der die Hotelzimmer der Giro-Teilnehmer in San Remo von über 200 Polizeibeamte durchsucht worden waren, auch Doping-Spekulationen um Telekom-Kapitän Jan Ullrich gegeben. Die Verdächtigungen, die wegen eines Asthma-Präparats entstanden waren, hatten sich allerdings als haltlos erwiesen.

"Habe noch nichts gehört"

Telekom-Teamchef Walter Godefroot mimte am Samstagnachmittag den Unwissenden. "Davon habe ich noch nichts gehört", kommentierte er die Aktivitäten der Florenzer Ankläger, "an unser Team ist keiner herangetreten. Deshalb kann ich mir entsprechende Meldungen nicht erklären."

Er gehe davon aus, dass die Italiener vor dem Weltcup-Rennen am Sonntag in Hamburg "wieder für Unruhe" sorgen wollen, mutmaßte Godefroot. "Das hat es während der Tour de France schon gegeben, und etwas Konkretes ist nicht herausgekommen."



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