Harting-Aus bei den Olympischen Spielen Verhext

Diskuswerfer Robert Harting ist der Star der deutschen Leichtathletik. Bei Olympia scheiterte er schon in der Qualifikation - weil er sich auf kuriose Weise verletzte.

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Aus Rio de Janeiro berichtet


Robert Harting lächelte, als er im Erdgeschoss des Olympiastadions von Rio de Janeiro vor die Presse trat, und er hob den Daumen. Es sah wie Trotz aus. Wie ein Zeichen dafür, dass man sich keine Sorgen um ihn machen müsse, obwohl er gerade die wohl bitterste Niederlage seiner Karriere erlitten hatte.

Bei den Spielen vor vier Jahren hatte Harting die Goldmedaille im Diskuswerfen geholt, auch in Brasilien wollte er wieder im Kampf um die Spitzenplätze dabei sein. Doch er scheiterte schon in der Qualifikation, nach zwei ungültigen Würfen schaffte er beim dritten Versuch nur 62,21 Meter. Ein unwürdiger Wert für seine Verhältnisse. Zu wenig für den Einzug ins Finale.

Der 31 Jahre alte Harting ist das Gesicht und die Stimme der deutschen Leichtathletik, eine manchmal sehr laut dröhnende Stimme. Er vertritt stets eine klare Meinung. Gerade erst hatte er IOC-Chef Thomas Bach hart angegangen wegen dessen Nachsicht gegenüber dem russischen Staatsdoping, und er hatte Usain Bolt dafür kritisiert, zum Thema Doping keine Haltung zu zeigen. Harting ist ein polarisierender Charakter. Auch deshalb waren bei diesen Spielen die Augen auf ihn gerichtet, und auch deshalb hat sein frühes Scheitern jetzt eine besondere Dimension.

Als Harting nach dem Wettkampf in die Interviewzone des Olympiastadions kam, stand da kein Lautsprecher. Dort stand ein Mann, der sich schicksalsergeben zeigte. "Wenn das nicht passiert wäre, wäre ich sehr enttäuscht. So muss ich sagen, dass ich alles versucht habe", sagte Harting.

Wenn das nicht passiert wäre - damit meinte er den Vorfall, der sich zwei Abende zuvor zugetragen hatte. Beim Versuch, vom Bett aus mit dem Fuß das Licht auszuschalten, hatte sich Harting einen Hexenschuss zugezogen. Klingt komisch, stimmt aber, zumindest erzählte er das so. Den Gang zur Mensa des olympischen Dorfes am morgen danach beschrieb er als Qual. "Das war alles andere als einfach, ich bin irgendwie humpelnd angekommen und war froh, dass ich es zum Essen geschafft habe", sagte Harting. In diesem Moment war ihm vermutlich klar, dass er bei diesen Spielen nicht konkurrenzfähig sein würde.

Die Ärzte haben zwar noch alles versucht, sie haben ihm Spritzen und Schmerzmittel verabreicht, aber es ist ihnen nicht gelungen, Hartings Körper wieder herzurichten. "Der Muskel fährt runter. Da kannst du machen, was du willst. Da ist kein Druck da, kein Feuer", sagte Harting. Dass es für ihn nicht fürs Finale reichte? "Es ist halt schade", sagte er. Keine Wut, keine Trauer. Nur Resignation.

Dabei hat es eine besondere Tragik, dass sich der erfolgreichste deutsche Diskuswerfer bei seinen letzten Olympischen Spielen durch eine derart kuriose und auch überflüssige Verletzung ("So blöd muss man sein") um die Chance auf eine Medaille brachte. Denn Harting hat hart gekämpft, um überhaupt in Rio dabei zu sein.

"So aufzuhören ist nicht mein Ding"

Vor zwei Jahren erlitt er einen Kreuzbandriss im linken Knie, er konnte 15 Monate keinen Wettkampf bestreiten. Dann eine Muskelverletzung, Knieprobleme, immer wieder Rückschläge. Harting hat sich dadurch verändert, er ist nachdenklicher geworden und hat vor der Reise nach Rio ruhige Töne angeschlagen, zumindest im Hinblick auf die eigenen Erfolgsaussichten. Als er nach seinem Aus in der Qualifikation das Stadion verließ, machte er einen geschlagenen Eindruck, geschlagen vom eigenen Körper. "Ich hatte jetzt drei oder vier Comebacks. Irgendwann ist die Power im Kopf auch weg, da kannst du nichts machen", sagte er.

