Radsport Ullrichs Ansporn heißt Armstrong

Nachdem sein großer Rivale Lance Armstrong beim Amstel Gold Race schon gute Form bewies, hat Jan Ullrich entschieden, sich beim Giro für die Tour de France fitzumachen.


Lance Armstrong präsentiert sich in guter Frühform
AP

Lance Armstrong präsentiert sich in guter Frühform

Maastricht - Zwei Monate vor der Tour de France zeigte sich der Texaner Armstrong beim Amstel Gold Race in starker Verfassung und musste sich nur dem Holländer Erik Dekker beugen. Bei Ullrich dagegen muss in den nächsten Wochen der Schweiß in Strömen fließen, wenn er den Rückstand wettmachen will. "Das kann doch nur zusätzlicher Ansporn für Jan zur harten Arbeit sein", glaubt Telekoms sportlicher Leiter Rudy Pevenage.


Endgültiger Verzicht auf die Deutschland-Tour


Ullrichs Premiere beim Giro (19.5.-10.6.) und der Verzicht auf die Deutschland-Tour (29.5.-4.6.) zeigt, dass der 27-Jährige mit aller Kraft seinen zweiten Tour-Sieg nach 1997 verwirklichen und Armstrong vom Thron stoßen will. "Die Entscheidung ist mir wegen der deutschen Fans nicht leicht gefallen, aber die sportlichen Argumente haben mich überzeugt", sagte er.

Danilo Hondo feiert seinen zweiten Saisonsieg
AP

Danilo Hondo feiert seinen zweiten Saisonsieg

Nach der Berner Rundfahrt am Sonntag reiste Ullrich nach Frankfurt. Dort erwarten am Dienstag Hunderttausende bei Rund um den Henninger Turm seinen vorerst letzten heimischen Auftritt: "Gewinnen kann ich noch nicht, aber ich werde alles für die Mannschaft geben." Das hatte er auch am Sonntag im Schweizer Lyss getan, wo sein Teamkollege Danilo Hondo vor allem dank Andreas Klödens Unterstützung die Berner Rundfahrt gewann. Ullrich kam mit dem Hauptfeld an.


"Das Wetter spricht für Italien"


Nach dem Rennen in Frankfurt hat Ullrich nur noch den Start zur "Großen Schleife" am 7. Juli in Dünkirchen vor Augen: "Im letzten Jahr kam ich zehn Tage zu spät in Form, das soll mir diesmal nicht wieder passieren." Teamarzt Dr. Lothar Heinrich plädierte auch deshalb für den Giro: "Drei Wochen schwere Rennen sind für Jan ideal, auch das Wetter spricht für Italien." Pevenage: "Er kann es locker angehen, ist nicht unter Druck, erst die letzte Woche wird für ihn zum richtigen Test."

Teamchef Walter Godefroot sieht keinen Grund zur Panik: "Ich ziehe vor Armstrong meinen Hut, aber nicht erst seit heute. Jan weiß am besten, wie er das einzuschätzen hat. Er fährt im Giro nicht auf Sieg. Wichtig ist nur, ihn in optimaler Verfassung zu beenden." Die knapp vier Wochen danach bis zum Tour-Auftakt am 7. Juli reichen laut Heinrich zur Regeneration: "Das ist eben Jans großes Plus, dass er sich immer sehr schnell wieder erholt."


Dekker übernahm Weltcupführung


Lance Armstrong ist mit seiner Vorbereitung sehr zufrieden: "Das war ein guter Auftakt für die nächsten Wochen. Ich habe gesehen, dass meine Kondition stimmt", zeigte sich der 29-Jährige zufrieden: "Auch vor meinem ersten Toursieg 1999 war ich beim Amstel Gold Race Zweiter, das ist ein gutes Omen." 40 Kilometer vor dem Ziel hatte er das Feld gesprengt, nur Dekker konnte folgen, mit drei Etappensiegen der Shootingstar der Tour 2000. Im Sprint nach 254,6 Kilometer ließ sich der Rabobank-Mann den Heimsieg nicht nehmen und übernahm auch die Weltcupführung.

Für das Team Telekom wurde das fünfte Weltcuprennen nach einer Serie von Defekten zu einer einzigen Enttäuschung. Erik Zabel stieg nach rund 200 km bei der ersten Zieldurchfahrt aus: "Es hatte keinen Zweck mehr." Nach einer Reifenpanne musste er viele Minuten auf den Teamwagen warten. Godefroot: "Gerade hatten wir Andreas Klier das Rad gewechselt und kamen auf den schmalen Wegen nicht durch. Auf zehn Kilometern hatten fünf unserer Leute eine Panne, eine richtige Seuche."



© SPIEGEL ONLINE 2001
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.