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11. April 2019, 12:47 Uhr

Homophobie im Sport

Rugby-Star Folau nach Tiraden gegen Homosexuelle vor Karriere-Aus

Israel Folau ist einer der besten Rugby-Spieler Australiens. Wenige Monate vor der WM droht ihn der Verband rauszuwerfen, weil der streng gläubige Christ wiederholt Homosexuelle verbal angegriffen hat.

Es ist, als werfe der Deutsche Fußball-Bund (DFB) wenige Monate vor einer WM einen seiner wichtigsten Spieler aus der Nationalmannschaft, weil der sich abfällig, gar hasserfüllt gegenüber Homosexuellen geäußert hat. Beim australischen Rugby-Verband könnte das jetzt - fünf Monate vor der WM in Japan - passieren.

Israel Folau, einer der prominentesten Profis des australischen Teams, der dreimal die John-Eales-Medaille für den besten australischen Spieler erhalten hat, steht nach Tiraden gegen Homosexuelle vor dem Ende seiner Karriere. Der Verband Rugby Australia kündigte am Donnerstag an, den Millionenvertrag mit dem 30-Jährigen beenden zu wollen. Grund dafür sind verschiedene Botschaften Folaus in sozialen Netzwerken. "Sollte es keine zwingenden mildernden Faktoren geben, ist es unsere Absicht, seinen Vertrag zu kündigen", teilte Rugby Australia mit.

In seinen Twitter- und Instagram-Botschaften verkündete der streng gläubige Christ Folau unter anderem, dass auf Homosexuelle "die Hölle" warte. Der 73-fache Nationalspieler ist für die New South Wales Waratahs in der Liga Super Rugby aktiv.

Folau war bereits vom Verband verwarnt worden

Am Mittwoch hatte er auf seinem Instagram-Konto eine Botschaft veröffentlicht, in der es an die Adresse von "Trinkern, Homosexuellen, Ehebrechern" heißt: "Die Hölle wartet auf Euch. Tut Buße! Nur Jesus kann euch retten." Unter seinem Namen steht "Leben für Christus. #TeamJesus." Auf Instagram folgen ihm mehr als 300.000 Leute.

Auf Twitter empörte er sich zudem darüber, dass bei Eintragungen ins Geburtenregister im Bundesstaat Tasmanien künftig das Geschlecht nicht mehr festgelegt werden muss.

Vergangenes Jahr hatte Folau bereits eine Verwarnung von Verbandschefin Raelene Castle erhalten, weil er Homosexuelle zur Hölle gewunschen hatte. Der Verband habe Folau seither "wiederholt klar gemacht, dass alle Social-Media-Beiträge oder -Kommentare, die Menschen aufgrund ihrer Sexualität in jeglicher Art respektlos behandeln, zu Disziplinarverfahren führen", hieß es in dem Statement am Donnerstag.

"Israel hat zwar ein Recht auf seine religiösen Überzeugungen, aber die Art und Weise, wie er diese Überzeugungen zum Ausdruck gebracht hat, widerspricht den Werten des Sports. Wir möchten klarstellen, dass er mit seinen jüngsten Social-Media-Beiträgen nicht für das Spiel spricht." Mehrere Sponsoren von Rugby Australia drohten, ihr Engagement wegen der homophoben Äußerungen Folaus einzustellen.

"Lasst euch nicht von seinen Worten beeinflussen!"

Dem Verband zufolge scheiterten nun mehrere Versuche, mit Folau in Kontakt zu treten. Rugby Australia ist sowohl für den nationalen Spielbetrieb als auch für die Nationalmannschaft zuständig.

Der ehemalige walisische Rugby-Nationalspieler Gareth Thomas, der 2009 sein Coming-Out hatte, reagierte auf Folaus Twitterpost: "An alle, die das hier lesen. Lasst euch nicht von seinen Worten beeinflussen!", schrieb Thomas, "seid die bessere Menschen, seid ihr selbst! Wer auch immer ihr seid. Die Hölle erwartet euch nicht, euch erwartet Glück."

mey

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