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Olympia 2016: Harting schaut in Rio nur noch zu

Foto: KAI PFAFFENBACH/ REUTERS

Harting-Aus bei den Olympischen Spielen Verhext

Diskuswerfer Robert Harting ist der Star der deutschen Leichtathletik. Bei Olympia scheiterte er schon in der Qualifikation - weil er sich auf kuriose Weise verletzte.

Robert Harting lächelte, als er im Erdgeschoss des Olympiastadions von Rio de Janeiro vor die Presse trat, und er hob den Daumen. Es sah wie Trotz aus. Wie ein Zeichen dafür, dass man sich keine Sorgen um ihn machen müsse, obwohl er gerade die wohl bitterste Niederlage seiner Karriere erlitten hatte.

Bei den Spielen vor vier Jahren hatte Harting die Goldmedaille im Diskuswerfen geholt, auch in Brasilien wollte er wieder im Kampf um die Spitzenplätze dabei sein. Doch er scheiterte schon in der Qualifikation, nach zwei ungültigen Würfen schaffte er beim dritten Versuch nur 62,21 Meter. Ein unwürdiger Wert für seine Verhältnisse. Zu wenig für den Einzug ins Finale.

Der 31 Jahre alte Harting ist das Gesicht und die Stimme der deutschen Leichtathletik, eine manchmal sehr laut dröhnende Stimme. Er vertritt stets eine klare Meinung. Gerade erst hatte er IOC-Chef Thomas Bach hart angegangen wegen dessen Nachsicht gegenüber dem russischen Staatsdoping, und er hatte Usain Bolt dafür kritisiert, zum Thema Doping keine Haltung zu zeigen. Harting ist ein polarisierender Charakter. Auch deshalb waren bei diesen Spielen die Augen auf ihn gerichtet, und auch deshalb hat sein frühes Scheitern jetzt eine besondere Dimension.

Als Harting nach dem Wettkampf in die Interviewzone des Olympiastadions kam, stand da kein Lautsprecher. Dort stand ein Mann, der sich schicksalsergeben zeigte. "Wenn das nicht passiert wäre, wäre ich sehr enttäuscht. So muss ich sagen, dass ich alles versucht habe", sagte Harting.

Wenn das nicht passiert wäre - damit meinte er den Vorfall, der sich zwei Abende zuvor zugetragen hatte. Beim Versuch, vom Bett aus mit dem Fuß das Licht auszuschalten, hatte sich Harting einen Hexenschuss zugezogen. Klingt komisch, stimmt aber, zumindest erzählte er das so. Den Gang zur Mensa des olympischen Dorfes am morgen danach beschrieb er als Qual. "Das war alles andere als einfach, ich bin irgendwie humpelnd angekommen und war froh, dass ich es zum Essen geschafft habe", sagte Harting. In diesem Moment war ihm vermutlich klar, dass er bei diesen Spielen nicht konkurrenzfähig sein würde.

Die Ärzte haben zwar noch alles versucht, sie haben ihm Spritzen und Schmerzmittel verabreicht, aber es ist ihnen nicht gelungen, Hartings Körper wieder herzurichten. "Der Muskel fährt runter. Da kannst du machen, was du willst. Da ist kein Druck da, kein Feuer", sagte Harting. Dass es für ihn nicht fürs Finale reichte? "Es ist halt schade", sagte er. Keine Wut, keine Trauer. Nur Resignation.

Dabei hat es eine besondere Tragik, dass sich der erfolgreichste deutsche Diskuswerfer bei seinen letzten Olympischen Spielen durch eine derart kuriose und auch überflüssige Verletzung ("So blöd muss man sein") um die Chance auf eine Medaille brachte. Denn Harting hat hart gekämpft, um überhaupt in Rio dabei zu sein.

"So aufzuhören ist nicht mein Ding"

Vor zwei Jahren erlitt er einen Kreuzbandriss im linken Knie, er konnte 15 Monate keinen Wettkampf bestreiten. Dann eine Muskelverletzung, Knieprobleme, immer wieder Rückschläge. Harting hat sich dadurch verändert, er ist nachdenklicher geworden und hat vor der Reise nach Rio ruhige Töne angeschlagen, zumindest im Hinblick auf die eigenen Erfolgsaussichten. Als er nach seinem Aus in der Qualifikation das Stadion verließ, machte er einen geschlagenen Eindruck, geschlagen vom eigenen Körper. "Ich hatte jetzt drei oder vier Comebacks. Irgendwann ist die Power im Kopf auch weg, da kannst du nichts machen", sagte er.

Wie geht es weiter für Harting? "Ich muss erstmal ein paar Minuten haben, ein paar Tage vielleicht auch, Urlaub machen, ein paar klare Gedanken fassen, vielleicht ein paar Sachen umstellen", sagte er in der Stunde des Scheiterns in Rio.

Wenig später postete er allerdings ein Video bei Facebook. Dort hörte es sich beinahe so an, als würde er es doch noch einmal allen zeigen wollen: "Da meine letzten Olympischen Spiele so ausgegangen sind, muss man sich jetzt die Frage stellen, ob man nochmal vier Jahre macht. So aufzuhören ist nicht mein Ding. Mal gucken, wie viel mentale Kraft es noch gibt."

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Bei diesen Spielen macht er nicht mehr mit, aber er wird sich das Finale am Samstag (15.50 Uhr MESZ , Liveticker SPIEGEL ONLINE) natürlich im Olympiastadion anschauen und die Kollegen anfeuern. "Wir haben ja noch einen Harting im Finale", sagte Robert Harting.

Sein Bruder Christoph hatte die Qualifikation problemlos überstanden.