Ryder Cup So gewann Europa gegen die USA

25 Jahre lang waren die besten Golfer Europas im Ryder Cup zu Hause ungeschlagen, die vermeintlich beste US-Auswahl der Geschichte wollte das ändern. Doch daraus wurde nichts. Die Entscheidung zum Nachlesen.

Getty Images

Aus Guyancourt berichtet


Der Ryder Cup ist wieder im Besitz der besten Golfspieler Europas. Nach der Niederlage in Hazeltine vor zwei Jahren gewann die Mannschaft von Kapitän Thomas Bjorn auf dem Albatros Course von Le Golf National vor den Toren von Paris gegen Titelverteidiger USA.

Als die Entscheidung gefallen war, fielen sich Europas Profis, die sonst Woche für Woche als Einzelkämpfer gegeneinander antreten, in die Arme, küssten sich auf die Wangen, schlugen sich auf die Schultern. Francesco Molinari, der in seinem Duell mit Phil Mickelson letztlich den Sieg perfekt machte, wurde unter einer Menschenmasse begraben und erhielt eine Bierdusche. Der Ryder Cup hat auch bei seiner 42. Auflage bewiesen, dass es das stimmungsvollste Golfturnier der Welt ist. Und die Europäer, dass sie zu Hause kaum zu schlagen sind.

Dabei war Europa, das mit einer 10:6-Führung in den Schlusstag ging, denkbar unglücklich gestartet. Rory McIlroy und Justin Thomas waren als erste auf die Runde gegangen. Der 29-jährige Nordire hatte nach sieben Bahnen zwei Löcher mehr gewonnen als der 25 Jahre alte US-Amerikaner. Doch Thomas kämpfte sich zurück, gleichauf ging das Duo auf die letzte Bahn. McIlroy landete mit seinem Abschlag im Bunker, kam erst mit dem zweiten Schlag aus dem Sandhindernis, aber nur, um direkt im Wasser zu landen. Am Ende musste er eine Sechs auf der Scorecard notieren, Thomas eine Drei - der erste Punkt für die USA, es stand nun 10 zu 7 für Europa.

Das zweite Match zwischen Paul Casey und Brooks Koepka wogte hin und her, der Engländer Casey sorgte auf der 17. Bahn für den Ausgleich - und verfehlte am letzten Loch mit einem Putt aus sechs Metern ganz knapp den Sieg gegen Koepka. Sie teilten sich den Punkt, 10,5 zu 7,5 stand es damit. Das im Golf so vielbeschworene Momentum kippte im Minutentakt. Tiger Woods spielte auf dem neunten Loch einen Eagle, also zwei Schläge unter Platzstandard, und legte kurz darauf noch einen Birdie nach, mit dem er den Ausgleich gegen den Spanier Jon Rahm schaffte.

Dann spielte der US-Star aber auf der 13. Bahn einen Bogie und vergab auf der 14. einen Putt aus einem Meter, der gleichbedeutend mit der zwei-Loch-Führung für seinen Gegner war. Die nächsten Punkte gingen an die USA, Webb Simpson gewann gegen Justin Rose, Tony Finau gegen den bisher so starken Tommy Fleetwood. 8,5 zu 10, dann 9,5 zu 10,5 aus Sicht der USA, jedes Match war wieder wichtig, der Vorteil der Europäer schrumpfte und schrumpfte.

Im Match von Woods ging es dramatisch weiter. Rahm vergab auf Bahn 16 ähnlich kläglich wie zuvor Woods aus 1,5 Metern, ließ beim anschließenden Abschlag an der 17 aber gleich wieder seine Wut raus und drosch den Ball in Richtung Grün, während Woods die Bahn verfehlte. Der Däne Thorbjorn Olesen, zwei Paarungen hinter Woods und Rahm gestartet, ließ Jordan Spieth keine Chance, bereits nach 14 Löchern war das Duell zugunsten Europa entschieden: 11,5 zu 9,5.

Rahm schrie seine ganze Freude und Erleichterung raus

Zittrig, aber erfolgreich brachte Rahm dann doch noch sein Match gegen Woods zu Ende. Nach seinem Wahnsinnsabschlag gelang auch die Annäherung, zeitgleich mit dem Birdie-Putt fiel dem Spanier sein Schläger aus der Hand, er schrie seine ganze Freude und Erleichterung raus und sprang mit geballten Fäusten mehrmals in die Luft - 12,5 zu 9,5 für Europa. Beim anschließenden Interview wischte sich der wuchtige 23-Jährige mehrmals Tränchen aus den Augen.

Aber es war noch nicht vorbei. Der leidenschaftliche Ryder-Cup-Veteran Ian Poulter und der stets coole Weltranglistenerste Dustin Johnson kämpften erbittert um jedes Loch, in den drauffolgenden Gruppen aber deutete sich der europäische Sieg an. Sergio Garcia führte gegen Rickie Fowler, Francesco Molinari gegen Phil Mickelson, Henrik Stenson gegen Bubba Watson. Einzig Patrick Reed war gegen Tyrrell Hatton für die USA noch auf Siegkurs.

Poulter bewies vor der tobenden Tribüne der 18. Bahn, dass er einer der besten Ryder-Cup-Spieler der Geschichte ist. Sein zweiter Schlag auf dem Par 4 war perfekt, im Gegensatz zu Dustin Johnson verwandelte er seinen Birdie-Putt und schlug sich mehrmals auf die Brust. 13,5 zu 9,5. Die Vorentscheidung, da es nur noch eine Frage der Zeit war, bis Garcia und Molinari ihre Führungen ins Ziel brachten. Inzwischen waren alle europäischen Spieler, die bereits zu Ende gespielt hatten, zusammengekommen und begleiteten ihre Teamkollegen. Europas Teamkapitän Thomas Bjorn nahm schon erste Gratulationen entgegen.

