Radsport Wildes Pony wirft Zabel aus dem Sattel

Ein ausgebrochenes Pony hat beim Rad-Halbklassiker Gent-Wevelgem für Schlagzeilen gesorgt. Leidtragender war der Telekom-Sprinter Erik Zabel, der von dem eigenwilligen Vierbeiner unsanft vom Rad geholt wurde.


Erik Zabel: "Schürfwunden an Armen und Beinen"
AP

Erik Zabel: "Schürfwunden an Armen und Beinen"

Wevelgem - Ein galoppierendes Pony, das Erik Zabel in den Straßengraben checkte, und der Überraschungssieger Geert van Bondt (Belgien) waren am Mittwoch die Hauptdarsteller beim Halbklassiker Gent-Wevelgem über 214 km. Das ausgerissene Pferd beeinflusste den Ausgang der Generalprobe für Paris-Roubaix in Belgien entscheidend. Der kuriose Zwischenfall 26 km vor dem Ziel sorgte für den Ausstieg des Mitfavoriten Zabel, der die Weltcupwertung anführt.

Ein schwarzes Pony, gefolgt von einem zweiten, lief von einer Koppel auf die Rennstrecke und rammte den Sprintstar des Telekom-Teams. Der Sieger von Mailand - San Remo, gerade in einer Verfolgergruppe hinter acht Ausreißern unterwegs, flog in hohem Bogen aus dem Sattel in den Straßengraben. Die Verletzungen hielten sich zum Glück im Rahmen. Hinter ihm konnte Steffen Wesemann (Wolmirstedt) noch bremsen und einen Sturz verhindern.

Zum Glück verletzte sich Zabel nur leicht und wird am Sonntag beim dritten Weltcuprennen in Paris wahrscheinlich wieder dabei sein können. "Ich habe noch nicht mit ihm gesprochen. Ich hoffe, er ist nur leicht blessiert - er fuhr danach noch ein Stück weiter. So etwas habe ich in meiner Jahrzehnte langen Karriere bisher nur einmal erlebt", sagte der im Begleitwagen sitzende Telekom-Teamchef Walter Godefroot. Kurz danach kam die Entwarnung von Teamsprecher Olaf Ludwig: "Erik erlitt nur Schürfwunden an Armen und Beinen."

Der nach seiner Gala-Vorstellung bei der Flandern-Rundfahrt als Mitfavorit gestartete Wesemann hatte vergeblich versucht, den Abstand zu den Ausreißern, die sich 60 km vor dem Ziel zusammengeschlossen hatten, wesentlich zu verkleinern. 40 Kilometer vor dem Ziel wurde der vierfache Friedensfahrt-Sieger, der sich mit zwei weiteren Fahrern abgesetzt hatte, vom Feld wieder eingeholt.

Danach bildete sich eine große Verfolgergruppe wieder mit Wesemann und Zabel, Jan Schaffrath (Berlin) und Gian-Matteo Fagnini (Italien) aus den Telekom-Reihen. Der Vorsprung der acht Ausreißer schmolz. Doch dann sorgten die galoppierenden Ponys für einen vorläufigen, dramatischen Wechsel des Rhythmus' bei den Verfolgern. Diese Tempoverzögerung brachte womöglich die Entscheidung zu Gunsten der "Flüchtlinge".

Drei Kilometer vor dem Ziel setzte sich der wenig bekannte van Bondt von der Spitzengruppe ab und rollte nach 5:01:03 Stunden mit über 20 Sekunden Vorsprung über die Ziellinie. Bester deutscher Profi war der wie der Sieger für das niederländische Team Fram Frites fahrende Münchner Andreas Klier auf Rang acht. Im Spurt des Feldes um den neunten Platz hatte Wesemann die schnellsten Beine.



© SPIEGEL ONLINE 2000
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.