Rallye Dakar Tempo-30-Zonen in der Sahara

Für das härteste Rennen der Welt gelten in diesem Jahr einige neue Regeln - und verblüffende Strafen. Jutta Kleinschmidt gilt nach ihrem Wechsel zu einem BMW-Privatteam nur als Geheimfavoritin, den Sieg werden wohl eine andere deutsche und eine japanische Marke unter sich ausfahren.

Von Jörg Schallenberg


Hamburg - Dritter, Zweiter, Erster? Schön, wenn es so einfach wäre. Kris Nissen, Motorsportchef von Volkswagen, bekannte kurz vor dem Start der Rallye Dakar 2007 morgen (12 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE), dass er von Jahr zu Jahr mehr Druck verspürt, der auf ihm lastet: "Bei Volkswagen betreiben wir Motorsport, weil wir gewinnen wollen." Da sind der dritte Platz 2005 und der zweite Platz 2006 für die hochgezüchteten VW Touareg zwar schöne Erfolge - aber eben noch nicht das, was man im Mutterkonzern erwartet.

In diesem Jahr soll die Vorherrschaft von Mitsubishi beim härtesten Rennen der Welt endlich gebrochen werden - nachdem die Sieger der vergangenen sechs Rallyes stets auf einem Pajero der japanischen Marke unterwegs waren. Auch 2007 gelten Titelverteidiger Luc Alphand und Rekordsieger Stephane Peterhansel aus Frankreich (beide auf Mitsubishi) als Top-Favoriten auf den Gesamtsieg des 7915 Kilometer langen Rennens, das in Lissabon startet und am 21. Januar in der senegalesischen Hauptstadt Dakar endet.

Um endlich ganz oben auf dem Siegertreppchen zu stehen, hat VW-Teamchef Nissen nicht nur die dieselgetriebenen Touareg das ganze Jahr 2006 über immer weiter modifizieren lassen, sondern auch einen spektakulären Personalwechsel vollzogen: Jutta Kleinschmidts Vertrag wurde trotz des dritten Platzes für VW 2005 überraschend nicht verlängert, dafür verpflichtete Nissen den 54-jährigen Rallye-Veteranen Ari Vatanen, der bereits viermal Dakar als Sieger erreichte - zuletzt allerdings vor 16 Jahren.

Doch der Finne, der mittlerweile für die konservative "Europäische Volkspartei" im Europaparlament sitzt, ist davon überzeugt, dass VW mit ihm und seiner italienischen Beifahrerin Fabrizia Pons die Rallye gewinnen kann. Jutta Kleinschmidt dagegen zählt im BMW X3 des privaten X-Raid-Teams nur zu den aussichtsreichsten Außenseitern. Im Interview mit SPIEGEL ONLINE zeigte sich Kleinschmidt enttäuscht über ihren Abgang bei VW und beschwerte sich, dass die Konkurrenz ihr gezielt einen Mechaniker abgeworben habe.

VW-Chef Nissen kommentierte seine Personalpolitik kühl - und mit einem Seitenhieb auf Kleinschmidt: "Es gab nicht wirklich deutsche Piloten, die die Leistung und das Tempo gehabt hätten wie die Fahrer in unserem Team. Wir wollen die besten Fahrer und Beifahrer, die wir finden können, denn wir wollen das bestmögliche Resultat erreichen." Insgesamt gehen 525 Teams im Auto, LKW oder auf dem Motorrad in das Rennen, darunter neben Kleinschmidt auch die deutsche Renn-Allrounderin Ellen Lohr, die gemeinsam mit der Französin Antonia de Roissard einen Mercedes-Rallyeprototypen fährt - allerdings ohne Chancen auf einen vorderen Platz.

Nachdem in den vergangenen Jahren immer wieder Zuschauer am Rand der Wüstenpiste verletzt und getötet worden waren, hat die Renndirektion 2007 verschärfte Regeln für die Dakar-Rallye angeordnet: Bei Ortsdurchfahrten gilt Tempo 50, in manchen Zonen sogar Tempo 30 - auch auf den Wertungsetappen. Für die Renn-LKW gelten 150 Stundenkilometer als Obergrenze. Verstöße werden mit Geld- oder Zeitstrafen geahndet. Kostet das einmalige Überschreiten des Tempolimits um bis zu 20 Kilometer noch 500 Euro, wird beim zweiten Regelbruch das Serviceauto samt Ladung für einen Tag beschlagnahmt.

Zu den Sicherheitsvorkehrungen zählt auch die veränderte Strecke durch Mali und der Verzicht auf Wertungsprüfungen auf der 11. Etappe. Das französische Außenministerium hat vor möglichen Terror-Anschlägen in dem westafrikanischen Land gewarnt. Alle Gefahren lassen sich bei dem stets umstrittenen Rennen aber kaum bannen: Bislang starben in 28 Jahren 23 Teilnehmer. "Jedes Mal, wenn jemand stirbt, tut das entsetzlich weh", sagt Kleinschmidt, "aber alle, die hier an den Start gehen, wollen das Abenteuer mit all seinen Gefahren und seiner Faszination."

Nicht immer enden völlig unerwartete Zwischenfälle tragisch. 1988 lag Ari Vatanen in Führung, musste aber aufgeben. Weder ein Fahrfehler noch ein technischer Defekt bedeuteten für ihn das Aus: Sein Wagen wurde wenige Etappen vor dem Ziel gestohlen.

Mit Material von sid und dpa.



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