Wie geht es weiter für Harting? "Ich muss erstmal ein paar Minuten haben, ein paar Tage vielleicht auch, Urlaub machen, ein paar klare Gedanken fassen, vielleicht ein paar Sachen umstellen", sagte er in der Stunde des Scheiterns in Rio.

Wenig später postete er allerdings ein Video bei Facebook. Dort hörte es sich beinahe so an, als würde er es doch noch einmal allen zeigen wollen: "Da meine letzten Olympischen Spiele so ausgegangen sind, muss man sich jetzt die Frage stellen, ob man nochmal vier Jahre macht. So aufzuhören ist nicht mein Ding. Mal gucken, wie viel mentale Kraft es noch gibt."

Bei diesen Spielen macht er nicht mehr mit, aber er wird sich das Finale am Samstag (15.50 Uhr MESZ , Liveticker SPIEGEL ONLINE) natürlich im Olympiastadion anschauen und die Kollegen anfeuern. "Wir haben ja noch einen Harting im Finale", sagte Robert Harting.

Sein Bruder Christoph hatte die Qualifikation problemlos überstanden.

insgesamt 34 Beiträge
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chuckal 12.08.2016
1. Komiker in Rio
Die deutschen Sport-Clowns sind wirklich unbezahlbar und übertreffen meine dollsten Erwartungen. Dadurch, dass sie immer so staatstragend und unheimlich mediengeschult auftreten, wirken sie ohnehin schon sehr komisch in ihrem Scheitern. Unerreicht ist da natürlich der fehlende Wasser-Grip von der Franzi dereinst. Aber der Harting hat sie an Purzelbaumschlagerei nun überholt. Dürfen wir jetzt bald in der Sportförderung erleben, wie Athleten auf Steuergeldern beigebracht wird, sich unfallfrei die Zähne zu putzen und das Licht auszumachen? Wenn Harting das Gesicht der deutschen Leichtathletik ist, dann hat diese dieses wohl heute verloren. Köstlich. Aber zu Recht beschweren sie sich darüber, dass Dschungelcamper mehr Geld bekommen, denn der Unterhaltungswert ist langsam doch beträchtlich. Danke.
kornew 12.08.2016
2.
Ja. Ich kann eine gewisse Genugtuung nicht leugnen. Große Klappe und nichts (mehr?) dahinter. Wer am (noch) legalen Rand der Dopinggrenze operiert und über jene richtet, welche nah dieser Grenze auf der (schon) falschen Seite stehen, darf sich nicht wundern, wenn sein Körper aussetzt, wenn er Licht mit dem Fuß ausschalten will.
Nachtheinigte 12.08.2016
3. Harting
Das Ausscheiden war zu erwarten, denn wer sich im Vorgriff auf Olympia so weit aus dem Fenster lehnt, in dem er den IOC-Chef ausserordentlich beleidigend beschimpft, sich derartig hervortut im Interesse der Politik, der hat im Wettkampf sich einen gewaltigen Rucksack aufgeladen, sodass er nicht mehr weit werfen kann. Besser zu Gesicht würde Herrn Harting stehen, bescheiden und zurückhaltend aufzutreten. Der Hexenschuss ist da wohl ein schwaches Argument.
Attila2009 13.08.2016
4.
Ich will ja nicht schadenfroh sein aber kleine Sünden ( seine ungehobelten Verbal- Attacken auf Bach und die Russen )straft der Herrgott sofort. Gute Genesung und noch nachdenklicher werden, wird schon.
fessi1 13.08.2016
5. schade
Aber irgendwie hat man es ihm im Wettkampf von Beginn an angesehen. Da fehlte etwas, man mag es Feuer nennen, oder Spannung...
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