Radsport UCI-Boss nennt nachträgliche Doping-Tests "sinnlos und teuer"

Pat McQuaid hat Angst um seinen Sport: Der Präsident des Radsport-Weltverbandes will keine nachträglichen Analysen von Doping-Proben vergangener Rundfahrten. Dies diene nicht dem Zwecke des Anti-Doping-Kampfes. Für Ex-Radprofi Patrick Sinkewitz hingegen "stinkt der Fisch am Kopf".


Hamburg - UCI-Präsident McQuaid hat kein großes Interesse an weiteren Doping-Skandalen. Der Ire lehnte das Angebot der französischen Anti-Doping-Agentur (AFLD) ab, die Proben der Tour de France 2007 oder in diesem Jahr vom Giro d'Italia oder Vuelta nachträglich auf den Epo-Nachfolger Cera zu kontrollieren.

UCI-Präsident McQuaid: "Verhöhnung für den Radsport"
AFP

UCI-Präsident McQuaid: "Verhöhnung für den Radsport"

"Vom UCI-Standpunkt her bevorzugen wir es, nach vorne zu schauen. Alle Proben noch einmal zu testen, ist sinnlos, teuer und dient nicht dem Zwecke des Anti-Doping-Kampfes", sagte McQuaid in Paris, wo am Mittwoch die Strecken-Präsentation der Tour 2009 stattfand. Eine nachträgliche Kontrolle würde den Radsport in ein Chaos stürzen, ergänzte McQuaid: "Wenn wir jetzt hingehen, die Proben der letzten zwei, drei Jahre kontrollieren und den Veranstaltern dann sagen: Ihr müsst euer Podium umkrempeln, wäre das eine Verhöhnung für den Radsport."

Die AFLD hatte jüngst durch ein verfeinertes Testverfahren bei den beiden Gerolsteiner-Fahrern Stefan Schumacher und Bernhard Kohl sowie dem Italiener Leonardo Piepoli den Epo-Nachfolger Cera in deren Blutproben von der Tour 2008 entdeckt. Bis 2007 hatte die UCI die Hoheit über die Dopingkontrollen bei der Frankreich-Rundfahrt, im Zuge des Streits zwischen dem Tour-Veranstalter ASO und der UCI war in diesem Jahr erstmals die AFLD für die Kontrollen verantwortlich.

McQuaid stellte zudem in Frage, ob die Proben überhaupt noch brauchbar sind. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hatte kürzlich angekündigt, die Blutproben von den Sommerspielen in Peking durch das neue Analyseverfahren nachträglich zu testen.

"Je höher man im Radsport geht, desto korrupter"

Für Patrik Sinkewitz sind jedoch nicht die Doping-Sünder der Grund allen Übels. "Der Fisch stinkt von oben. Je höher man im Radsport geht, desto korrupter wird es. Der Radsport ist meiner Meinung nach in den letzten Jahren sogar noch korrupter geworden. Und der Schein wird noch mehr gewahrt als noch vor einigen Jahren. Die decken sich alle selber", kritisierte der frühere T-Mobile-Profi in der "Sport Bild". Die Fahrer seien immer die Dummen, so Sinkewitz weiter: "Viel wichtiger ist ja auch die Frage: Wer deckt das alles? Da stecken Teamchefs, Verbände und sportliche Leiter dahinter. Und natürlich gibt es diverse Hintermänner. Und wenn mal einer Gegenwind reinbringt, wird er gleich ruhiggestellt."

Dabei wiederholte Sinkewitz seine Kritik an Gerolsteiner-Teamchef Hans-Michael Holczer. "Er hätte die Ergebnisse hinterfragen müssen. Entweder ist man blind - und das ist Herr Holczer nicht -, oder er hat Bescheid gewusst. Beides geht nicht. Ich kann mir vorstellen, dass Herr Holczer über systematisches Doping in seinem Team informiert war und beide Augen zugedrückt hat", sagte der frühere Deutschland-Tour-Sieger, der nach seinem umfangreichen Doping-Geständnis bislang vergeblich auf eine Anstellung im Radsport hoffte.

Holczer wehrt sich gegen die Angriffe von Sinkewitz und droht mit juristischen Schritten: "Wenn Patrik Sinkewitz uns systematisches Doping vorwirft, soll er Beweise auf den Tisch legen. Er hat sie nicht, da es so etwas bei mir nie gegeben hat. Meine Anwälte haben ihn wegen seiner betreffenden Äußerungen bereits im Auge", sagte er.

fpf/sid



insgesamt 331 Beiträge
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Seite 1
Umberto, 11.10.2008
1.
Zitat von sysopSeit mehreren Jahren werden immer wieder professionelle Radsportler des Dopings überführt. Jüngstes Beispiel ist Stefan Schumacher aus dem Team Gerolsteiner. Ist der Radsport am Ende? Diskutieren Sie mit.
Seit vielen Jahren werden immer wieder 100 m Läufer des Dopings überführt. Trotzdem wird immer noch diese Distanz gelaufen. Gleiches kann man über Gewichtheber feststellen, die auch trotzdem immer noch 'heben'. Ich sehe nicht, dass dies beim Radsport anders sein wird.
sitiwati 11.10.2008
2. der Radsport
gibts ja nicht erst seit JU oder LA, daher wird der Radsport auch nicht untergehen, ist wie Koch in Hessen, Hessen wird auch den H Koch und dei Faru Y überstehen !
Fritz Katzfuß 11.10.2008
3. Vollkommen
am Ende.
sitiwati 11.10.2008
4. da tun
Zitat von Fritz Katzfußam Ende.
Sie den 100.000ende Hobbyradfahrern Unrecht ! aber scheinbar kommen Sie aus ihren Heim nicht rauss !
Pinarello, 11.10.2008
5. Ja ja, nur der Radsport dopt!
Zitat von sysopSeit mehreren Jahren werden immer wieder professionelle Radsportler des Dopings überführt. Jüngstes Beispiel ist Stefan Schumacher aus dem Team Gerolsteiner. Ist der Radsport am Ende? Diskutieren Sie mit.
Ach nee, nicht schon wieder auf den Radsport, dort wird genauso wenig oder viel gedopt wie in allen anderen Profisportarten auch, bei den Belastungen einer 3-wöchigen Rundfahrt auch kein Wunder, besonders wenn den Medienvertretern nach jeder Etappe einer abzugehen scheint, wenn schon wieder eine neue Rekordzeit und Durchschnittsgeschwindigkeit erreicht wurde, was den normalen Radsportfan nicht die Bohne interessiert, der fährt nämlich auch selber und weiß, daß man einmal schneller und auch wieder langsamer ist. Allerdings kann man den SPON und die restliche ach so moralischen Zeigefingerheber-fraktion von ARD und ZDF wohl beruhigen, nach den das IOC rund 1000 Blutproben aus Peking nachträglich mit neuen Verfahren überprüfen läßt, kann man ja als Radsportfan mal gespannt sein, ob diejenigen mit dem moralischen Zeigefinger dann auch noch so einseitig auf den Radsport einprügeln, weil die Dopingfälle in den restlichen Sportarten sind ja nur bedauerliche einzelne Einzelfälle, darüber kann man ja getrost hinwegsehen, beim Radsport genügt schon der Verdacht gegen Stefan Schuhmacher um den kompletten Rückzug von ARD und ZDF von allen Radsportveranstaltungen anzukündigen. Was ist das nur für eine heuchlerische Welt, aber das steht ja schon in der Bibel, am schlimmsten von allen Sündern sind die Pharisäer mit dem so hochgelobten Anspruch.
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