Als Phil Mickelson seinen Abschlag auf der 16. Bahn ins Wasser geschlagen hatte, nahm er die Mütze ab und gratulierte seinem Gegner Molinari. Die USA gaben das Loch auf, damit stand es 14,5 zu 9,5 für Europa, der Sieg war perfekt. Garcia gewann anschließend noch gegen Fowler, ebenso wie Stenson gegen Watson und Alex Noren gegen Bryson Dechambeau. Nur Hatton verlor gegen Patrick Reed. Am Ende hieß es 17,5 zu 10,5 für Europa.

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WillyWusel 30.09.2018
1. Denen haben wir´s gezeigt
Der Ryder Cup - alle zwei Jahre ein Festwochenende und ein Spektakel für jeden, der sich auch nur ein klein wenig für Golf interessiert. Es gibt kaum ein Sportevent, dass derart emotional, spannend, fesselnd und mitreißend daher kommt, wie der Ryder Cup. Wenn aus Einzelwettkämpfern, die Jahr für Jahr für sich alleine um den Globus tingeln, um die Golfturniere dieser Welt zu spielen, für ein Wochenende lang die innigsten Teamplayer werden, die man sich nur vorstellen kann. Die einen für die USA, die anderen für Europa. Was es ihnen allen bedeutet, kann man an den Reaktionen der Sportler in diesen drei Tagen sehen. Das ist ganz großes Kino. Erst recht, wenn am Ende die Europäer über - in diesem Fall - Trumps Amis die Oberhand gewinnen. Es war mal wieder ein Vergnügen, dabei gewesen zu sein... Ach ja, und um noch ein wenig Politik in die ganze Sache zu bringen: Das europäische Team bestand aus 6 Briten und 6 Kontinentaleuropäern. Kann´se mal sehen, was wir Europäer zustande bringen, wenn wir in einem Team spielen, statt gegeneinander... ;-)
mikkomz 30.09.2018
2. Sport, keine Politik
Ich kann der ersten Hälte ihres Posts nur zustimmen. Ein großartiges Event, alle 2 Jahre, egal ob dies- oder jenseits des Atlantiks weit mehr Menschen bewegend, als man es dem "langweiligen" Golf hierzulande zutrauen würde. Mehr Spaß macht es nur noch, es selbst zu spielen. Warum Sie da jetzt aus dem Wettbewerb unbedingt ein Politikum machen müssen, erschließt sich mir aber nicht. Natürlich gibt es inzwischen eine gesunde Rivalität mit jeweils durchaus spürbarem Heimpublikum. Aber am Ende bleibt es ein sportlicher Wettkampf, der olle Trump spielt da mal überhaupt keine Rolle.
seppfett 30.09.2018
3. Europe is so bad
Zitat von mikkomzIch kann der ersten Hälte ihres Posts nur zustimmen. Ein großartiges Event, alle 2 Jahre, egal ob dies- oder jenseits des Atlantiks weit mehr Menschen bewegend, als man es dem "langweiligen" Golf hierzulande zutrauen würde. Mehr Spaß macht es nur noch, es selbst zu spielen. Warum Sie da jetzt aus dem Wettbewerb unbedingt ein Politikum machen müssen, erschließt sich mir aber nicht. Natürlich gibt es inzwischen eine gesunde Rivalität mit jeweils durchaus spürbarem Heimpublikum. Aber am Ende bleibt es ein sportlicher Wettkampf, der olle Trump spielt da mal überhaupt keine Rolle.
Ein Politikum, weil Trump mit seinen Golfplätzen rund um die Welt, aus Enttäuschung über diesen Verlust jetzt doch hohe Zölle gegen Alles aus Europa einführen wird... und einen Einwanderungsstop gegen europäische Golfspieler. (Europe is soooo bad) and mean, they do everything against the Great USA) Man darf schmunzeln!
rioreisser 30.09.2018
4. Cooler als alles andere
So eine tolle Sport Veranstaltung, fairer Fans, trotzdem viel Emotionalität… Einfach unglaublich.... 5 Std. Spannung
meresi 30.09.2018
5. Ww
Zitat von mikkomzIch kann der ersten Hälte ihres Posts nur zustimmen. Ein großartiges Event, alle 2 Jahre, egal ob dies- oder jenseits des Atlantiks weit mehr Menschen bewegend, als man es dem "langweiligen" Golf hierzulande zutrauen würde. Mehr Spaß macht es nur noch, es selbst zu spielen. Warum Sie da jetzt aus dem Wettbewerb unbedingt ein Politikum machen müssen, erschließt sich mir aber nicht. Natürlich gibt es inzwischen eine gesunde Rivalität mit jeweils durchaus spürbarem Heimpublikum. Aber am Ende bleibt es ein sportlicher Wettkampf, der olle Trump spielt da mal überhaupt keine Rolle.
hat vollkommen recht. Trump hat die Politik ins Spiel gebracht mit seiner Einmischung in das Verhalten von Spielern. Und die Politik bedient sich selbst oft genug in Bereichen des Sports. Da kann man ruhig mal nen Seitenhieb in Richtung einer sogenannten Staatsführe anbringen.
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