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Rekord-Surfer McNamara "Sie war höher als alles, was ich je gesehen hatte"

Garrett McNamara hat vermutlich einen Weltrekord aufgestellt: Der Profi-Surfer bezwang einen 27,4 Meter hohen Brecher. Im Interview spricht der 44-Jährige über seinen Ritt auf der Monsterwelle - und den Moment, in dem gigantische Wassermassen über ihm zusammenbrachen.

SPIEGEL ONLINE: Herr McNamara, sind Ihre Surf-Kollegen Andrew Cotton und Al Mennie neidisch, dass Sie die 27,4 Meter hohe Welle vor Portugal erwischt und damit einen neuen Weltrekord aufgestellt haben?

McNamara: Sie haben sich eher gewundert, dass es ausgerechnet an diesem Tag passierte. Eigentlich wollte ich gar nicht surfen und nur die beiden mit dem Jetski in die Wellen ziehen. Nachdem sie ihre Wellen geritten hatten, forderten sie mich auf, auch zu surfen. Irgendwann habe ich dann "okay" gesagt. Es war also eher ein Zufall. Ich glaube, sie freuen sich für mich - auch wenn sie diese Welle wahrscheinlich selbst gerne bekommen hätten.

SPIEGEL ONLINE: Wie lief der Ritt dann ab?

McNamara: Ich war gerade erst einige Sekunden am Seil, als sie mich über mein Walkie-Talkie informierten, dass eine große Welle kommt. Als mich Cotty (Cotton, Anm. d. Red.) dann reinzog, forderte ich ihn auf, mich möglichst nah an den brechenden Teil der Welle zu bringen. Ich hielt das Seil bis zur letzten Sekunde fest und die Welle hat mich nach oben gehoben. Es war wie ein endloser Berg, wie Snowboard-Fahren auf einem riesigen Berg.

SPIEGEL ONLINE: Und wie sind Sie aus dieser Monsterwelle wieder herausgekommen?

McNamara: Als ich dann wieder nach unten kam, dachte ich, dass alles gut wäre. Doch die Welle brach über mir zusammen und traf mich ziemlich hart. Wie wenn Hunderte Backsteine herunterprasseln. Beinahe hätte sie mich vom Brett geworfen, aber irgendwie konnte ich die Balance halten. Danach wäre ich beinahe noch einmal gefallen, aber dann kam Cotty mit dem Jetski. Ich habe da noch gar nicht begriffen, wie groß die Welle war.

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Profi-Surfer McNamara: Locker in den Monsterwellen

Foto: George Nikitin/ ASSOCIATED PRESS

SPIEGEL ONLINE: Big-Wave-Surfen ist sehr gefährlich. Was wäre passiert, wenn Sie gestürzt wären?

McNamara: Dann geht man auf den Unterwasser-Ritt. Wenn man große Wellen surft, ist ein Adrenalin-Rausch beinahe garantiert. Für mich ist es mittlerweile schwierig, diesen Rausch zu bekommen. Vielleicht, wenn ich gefallen wäre.

SPIEGEL ONLINE: Der Spot vor Nazaré ist sehr nah vor der portugiesischen Küste, es ist also nicht sehr tief.

McNamara: Richtig, dort ist es sehr gefährlich. Der Sand am Meeresboden ist wie Zement, außerdem sind überall Felsen. Ein Fehler kann leicht dein letzter sein.

SPIEGEL ONLINE: Der Adrenalin-Rausch allein wird dann nicht zum Überleben reichen.

McNamara: Nein, ich hatte noch eine kleine Luftflasche dabei. Dazu trage ich einen sogenannten Lifesuit und eine Rettungsweste. Zwei Jetski sind ebenfalls schnell zur Stelle.

SPIEGEL ONLINE: Was haben Sie gedacht, als Sie zum ersten Mal das Video von Ihrem Weltrekord sahen?

McNamara: Ich war geschockt, weil die Welle einige Sekunden richtig hoch ist. Sie war höher als alles, was ich je gesehen hatte.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie sofort geahnt, dass es die größte Welle war, die je gesurft wurde?

McNamara: Nein, überhaupt nicht. Ich weiß ja immer noch nicht genau, wie hoch sie nun war.

SPIEGEL ONLINE: Die Welle wurde schon für die Big Wave Awards 2012, die Ende April verliehen werden, eingereicht. Wie wird nun ihre offizielle Höhe geprüft?

McNamara: Es wird der Abstand zwischen der Spitze und der vermuteten Sohle der Welle bestimmt. Dann messen sie den Surfer und gucken, wie oft er in die Welle passt.

SPIEGEL ONLINE: Was planen Sie als nächstes? Eine 30-Meter-Welle?

McNamara: 35 Meter sollten es schon sein. (lacht) Am Samstag soll eine große kommen, am Dienstag sogar eine noch größere.

Das Interview führte Maximilian Rau
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