Ryder Cup Poulter lässt Europa weiter hoffen

Die Chance bleibt bestehen: Das europäische Team hat sich am zweiten Tag des Ryder Cups die Möglichkeit auf den Sieg erhalten. Besonders ein Spieler hat großen Anteil daran, dass die USA vor den abschließenden Einzeln am Sonntag noch nicht uneinholbar fortgezogen sind.


Es ist nicht so, dass Ian Poulter nicht gerne im Mittelpunkt steht. Doch das, was er im Vorfeld dieses Ryder Cups über sich lesen musste, dürfte dem 32-jährigen Engländer nicht immer gefallen haben. Ein mediales Unwetter hatte Europa-Kapitän Nick Faldo mit seiner Entscheidung ausgelöst, Poulter mit einer von zwei Wild Cards für das Ryder-Cup-Team zu bedenken.

Golfprofi Poulter: Das Vertrauen zurückgezahlt
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Golfprofi Poulter: Das Vertrauen zurückgezahlt

Manche meinten, der Nordire Darren Clarke, Held des Triumphes von 2006, wäre die bessere Wahl gewesen. Andere kritisierten, der Mann mit den blondierten Haaren und dem Mode-Tick wäre nicht ausreichend in Form. Außerdem sei Poulter zu sehr Individualist. Als Mann der Show fehle ihm das Integrative, das Teamplayer auszeichne.

Der Druck war also groß für den bisher einmaligen Ryder-Cup-Teilnehmer (2004). An den ersten zwei Tagen dieser 37. Auflage des Prestigeduells im Valhalla Golfclub von Louisville, Kentucky, zeigte Poulter jedoch, dass er diesem Druck durchaus gewachsen ist. 3 der bislang 7 europäischen Punkte steuerte er bei - nur sein Spielpartner während der ersten drei Runden, Justin Rose, hat im europäischen Team mit 2 Punkten eine ähnlich gute Statistik.

Und hätte Poulter zusammen mit Landsmann die drei Löcher Vorsprung im ersten Duell gegen Chad Campbell und Stewart Cink am Freitagmorgen ins Ziel gerettet - er hätte sogar vier von vier möglichen Punkten geholt. "Man braucht ihm nur die kleinste Ahnung einer Führung geben, er wird sie nicht mehr aus der Hand geben", sagt Rose über seinen guten Freund und Nachbar am Lake Nona im US-Bundesstaat Florida.

Doch weil neben Poulter auch am zweiten Tag nur der Nordire Graeme McDowell (als Poulters Vierer-Partner) sowie der auftrumpfende Schwede Robert Karlsson (sieben Birdies auf neun Löchern am Nachmittag) konstant stark spielten, geht das europäische Team dennoch mit zwei Punkten Rückstand (7:9) in die abschließenden Einzel am Sonntag.

Dabei hatte Kapitän Faldo beim Stand von 2,5:5,5 am Morgen des zweiten Tages sein Team mit unorthodoxen Entscheidungen noch einmal versucht, aufzuwecken. Und die Maßnahme, Sergio Garcia, der zuvor acht seiner neun klassischen Vierer gewonnen hatte, ebenso draußen zu lassen wie Lee Westwood, der am Freitag einen Rekord der Golflegende Arnold Palmer egalisierte, indem er zwölf Ryder-Cup-Matches in Folge nicht verlor, sollte sich - zumindest im ersten Teil des Samstags, auszahlen. Der Engländer Oliver Wilson überzeugte in seinem ersten Ryder-Cup-Vierer und schlug an der Seite von Henrik Stenson, Schweden, die US-Helden des Freitags, Phil Mickelson und Anthony Kim. Nach vier Foursomes stand es plötzlich nur noch 5:7.

Am Nachmittag holten neben Poulter und McDowell Garcia/ Paul Casey und die Schweden Karlsson/ Stenson jeweils einen halben Punkt. Westwood zeigte sich nicht gut ausgeruht und verpasste es, einen neuen Rekord aufzustellen - er verlor. Das war nicht genug, um den USA so nahe zu kommen, dass aus Hoffnung große Zuversicht hätte werden können.

Gegen ein am Schlusstag traditionell starkes US-Team sind Poulter und Co. vor den Einzeln nun nur noch Außenseiter, nachdem vor Beginn des Ryder Cups der vierte Triumph in Folge für Europa noch der wahrscheinlichste Ausgang des Kontinentalwettstreits gewesen war.

Weiterhin ein Vorteil für die USA bleibt die lautstarke Unterstützung der Fans in Kentucky. Besonders die Lokalmatadoren Boo Weekley, der sich an der Seite von J. B. Holmes am Nachmittag ein wenig überraschend gegen Westwood und Sören Hansen durchsetzen konnte, und Kenny Perry wurden immer wieder mit Sprechchören bedacht, die ein Golfprofi normalerweise nur kennt, wenn er schon einmal ein Fußballstadion besucht hat.

In dieser aufgeheizten Atmosphäre peitschten sich die US-Profis gegenseitig zu herausragenden Leistungen, Jubeltänze inklusive. Nicht alles ging dabei mit fairen Mitteln zu, meint zumindest der Gegner. "Das Hochwerfen der Arme ist mir egal, man sollte jedoch warten, bis man das Grün verlassen hat, nicht, wenn noch Schläge zu absolvieren sind", kritisierte Westwood, der bei seinem sechsten Ryder Cup zum ersten Mal ohne Sieg in den Schlusstag geht. "Zwischen den Schlägen ist so etwas überflüssig. Ich habe ihm (Weekley, d. Red.) aber nichts gesagt, denn das ist nicht mein Job", so der 35-Jährige. Teamkollege Poulter äußerte sich zurückhaltender, doch ebenfalls irritiert: "Ich denke, jeder hat gesehen, dass es manchmal ein wenig zu hart an der Grenze war."

Poulter ließ sich jedoch nicht beeindrucken. Wer gerne im Mittelpunkt steht, genießt auch bei einem Ryder Cup in Übersee die Zuschauermassen und deren Feierlichkeiten. Und vielleicht hilft Poulter auch, dass er sich trotz des Teamgedankens und Ryder-Cup-Einheitskluft ein klein wenig Individualität bewahrt hat: Wer genau hinschaute, konnte sehen, dass der Modefreak am ersten Tag unten an seinem Hosensaum die Naht ein Stück aufgetrennt hatte. So legte sich das Beinkleid weit über die Golfschuhe, ganz nach dem Geschmack Poulters. Die Ergebnisse waren es bislang auch.

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