Russischer Dopingskandal Russische Hochspringerin fordert Verbandschef zum Rücktritt auf

Russlands Leichtathleten bleiben weiter von internationalen Wettkämpfen ausgeschlossen. Doppelweltmeisterin Lassizkene fordert nun, dass jene abtreten, "die für diese Schande verantwortlich sind".

Marija Lassizkene bei der Siegerehrung der Europameisterschaft 2018 in Berlin
Hendrik Schmidt DPA

Marija Lassizkene bei der Siegerehrung der Europameisterschaft 2018 in Berlin


Die Hochspringerin Marija Lassizkene hat nach der Verlängerung der Sperre für russische Leichtathleten den Rücktritt ihrer Verbandsführung gefordert.

"Ich hoffe, dass jene Leute, die für diese nicht endende Schande verantwortlich sind, den Mut aufbringen, endlich abzutreten", schrieb die Weltmeisterin von 2015 und 2017 bei Instagram. Gemeint sei nicht nur die Verbandsführung.

"Hier geht es auch um aktive Trainer, die fest davon überzeugt sind, dass sich ohne Doping nicht gewinnen lässt."

Die Verbandsleute würden sich nur darum kümmern, sich gegenseitig zu decken - ohne Rücksicht auf die Athleten, schrieb Lassizkene. "Wir können noch ewig mit dem Selbstbetrug so weitermachen." Es habe keinen Sinn, die Sperren immer nur auf den Westen zu schieben, der angeblich russische Sportler fürchte. "Auch diese Geschichten, dass die ganze Welt Doping betreibe, sind deplatziert. Wir müssen nicht die ganze Welt retten; wir müssen vielmehr retten, was von der russischen Leichtathletik noch übrig ist."

Leichtathleten aus Russland sind nach der Aufdeckung des staatlich gelenkten Dopings seit dem November 2015 für internationale Titel- und Wettkämpfe gesperrt. Mit dem Bann hatte der Leichtathletik-Weltverband IAAF auf den Skandal reagiert. Seitdem wurde die Sperre mehrfach verlängert, weil Russland nur zögerlich die Bedingungen für eine Wiedereingliederung in den Verband erfüllte.

WM-Teilnahme Russlands unwahrscheinlich

Dimitrij Schljachtin, der Präsident der russischen Leichtathletik-Föderation, hatte nach Bekanntwerden der Verlängerung der Sperre durch den Weltverband IAAF am Sonntag mitgeteilt, dass sich Russland weiter dem systematischen Kampf gegen Doping verpflichtet sehe. Dabei arbeite man mit der IAAF zusammen. Es gehe um "Null-Toleranz gegenüber Doping und eine Änderung der Anti-Doping-Kultur in der russischen Leichtathletik", sagte er.

Der Präsident des Russischen Olympischen Komitees, Stanislaw Posdnjakow, sagte, dass er die Entscheidung des IAAF bedaure.

Nach der Verlängerung der Sperre wird es immer unwahrscheinlicher, dass die russischen Leichtathleten bei den Weltmeisterschaften in Doha, Katar, (27. September bis 6. Oktober) unter eigener Flagge starten dürfen. Die Sperre gilt bis zur nächsten Ratssitzung der IAAF - und die findet erst wenige Tage vor der WM statt. Russische Sportler können nach individueller Prüfung durch die IAAF bei den Titelkämpfen unter neutraler Flagge starten.

svs/dpa/rtr/sid



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rainer82 10.06.2019
1. Die Unnachgiebigkeit gegenüber dem Staatsdoping ist beeindruckend.
Glückwunsch dazu!!! Die Leichtathletikfreunde hatten schon befürchtet, am Ende würden die Russen doch wieder mit ihrem staatlich sanktionierten und meist sogar gesteuerten Betrug an allen anständigen Sportkameraden durchkommen. Doch nun wird klar, dass Russland die selbstverständlichen Anforderungen an Fair Play noch immer nicht respektiert. Wie schön, dass die Anti Doping-Organisationen nicht einknicken. Russland und vor allem auch Putin als Unterstützer der Betrüger müssen endlich einsehen, dass diese Machenschaften ihrem Land erheblich schaden. Jene russischen Athleten, die nicht illegale Drogen zwecks Manipulation einnehmen, werden das auch so sehen.
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