Japans Aus bei Rugby-WM "Wir werden es etwas später genießen"

Erstmals zog Japan bei einer Rugby-WM ins Viertelfinale ein. Dort trafen die "Kirschblüten" auf den Titelfavoriten Südafrika und hielten das Spiel lange offen. Obwohl sie verloren, blicken sie einer großen Zukunft entgegen.

Behrouz Mehri/AFP

Die japanische Rugby-Nationalmannschaft ist bei der Heim-WM im Viertelfinale ausgeschieden. Gegen die favorisierten Südafrikaner unterlagen die "Kirschblüten" 3:26 (3:5). Dabei hielt Japan, das erstmals in einem WM-Viertelfinale stand, das Spiel lange offen.

Das Ende des starken japanischen Turniers kommt nicht überraschend, enttäuscht waren die Japaner nach der Partie dennoch. Bei Nationaltrainer Jamie Joseph überwog jedoch der Erfolg. "Wir akzeptieren das", sagte er. "Wir werden es etwas später genießen." Joseph sei wirklich stolz auf das, was sein Team bei dieser WM erreicht habe.

Nach der Partie versammelten sich die japanischen Spieler am einen Ende des Feldes, um sich zunächst mit einer Verbeugung bei den Fans zu bedanken. Danach stellten sie sich auf und ließen ein Gruppenfoto schießen. Es war der Abschluss einer starken WM der Japaner, bei der sie unter anderem Schottland und Irland besiegt hatten.

Japans Nationaltrainer Jamie Joseph tröstete seine Spieler nach dem Ausscheiden
Stu Forster/Getty Images

Japans Nationaltrainer Jamie Joseph tröstete seine Spieler nach dem Ausscheiden

Auch in Tokio hatte Josephs Team stark gespielt. Als Außenseiter hatten sie gegen Südafrika in der ersten Hälfte fast 70 Prozent Ballbesitz. Dennoch schaffte es das Team um Kapitän Michael Leitch nicht, bis zum südafrikanischen Malfeld durchzustoßen. Südafrikas Defensive war nicht zu überwinden.

Nach einem frühen Versuch von Südafrikas Makazole Mapimpi (4. Minute) schaffte Japan in der ersten Hälfte den Anschluss durch einen Strafkick von Yu Tamura (20.) Es sollten jedoch die einzigen Punkte für das japanische Team bleiben. Der überragende Spielmacher Faf de Klerk (66.) und wieder Mapimpi (70.) entschieden die Partie mit ihren Versuchen.

"Japan wird nur noch stärker"

Bei der WM 2015 hatte Japan in der Vorrunde gegen die Springboks gewonnen. Und auch bei dieser WM rechnete sich das Team etwas aus, in der Gruppenphase blieben die Japaner ohne Punktverlust. Wie umgewandelte Strukturen im japanischen Rugby diesen Erfolg möglich gemacht haben, lesen Sie hier.

Nach der Niederlage gegen Südafrika sagte Leitch, dass das japanische Rugby-Team nur noch stärker werden würde. Durch die Erfolge bei der WM war das Team bis auf Platz sieben der Weltrangliste geklettert.

Südafrika hat weiter die Chance, erstmals seit 2007 den Titel zu gewinnen. Bei den Turnieren 2011 und 2015 scheiterte Südafrika vor dem Finale an Neuseeland. In diesem Jahr können beide Teams erst im Endspiel aufeinander treffen.

Mit Südafrika steht der vierte und letzte Halbfinalist fest. In der Runde der letzten vier Teams treffen die Springboks auf Wales, das zuvor Frankreich schlug. Das zweite Halbfinale spielen England und Neuseeland. Alle Termine, Ergebnisse und Informationen zur Rugby-WM in Japan lesen Sie hier.

hba

insgesamt 4 Beiträge
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herschelaliokereke 20.10.2019
1. Großer Sport
Tolles Turnier der Japaner, die eine sensationelle Entwicklung genommen haben. Da sieht man, was Konzepte und Leidenschaft möglich machen. Leider ging dann gegen RSA leider etwas die Luft raus. Dieser Sport hat fast alles, was dem Fussball leider fehlt oder verloren hat (Fairness bei Spielern und Zuschauern, durchgängige Dynamik, keine jammernden Spieler, keine Schauspielerei...)
huelin 21.10.2019
2. Naja
Also manchmal geht mir diese Rugby-Verherrlichung schon etwas auf den Zeiger. Sicherlich gibt es im Fußball Auswüchse, es wird einfach zuviel Geld verdient. Das liegt aber meiner Meinung nicht an dem Sport an sich. Der ist nämlich von einer genialen Einfachheit, so dass er selbst im letzten afrikanischen Dorf mit wenigen Mitteln gespielt werden kann. Und man muss auch kein Kleiderschrank sein; auch kleine, schnelle Spieler haben ihre Chance. Deshalb ist Fußball eben auch überall auf der Welt populär, und nicht nur fast ausschließlich in einigen englischsprachigen Ländern, wie Rugby. Ich persönlich finde Fußball einfach wesentlich attraktiver als Rugby. Es gibt nicht diese Muskelberge, die sich ständig aufeinander stürzen, sondern Eleganz, Kombinationsspiel, Direktabnahmen, Torwartparaden, Dribblings… alles Dinge, die beim Rugby nicht oder kaum existieren. Wenn Ihnen Rugby gefällt, bleibt Ihnen das unbenommen, aber diese ständige arrogante Überlegenheitshaltung vieler Rugbyfans gegenüber dem Fußball ist für mich auch nicht gerade mit der vielgelobten Rugby-Fairness vereinbar.
herschelaliokereke 22.10.2019
3. Stimmt nur bedingt
Sicherlich ist die Schwelle, Fussball spielen zu können, einfacher zu übertreten als beim Rugby. Es ist schlicht simpler, auch vom Regelwerk. Es stimmt aber nicht, dass man baumlang und 120kg schwer sein muss, um Rugby spielen zu können, gerade auf den Außenpositionen sind kleine oder zumindest normal gebaute Spieler oft zu finden. Es gibt bei der Rugny-WM zahlreiche Spieler deutlich unter 170cm! Übrigens gibt es auch im Fussball Positionen, die eine besondere Körpergröße erfordern, etwa in der Innenverteidigung oder im Tor. Meine Kritik am Fussball richtet sich auch eher gegen die Benimmregeln auf dem Platz und leider ebenso auf den Tribünen
huelin 22.10.2019
4. Gut
Der Fußball ist halt eher ein "Spiegel der Gesellschaft", was die Benimmregeln betrifft. Zudem geht es meist um sehr viel Geld, so dass die Spieler oft alle Tricks anwenden, um ihre Ziele zu erreichen. Da sind Schiris und Verbände gefordert, dies durch Strafen und Sanktionen zu verhindern. Liegt aber, wie gesagt, nicht in der Natur des Sports an sich. Und was den Körperbau der Rugbyspieler betrifft: die überwiegende Mehrzahl ist halt schon sehr massiv und muskulös, selbst kleinere Spieler. Mir fehlt da eben die Leichtfüßigkeit eines technisch feinen Spielzugs im Fußball, beispielsweise eines gelungenen Doppelpasses. Aber das ist natürlich subjektiv, wie attraktiv jemand einen Sport findet. Wobei ich Ihnen zugestehe, dass ich mir manchmal bei meinem geliebten Fußball auch etwas mehr Fairness wünsche, so wie dies anscheinend beim Rugby meist üblich ist.
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