Skandal in US-Basketballliga "Unglaublich rassistisch und beleidigend"

Barack Obama hat sich in den Rassismus-Skandal der amerikanischen Profiliga NBA eingeschaltet. Ein Team-Besitzer soll seiner Freundin verboten haben, Schwarze zu Heimspielen mitzubringen.

AP

Hamburg - US-Präsident Barack Obama hat Aussagen, die Donald Sterling, dem Besitzer des NBA-Clubs Los Angeles Clippers, zugeschrieben werden, scharf verurteilt: Sie seien "unglaublich rassistisch und beleidigend". Obama zeigte sich zuversichtlich, dass NBA-Commissioner Adam Silver sich der Bemerkungen annehmen werde. Der Präsident gilt als großer Basketball-Fan.

Auf den besagten Tonaufzeichnungen soll einem Bericht des Internetportals "TMZ" zufolge Clippers-Clubchef Sterling zu hören sein, wie er im Gespräch mit seiner Freundin rassistische Bemerkungen macht. Die Person auf der Aufzeichnung erklärt, dass seine Freundin keine "schwarzen Menschen" mit zu "seinen Spielen" bringen solle. "Willst du, dass ich Schwarze hasse?", fragt die Frau. Wenig später sagt sie, es tue ihr leid, dass der Mann im Herzen immer noch rassistisch sei.

Die Aussagen bezogen sich auch auf die frühere NBA-Legende Earvin Magic Johnson. Die Liga kündigte an, den Fall schnellstmöglich aufklären zu wollen. In einer ersten Reaktion bezeichnete Silver den Inhalt des Gesprächs als "beleidigend und verstörend".

Eine Bürgerrechtsbewegung plant für Dienstag eine Demonstration vor dem Staples Center. Dann spielen die Clippers ihre fünfte Playoff-Partie gegen die Golden State Warriors. Auch das Team um Star-Aufbauspieler Chris Paul soll über einen Boykott nachgedacht haben. Nach einem 45-minütigen Treffen entschieden sich die Spieler jedoch, am Sonntag im Auswärtsspiel anzutreten.

"Dies ist ein sehr ernstes Thema, das wir aggressiv angehen werden", sagte Paul, der Präsident der Spielergewerkschaft ist. Unterschwelliger Rassismus sei kein Einzelfall.

"Ich könnte nicht für ihn spielen"

Zahlreiche aktive und ehemalige NBA-Profis meldeten sich zu Wort: "In unserer Liga ist kein Platz für Donald Sterling. Ich kann mir nicht vorstellen, was in seinem Kopf vorgeht", sagte LeBron James von den Miami Heat. NBA-Commissioner Silver müsse etwas unternehmen, "bevor die Sache ausartet", so James.

Ex-Star Charles Barkley ergänzte: "Dies ist der erste Test für Adam Silver. Er muss Sterling sofort aus der Liga schmeißen." Es könne nicht sein, dass ein Teambesitzer solch diskriminierende Aussagen ungestraft mache. "Wir sind eine Liga der Schwarzen", so Barkley.

Auch Kobe Bryant von den Los Angeles Lakers machte klar, wie wenig er von Sterling hält: Die Äußerungen seien "eine verdammte Schande. Leider ist es traurige Realität, dass wir solche Menschen in unserer Welt haben." Bryants Fazit: "Ich könnte nicht für ihn spielen."

cte/dpa



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