Reaktionen aus dem Sport "Wir werden alle Wettkämpfe weiterführen"


Hamburg - Die Sportorganisationen in Deutschland und der Welt wollen trotz des Kriegsbeginns im Irak den Wettkampfbetrieb noch nicht einschränken und an der Austragung internationaler Wettkämpfe festhalten.

"Der Sport dient der Kommunikation, die müssen wir aufrechterhalten", erklärte Thomas Bach, Vizepräsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), am Donnerstag. In Einzelfällen werde dies keine leichte Entscheidung sein. Konsequenzen zogen bisher nur die Organisatoren des Marathons in Washington: Der für Sonntag geplante Lauf mit knapp 7.000 Teilnehmern wurde abgesagt.

In den Bundesligen wird weiter gespielt


Ohne Einschränkungen wird der Spielbetrieb in den Bundesligen der Hand- und Basketballer sowie im Eishockey weiterlaufen. Auch das Handball-Länderspiel zwischen Deutschland und Island am Samstag in Berlin steht nicht zur Disposition. "Es macht aus unserer Sicht keinen Sinn, jetzt an solche Konsequenzen zu denken", sagte Detlev Zenk, Sprecher des Deutschen Handball-Bundes (DHB).

Die drei deutschen Schwimmer Brigitte Kramrau, Nadine Pastor und Christian Hansmann reisten am Donnerstag zum Marathon-Weltcup nach Abu Dhabi in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Sicherheitsgarantien forderte hingegen der australische Schwimm-Weltrekordler Steve Hackett für einen Start beim Länderkampf gegen die USA am 6. April in Indianapolis. Australien werde nicht antreten, "wenn unsere Sicherheit bedroht ist".

Verstärkte Sicherheitsbedingungen in Sibirien


Unter verstärkten Sicherheitsbedingungen wird die Biathlon-WM im sibirischen Chanty Mansijsk fortgesetzt. "Bei uns ist kein einziges Team vorstellig geworden und hat den Abbruch angeregt", begründete Weltverbands-Präsident Anders Besseberg die Entscheidung.

Ungeachtet des Irak-Krieges wird an diesem Freitag die Shorttrack- WM in Warschau beginnen. Alle 34 Nationen, darunter das US-Team mit Olympiasieger Apolo Ohno, sind bereits in der polnischen Hauptstadt eingetroffen. Der Internationale Ski-Verband (Fis) sieht ebenfalls keinen Grund, seine Veranstaltungen abzusagen. "Wir werden alle Wettkämpfe weiterführen, weil es keine unmittelbare Gefahr gibt", erklärte Christian Knauth, Kommunikationsdirektor der Fis. Dies gelte sowohl für das Weltcup-Finale der Skiflieger in Planica als auch für die Langlauf-Weltcups in Borlänge und Falun.

Schatten auf die Olympischen Spiele?


Auf jeden Fall wird der Weltcup-Auftakt der Radsportler mit dem Frühjahres-Klassiker Mailand-San-Remo am Samstag gestartet, teilten die Veranstalter mit. Auch die Cricket-WM soll nach Aussage der Organisatoren am Sonntag wie vorgesehen mit dem Finale in Johannesburg zu Ende gehen.

Obwohl der Krieg einen Schatten auf die Olympischen Spiele 2004 in Athen werfen kann, werden sie vom IOC nicht in Frage gestellt. "Das IOC wird hart daran arbeiten, in Athen die Athleten aus den USA und dem Irak, aus Nord- und Südkorea und aus Israel und der Palästinenser dabei zu haben", sagte Bach. Die Aufgabe des IOC sei nicht, "Mauern durch Boykotte" aufzubauen, sondern "Brücken zu bauen". Eine Gefährdung der Spiele durch den Krieg sehe er nicht.



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