Raymond Poulidor Der Mann, "der nie die Tour de France gewann", ist tot

Er war "der Mann, der nie die Tour de France gewann" - trotzdem liebten ihn die Franzosen: Ex-Radprofi Raymond Poulidor ist gestorben. Legendär war sein Ellenbogenduell mit Jacques Anquetil. Sein Name wurde zum geflügelten Begriff.

Raymond Poulidor (r.) mit Konkurrent Jacques Anquetil
AFP

Raymond Poulidor (r.) mit Konkurrent Jacques Anquetil


Der frühere französische Rad-Champion Raymond Poulidor lebt nicht mehr. "Poupou", wie er genannt wurde, starb im Alter von 83 Jahren in seinem Wohnort Saint-Léonard-de-Noblat im Südwesten Frankreichs, wie die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf die Familie berichtete.

Der "ewige Zweite" gehörte zu den populärsten französischen Sportlern, er galt als "der Mann, der nie die Tour de France gewann". Poulidor schaffte es zwar in seiner Karriere achtmal in Paris auf das Treppchen (dreimal Zweiter, fünfmal Dritter), zudem gelangen ihm sieben Etappensiege zwischen 1962 und 1974. Er trug aber nie das Gelbe Trikot.

1977 beendete Poulidor, ein guter Zeitfahrer und hervorragender Kletterer, seine Radkarriere. "Poupou, wir werden dich nie vergessen", twitterte der Twitter-Account der Tour de France. Er sei bereits im Oktober in ein Krankenhaus eingeliefert worden, berichtete der Sender Franceinfo. Seine Frau sagte, Poulidor habe an Herzproblemen und Erschöpfung gelitten.

Raymond Poulidor (1976)
Archiv AFP

Raymond Poulidor (1976)

Ellenbogenduell mit Anquetil

Während ihm der Triumph bei der Tour verwehrt blieb, feierte Poulidor auf anderen Strecken Erfolge. In den Sechziger- und Siebzigerjahren siegte er bei bekannten Radrennen wie Mailand-Sanremo, Paris-Nizza und der Spanien-Rundfahrt. Er beendete seine Laufbahn, nachdem er 1976 im Alter von 40 Jahren Dritter bei der Tour de France geworden war.

Berühmt sind die Bilder seines Ellenbogenduells bei der Rundfahrt 1964: Jacques Anquetil und Poulidor strampelten Schulter an Schulter den Puy de Dome hoch. Poulidor gewann am Ende zwar die Etappe, aber gegen seinen großen Rivalen wieder nicht die Tour.

Poulidor, der am 15. April 1936 geboren wurde, sah seinen speziellen Ruhm mit Humor: Sein Name sei in Frankreich ein geflügelter Begriff, sagte er zu seinem 80. Geburtstag der Nachrichtenagentur AFP. "Wenn jemand Zweiter wird - beim Boule-Spiel etwa - ist er ein 'Poulidor'", sagte der Rennfahrer.

bka/dpa/sid/AFP/AP

Mehr zum Thema


insgesamt 3 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
jean-baptiste-perrier 13.11.2019
1. Zuviel Talent!
Poulidor hatte das Pech, dass er es bei der Tour erst mit Jacques Anquetil und später dann mit Eddy Merckx zu tun bekam. Andererseits wäre ihm dennoch ein Tour-Sieg gelungen, dann gäbe es den Mythos des Mannes "der nie die Tour de France gewann" nicht und die Erinnerung an ihn wäre wahrscheinlich wesentlich geringer. So ist Poulidor ein besonders markanter Mosaik-Stein in der Geschichte der Tour de France während andere (einmalige) Sieger eher in Vergessenheit geraten sind.
GueMue 13.11.2019
2. Kenne ihn noch gut
Haette er Sieg errungen, wuerde sich keiner mehr erinnern. Viele Sieger sind vergessen. Wusste das mit Poulidor fuer 2. Platz nicht. Gefaellt mir.
neutralfanw 13.11.2019
3. Vorbild
Er war mein Idol. Er hat mich zum Radsport geführt. Warum? Er war auch in der Niederlage noch stolz. Ich fahre heute noch begeistert Rennrad (ohne jeglichen sportlichen Erfolg). Ich hatte aber einen einfacheren Beruf als Poupou.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.