Ryder Cup "Wir haben drei Jahre auf diesen Moment gewartet"

Wenn am Freitag in der Nähe von Birmingham beim 34. Ryder Cup die ersten Bälle fliegen, haben alle Beteiligten ein Jahr länger als geplant ausharren müssen. Die Terror-Angriffe vom 11. September verhinderten die Austragung 2001. Diesmal erschreckte nur ein Erdbeben die beiden Golf-Teams aus Europa und den USA.

Von Andreas Lampert, Birmingham


Birmingham - Die diesjährige Ryder-Cup-Woche begann mit einem Ereignis der besonderen Art. Am frühen Montagmorgen erschütterte ein Erdbeben die britischen Midlands und Europas Ryder-Cup-Kapitän Sam Torrance, der in seinem Hotel die Wände wackeln sah, dachte kurzzeitig an eine Explosion. Auch Jesper Parnevik, einer der zwölf europäischen Spieler, stürmte nach den Erschütterungen in Unterhose auf den Hotelbalkon, um zu sehen, was los ist. Als ob der diesjährige Ryder Cup, der ab Freitag auf der "The De Vere Belfry"-Anlage in der Nähe von Birmingham zum 34. Mal ausgetragen wird, nicht schon genügend Schlagzeilen produziert hätte.

Erdbeben können auch sie nicht verhindern: Polizisten am Golfplatz in Belfry
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Erdbeben können auch sie nicht verhindern: Polizisten am Golfplatz in Belfry

Vor gut einem Jahr sorgten die Ereignisse um den 11. September dafür, dass der 34. Ryder Cup um ein Jahr verschoben werden musste. Es war damals die einzige Sportveranstaltung weltweit, die in Folge der Terroranschläge auf die Austragung verzichtete. Am gleichen Ort, mit den gleichen Beteiligten wird sie nun ein Jahr später nachgeholt. Nur die Logos an den Anzeigetafeln und auf den Fanartikeln erinnern daran, dass die Veranstaltung eigentlich im letzten Jahr stattfinden sollte.

Deshalb wirkte Curtis Strange bei der ersten Pressekonferenz auch sichtlich erleichtert. "Endlich geht es los. Wir haben drei Jahre auf diesen Moment gewartet." Dem amerikanischen Ryder-Cup-Kapitän ging es am Montag wie Torrance und allen 24 Spielern, die im Laufe des Montags auf dem Golfplatz rund 15 Meilen östlich von Birmingham eintrafen. Rund zwei Jahre hatte die Qualifikation gedauert, ehe die Teams feststanden. Ein weiteres Jahr kam wegen des 11. Septembers hinzu. Endlich ist die Zeit des langen Wartens zu Ende, und Erleichterung darüber ist allen Beteiligten deutlich anzumerken.

"Eines der größten Sportereignisse"


Vor 75 Jahren erfand der britische Samenhändler Samuel A. Ryder den Kontinentalvergleich zwischen den besten Golfern der USA und Europas, um die Beziehungen zwischen Spielern in der neuen und alten Welt zu stärken. In Abständen von zwei Jahren sollten sich die besten Golfer der USA und Großbritanniens messen. Mal auf amerikanischen Boden, mal auf britischem. Gereist wurde mit dem Schiff, und oft glichen die Auseinandersetzungen freundschaftlichen Wettbewerben, bei denen die Kameradschaft unter den Spielern das Wichtigste war. Lange Jahre dominierten die Amerikaner den Wettbewerb. Bis 1977 gelangen den Briten lediglich zwei Siege (1933 in Columbus, Ohio und 1957 in Yorkshire).

Inzwischen fliegen die Spieler in der Concorde oder im Privatjet über den Atlantik und auch die Rivalität zwischen den Kontrahenten ist größer geworden. Seit 1979, als auf Drängen von Spielern wie Severiano Ballesteros und Bernhard Langer die britische Ryder-Cup-Mannschaft mit Spielern vom europäischen Kontinent verstärkt wurde, gestaltet sich der Kontinentalvergleich als ausgeglichene und spannende Veranstaltung, die auch in der Öffentlichkeit mit Begeisterung wahrgenommen wird. In den letzten 20 Jahren gelangen Europa und den USA jeweils fünf Siege. "Für mich gehört der Ryder Cup inzwischen neben den Olympischen Spielen und der Fußball-WM zu den größten Sportereignissen, die es gibt", schwärmt Paul McGinley aus Irland, einer der Rookies im diesjährigen Team Europas.

