Rugby-Finale Neuseeland vs. Australien Legenden unter sich

Bei der Rugby-WM kommt es zum Traumfinale zwischen Australien und Neuseeland. Mit einem Sieg könnten beide Mannschaften Geschichte schreiben. Zwei Spielern wird dabei ein besonders großer Wert beigemessen.

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An Kreativität mangelt es den australischen Rugby-Fans offenbar nicht. Die Anhänger der "Wallabies" starteten in der vergangenen Woche eine Petition, die das Problem mit der Zeitverschiebung lösen sollte. "Nach Wochen kurzen Schlafes und vieler Spiele in der Nacht sei es nur fair, wenn der Rugby-Verband das mit Spannung erwartete WM-Endspiel zwischen Australien und Neuseeland verschiebt", hieß es in dem Schreiben.

Elf Stunden liegen zwischen dem Veranstaltungsort, London, und der australischen Metropole Sydney, in der es beim Anpfiff des Spiels drei Uhr nachts ist. Rugby zählt in den beiden Ländern auf der Südhalbkugel zu den populärsten Sportarten. Der schlechte Schlafrhythmus dürfte für die "echten" Fans kein wirkliches Problem darstellen. Das viel größere Übel wäre eine Niederlage im Finale zwischen zwei Mannschaften, die sich seit Jahrzehnten erbittert gegenüberstehen.

Neuseelands Kapitän als Made verspottet

Die Rugby-WM zählt zu den beliebtesten und meistverfolgten Sportereignissen weltweit. Lediglich die Fußball-WM und die Olympischen Spiele kommen auf noch höhere Zuschauerzahlen. Seit 1987 wird die Veranstaltung im Vierjahresrhythmus ausgetragen. Es ist das erste Mal, dass Australien und Neuseeland im Endspiel aufeinandertreffen. Beide Mannschaften könnten mit einem Sieg Geschichte schreiben. Momentan liegen Australien, Neuseeland und Südafrika mit je zwei WM-Titeln an der Spitze gleichauf.

Das Finale zwischen den "All Blacks" (Neuseeland) und den "Wallabies" (Australien) wurde von den Fans und neutralen Zuschauern herbeigesehnt. Kein anderes Spiel elektrisiert die Massen so wie dieses. Die Bilanz spricht klar für Neuseeland. In 154 Begegnungen gewann der Weltranglistenerste 105 Mal, bei der letzten Weltmeisterschaft verlor Australien im Halbfinale gegen den Nachbarstaat.

Auch abseits des Platzes herrscht vor dem Spiel eine angespannte Stimmung. Dies bekam Neuseelands Kapitän Richie McCaw zu spüren. Der dreimalige Welt-Rugbyspieler (2006, 2009, 2010), der so viele Länderspiele hat wie kein anderer Spieler (147), wurde von der australischen Tageszeitung "Daily Telegraph" in einer Fotomontage als hinterhältige Made dargestellt.

Zwei Legenden treffen aufeinander

Doch nicht nur McCaw wird im Finale eine entscheidende Rolle einnehmen. Auch sein Teamkollege Dan Carter gehört zu den wichtigsten Spielern seiner Mannschaft. Der Nationalheld gilt wie McCaw im Rugby-Sport als Legende. Mit derzeit über 1500 erzielten Punkten hält er einen beeindruckenden Weltrekord, den ihm so schnell niemand streitig machen dürfte. Im Halbfinale gegen Südafrika steuerte er allein 10 von 20 Punkten bei.

Sein australisches Pendant heißt Bernard Foley. Der 26-Jährige zählt zu den Kick-Künstlern der Szene und kann das Spielgerät aus größten Distanzen zwischen den Stangen unterbringen. Spieler wie Carter und Foley werden in der Rugby-Sprache "Verbinder" genannt. Sie bilden die Schnittstelle zwischen Defensive und der sogenannten Dreiviertelreihe.

