Springreiter Beerbaum Mission: Gold

Bei der EM in Aachen stehen die deutschen Springreiter unter Druck. Obwohl die Saison bisher enttäuschend war, soll Gold her. Vor allem Routinier Ludger Beerbaum hat noch einmal Großes vor.

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Ludger Beerbaum hatte genug. Der verpasste Sieg im Nationenpreis in Mannheim war eine Niederlage zu viel. Der Springreiter fand deutliche Worte: "Das kann nicht mit Pech begründet werden. Wir kriegen es seit Langem nicht mehr hin." Um bei der Europameisterschaft in Aachen vorne zu stehen, müsse "ein Ruck durch die Mannschaft gehen".

Einen Monat ist die Ansprache des 51-Jährigen nun her, am Mittwoch hatten die deutschen Springreiter ihren ersten Auftritt im Zeitspringen. Und der Auftakt ist geglückt, das Team liegt vorn. Am Donnerstag und Freitag folgen die zwei Runden des Nationenpreises für die Mannschaftswertung.

Routinier Beerbaum, der vierfache Olympiasieger, will in Aachen angreifen, mit der Mannschaft und auch im Einzel. Seine erste EM bestritt er bereits 1987, elf Medaillen holte er, davon sechsmal Gold. "Für mich wäre es super, wenn ich noch einmal vorne dabei sein könnte. Ich will nicht nur Mitläufer sein. Die EM war für mich in diesem Jahr das große Ziel", sagte der Springreiter.

Beerbaum ist in Top-Form

Es spricht einiges dafür, dass der Altmeister tatsächlich am Sonntag im Einzel mal wieder ganz vorn landen könnte. Mit seiner Stute Chiara beeindruckte er in Mannheim mit zwei Nullrunden im Nationenpreis und dem Sieg im Großen Preis. Im Zeitspringen zeigte er bereits einen fehlerfreien Ritt in der zweitschnellsten Zeit.

Beerbaum wünscht sich vom Team eine optimale Vorstellung: "Am Ende wäre Gold schon gut. Aber wenn wir mit einer richtig guten Leistung Zweiter würden, ist das auch in Ordnung. Dann wäre das keine Niederlage", sagte er.

Das Ziel ist in Anbetracht der jüngsten Leistungen der deutschen Springreiter hoch, denn so erfolglos waren sie schon lange nicht mehr: 2008 gelang der deutschen Equipe zuletzt ein Sieg bei einem Nationenpreis in Deutschland. In der laufenden Saison konnte die deutsche Equipe noch keinen dieser Wettbewerbe für sich entscheiden. Hinzu kommt die verpasste WM-Medaille im vergangenen Jahr. Zuletzt gewann die Mannschaft Silber bei der EM 2013.

Keine Krise, sondern viele Favoriten

Bundestrainer Otto Becker will nicht von einer Krise sprechen. Die Weltspitze sei zusammengerückt, es sei schwierig geworden, vorne zu landen. Bei der WM im vergangenen Jahr hatte bereits ein Abwurf genügt, um aus den Medaillenrängen zu rutschen. Auch in Aachen droht ein enges Rennen, zumal Großbritannien und die Schweiz noch um ihr Olympia-Ticket kämpfen. "Die anderen Nationen haben hervorragende Teams. Die Belgier, Niederländer, Franzosen und Engländer, auch die Iren - sie alle können Gold holen", erklärt Becker.

Trotz allem sind die Erwartungen an die deutsche Mannschaft hoch - das sei schließlich normal bei einem Heimspiel, so der Trainer. Mit diesem Druck sollten die vier Reiter umgehen können, zumal sie über ausreichend Erfahrung verfügen. Neben Beerbaum gehen Christian Ahlmann, Daniel Deußer und Meredith Michaels-Beerbaum an den Start. Deußer, mit 34 Jahren der Jüngste im Team, ist der einzige der vier, dem noch ein EM-Titel fehlt. Das soll sich ändern, Deußer sagte: "Es ist unser Ziel, im eigenen Land die Goldmedaille zu gewinnen."

"Er hat ausgesprochen, was alle gedacht haben"

So deutlich sagte es der Trainer nicht: "Wir wollen mit der Mannschaft eine Medaille. Sollte dann noch im Einzel einer unserer Reiter auf dem Treppchen stehen, wäre es ein Traum", so Becker. Den Ausbruch seines erfahrensten Reiters begrüßte der Bundestrainer: "Ich bin froh, dass Ludger das gesagt hat. Er hat ausgesprochen, was alle gedacht haben."

Ob es Beerbaum gelungen ist, sein Team wachzurütteln, werden die beiden kommenden Runden der Mannschaftswertung zeigen. Mit drei fehlerfreien Ritten im Zeitspringen ist der Auftakt geglückt, die deutsche Mannschaft belegt den ersten Platz vor Frankreich. Einzig Deußer musste einen Abwurf hinnehmen. Beerbaum warnte jedoch vor voreiligem Jubel: "Das ist noch ein weiter Weg."

Vier Runden stehen noch an, bevor der neue Einzeleuropameister am Sonntag gekürt wird. In der Einzelwertung liegt Beerbaum mit Stute Chiara auf Platz zwei. "Wir hatten schon mal einen schlechteren Anfang", sagte er.

Mit Material von dpa und sid



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