Neuer Präsident Grindel Typisch DFB

Der DFB hat einen neuen Präsidenten - und will damit die WM-Affäre endgültig hinter sich lassen. Doch Reinhard Grindel muss schon am ersten Tag unangenehme Fragen beantworten.

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Der Tag, an dem er sein großes Ziel erreichte, begann für Reinhard Grindel mit kritischen Fragen.

Kurz vor der Wahl zum neuen Präsidenten des Deutschen Fußball-Bunds (DFB) musste der 54-Jährige sich beim TV-Sender Sky Vorwürfen stellen, er habe bei der Aufarbeitung der WM-Affäre Fehler gemacht. Laut einem Bericht der "Bild"-Zeitung hat Grindel in seiner Funktion als DFB-Schatzmeister versäumt, das Finanzamt rechtzeitig über die dubiose 6,7-Millionen-Euro-Zahlung zu informieren, die im Zentrum der WM-Affäre steht.

Trifft das zu, droht dem Verband weiteres Ungemach. Grindel bestreitet, einen Fehler gemacht zu haben. Doch es zeigt sich, dass auch der neue Präsident nicht unbehelligt vom Ärger beim DFB bleibt.

Dabei schien seine Kandidatur so perfekt geplant zu sein: Der CDU-Bundestagsabgeordnete hat sich in den Monaten seit seiner Nominierung geschickt zurückgehalten. Weder verteidigte er die ehemalige Führung des Verbands um Wolfgang Niersbach, noch griff er sie offen an.

Das war geschickt, um wichtige Unterstützer nicht zu verprellen. Doch für einen glaubwürdigen Neuanfang, den der DFB angesichts der zahllosen ungeklärten Fragen in der WM-Affäre braucht, steht Grindel nicht. Er war seit Oktober 2013 Schatzmeister des Verbands, arbeitete still an der Seite von Niersbach und steht nun fast zwangsläufig von Beginn an unter Druck.

Dazu kommt: Auch den Posten des Generalsekretärs übernimmt mit Friedrich Curtius jemand, der dafür steht, dass beim DFB alles so weiter gehen soll wie bisher. Curtius war bis zu seiner Wahl Büroleiter von Niersbach, seit 2006 arbeitet er für den Verband.

Der DFB hat überstürzt gehandelt. Sich nur ein halbes Jahr nach dem Beginn der WM-Affäre eine neue Führung zu geben, ohne die laufenden Verfahren von Staatsanwaltschaft und Fifa abzuwarten, war unklug. Der Verband wird sich weiter unangenehme Fragen gefallen lassen müssen.

Im Video: Reinhard Grindel zur Wahl

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Jeannette Corbeau
Christian Teevs ist Redakteur im Politik-Ressort von SPIEGEL ONLINE.

E-Mail: Christian_Teevs@spiegel.de

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insgesamt 7 Beiträge
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Seite 1
leave_in_silence 15.04.2016
1.
Der perfekte Apparatschik. Erst beim CDU-Parteisender ZDF bei jedem Interview mit CDU-Funktionären denen treu ergeben nach dem Mund geredet. Als Dankeschön dann irgendwann das Bundestagsmandat bekommen, nie irgendwie mit eigenen Projekten hervorgetreten, sondern treudoof mit der Masse mitgeschwommen und gleichzeitig als Fussballfunktionär ein Netzwerk gesponnen und sich hochwählen lassen. Und jetzt ist er am Ziel. Wie schön! Dumm nur, dass er vom ersten Tag der Präsidentschaft im Verdacht steht als Schatzmeister nicht sauber gearbeitet zu haben. Beim DFB ändert sich also gar nichts und dieser Grindel ist das Idealbild eines nichtssagenden, überflüssigen Funktionärs.
DirkSt 15.04.2016
2. Keine fähigen Leute?
Gibt es denn im DFB partout keine fähigen Leute? Nach der jüngsten Misere hätte doch jemand intern sagen müssen: "Leute, wir müssen komplett neu anfangen." Ein Neuanfang geht aber nur mit jemandem, der mit dem Alten nichts zu tun hat, der frisch ist und neue Dinge vertritt. Stattdessen kommt ein blasser Anzugträger, ein No-Name, der bisher nirgends in Erscheinung getreten ist (genau genommen kennt man nicht mal als DFB-Schatzmeister seinen Namen). So wird das nichts.
citizen01 15.04.2016
3. Wie beim ADAC muß ...
das Management rigoros ausgetauscht und die Struktur reformiert werden!
Mondaugen 15.04.2016
4. Karrierist
Wer diesem Karrieristen genau zuhört kann nur schaudern. Niersbach und Zwanziger waren keine Heiligen, aber sie hatten Überzeugungen. Dieser Apparatschik ist das Abziehbild all dessen, was im Fußball derzeit falsch läuft. Gruselig!
Friedhelm_Müller 17.04.2016
5. Wer Grindel gestern Abend...
im Sportstudio erlebt hat, dem graust es vor der Zukunft - unglaublich, dass der DFB keinen besseren aufzubieten hat. Und wenn der Streit Liga vs. Amateure erst mal richtig aufflammt, dann gnade diesen Apparatschiks ohne irgendwelche Überzeugungen Gott.. MfG fm
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