In der Offensive der Australier gilt David Pocock als wichtigster Akteur. Der 27-Jährige ist momentan der wohl aussichtsreichste Kandidat auf den Titel Spieler des Turniers. Er hat die schwere Aufgabe, McCaw aus dem Spiel zu nehmen.

Auf dem Weg ins Finale mussten beide Teams bereits ihr volles Potenzial abrufen. Australien setzte sich in der sogenannten "Todesgruppe" mit den Gastgebern Wales und England souverän durch. Im Viertelfinale stand das Team von Trainer Michael Cheika gegen Schottland bereits vor dem Aus, doch ein Straftritt von Foley in letzter Sekunde sicherte den "Wallabies" den Sieg. Das Überraschungsteam aus Argentinien stellte Australien im Halbfinale vor keine größeren Probleme (29:15).

Neuseeland überstand die Gruppenphase ebenso leicht wie der Finalgegner. Mit teils imponierenden Siegen (47:9 gegen Tonga, 58:14 gegen Namibia) zogen die "All Blacks" ins Viertelfinale ein. Nach einem deutlichen Erfolg über Vize-Weltmeister Frankreich folgte ein Zittersieg im prestigeträchtigen Duell mit Südafrika (20:18).

Neuseeland hat nun die Chance, als erstes Team überhaupt einen WM-Titel zu verteidigen. Australien hingegen wartet seit nunmehr 16 Jahren sehnsüchtig auf einen erneuten Triumph. So viel Brisanz gab es vor einem Endspiel seit dem Finale zwischen Südafrika und Neuseeland 1995 nicht mehr. Unter diesen Umständen dürfte die elfstündige Zeitverschiebung für die australischen Fans wohl kein Problem sein.



insgesamt 9 Beiträge
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spondk 31.10.2015
1.
Es wird das Spiel des Jahres sein - kann es kaum abwarten. Rugby ist schon eine beeindruckend Sport - wenn man mit Fußball vergleicht und sehen wie Fußballspieler auf den Boden schmeißt "voller Schmerz" nach irgendeine Körperkontakt mit eine Gegenspieler kann man nur den Kopf schütteln. Es wird heute spannend!! Denke das die All Blacks wird gewinnen.
NonoFurbus 31.10.2015
2. Toller Sport
Ja, ich bin auch jedesmal fasziniert von dieser tollen Männersportart! Wo kann man das Spiel denn in Deutschland sehen?
ema72 31.10.2015
3.
An NonoFurbus: Auf Eurosport (wie auch die meisten Spiele davor). Ich muss auch sagen, dass ich vor der Rugby-WM großer Fußball-Fan gewesen bin und die Rugby-Regeln kaum kannte. Inzwischen finde ich Rugby viel packender und interessanter als Fußball. Mir gefällt auch gut, dass es beim Rugby bei aller Härte viel fairer als beim Fußball zugeht.
Kaygeebee 31.10.2015
4.
Zitat von NonoFurbusJa, ich bin auch jedesmal fasziniert von dieser tollen Männersportart! Wo kann man das Spiel denn in Deutschland sehen?
Ich glaube auf Eurosport. Der Sender läuft bei uns im Fitnesscenter und da wird auch die Rugby WM gezeigt. Wofür ich auch dankbar bin, denn so langweilige Sportarten wie Tennis oder Billiard oder Pool oder was auch immer (ist das überhaupt ein Sport? Dann könnte man auch Bierpong zur Sportart ernennen) sind auf Dauer nicht zu ertragen. Bei Rugby passiert zumindest mal was und es spielen echte Männer. Keine theatralischen Mimosen, welche Verletzungen vortäuschen und sich fünf Minuten auf dem Boden in Fötusstellung wälzen, weil sie mal gestolpert sind.
NonoFurbus 31.10.2015
5. Toller Sport
ema: danke, wußte ich nicht! Habe die Spiele nachträglich bei YouTube geschaut. Live ist natürlich besser!
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