Auch Langer ist nervös


Grünpflege: Die besten Golfer der Welt sollen optimale Bedingungen vorfinden
AP

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Auf Spieler wie McGinley oder auch Pierre Fulke, Niclas Fasth (beide Schweden) und Phillip Price (Wales) auf europäischer Seite, sowie Scott Verplank, Stewart Cink und David Toms bei den USA darf man gespannt sein. Keiner dieser Spieler weiß, was in den nächsten Tagen auf ihn zu kommt, denn sie spielen zum ersten Mal im Ryder Cup. "Bei uns heißt es immer, wenn man beim Ryder Cup zum ersten Mal abschlagen muss, sollte man die Fahrradklemmen nicht vergessen, denn die Beine zittern so", erinnert sich Thomas Björn aus Dänemark an seinen ersten Auftritt auf der Ryder-Cup-Bühne in Valderrama im Jahr 1997. Auch Bernhard Langer stuft einen Auftritt beim Ryder Cup inzwischen fast höher ein als ein Major-Turnier. "Man spielt beim Ryder Cup nicht nur für sich alleine. Man vertritt ein Team, die European Tour und den Kontinent", so der 45-Jährige, der zum zehnten Mal bei einem Ryder Cup dabei ist. "Da bin auch ich nervös."

Außergewöhnlich sind in diesem Jahr die unterschiedlichen Formkurven der Spieler, denn die aufgestellten Teams sind gegenüber dem Vorjahr nicht verändert worden. So wird der eine oder andere Spieler antreten müssen, der sich in diesem Jahr vielleicht gar nicht für sein Ryder-Cup-Team qualifiziert hätte. Doch die Sorgenkinder sind auf beide Seiten gleich verteilt. Bei den Amerikanern schwächeln diese Saison Stewart Cink und Hal Sutton, auf europäischer Seite könnten McGinley und Price die Achillesfersen im Team sein.

Teamstärken versus Individualität


Gespielt wird in drei Lochwettbewerb-Formaten über drei Tage. Für den Golfprofi, der sein Geld Woche für Woche im Zählwettspiel verdient, bedeutet dies eine Umstellung, was aber den Reiz des Wettbewerbs ausmacht. Am Freitagmorgen treten zunächst vier Zweierteams im "Fourball" gegeneinander an, am Nachmittag folgt der "Fourball"-Wettbewerb. Im "Foursome" spielen zwei Spieler eines Teams einen Ball, den sie abwechselnd schlagen. Im "Fourball"-Wettbewerb treten ebenfalls zwei Zweierteams gegeneinander an, nur diesmal darf jeder seinen eigenen Ball spielen. Pro Loch wird das beste Ergebnis eines Teams gezählt und mit dem des gegnerischen Duos verglichen. Wer die niedrigere Schlagzahl hat, gewinnt das Loch. Der Samstag beginnt mit den "Foursomes", am Nachmittag wird dann wieder "Fourball" gespielt. Am Sonntag, dem letzten Wettkampftag, treten jeweils zwölf Spieler im Einzel gegeneinander an.

Europas Kapitän: Sam Torrance
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Europas Kapitän: Sam Torrance

Traditionell haben die Spieler aus den USA Vorteile, wenn sie im Einzel spielen. Den Europäern liegen die Vierer-Wettbewerbe, in denen mehr Teamgeist und Strategie gefragt ist. Im vergangenen Ryder Cup, 1999 in Brookline, dominierten die Europäer an den ersten beiden Tagen und führten scheinbar souverän mit 10:6 Punkten. Am letzten Tag hätten sie lediglich vier Punkte aus den zwölf Einzelwettbewerben benötigt, doch sie wurden von den US-Amerikanern förmlich überrannt und unterlagen mit 14,5 zu 13,5 Punkten.

Erinnerungen an Brookline


Dieses sensationelle Comeback von Tiger Woods & Co. sorgte für einige Aufregung; denn die Zuschauer in den USA begannen vor Begeisterung über den eigenen Triumph die europäischen Spieler zu verhöhnen, und die Ereignisse eskalierten. Selbst die amerikanischen Spieler hatten vor drei Jahren ihre Emotionen nicht mehr im Griff, was sich in einem peinlichen Zwischenfall am 17. Loch äußerte: Nach einem erneuten Birdie von Justin Leonard im Spiel gegen Jose-Maria Olazabal stürmten einige US-Spieler bereits das Grün, ehe der Spanier das Loch beendet hatte. Ein klarer Verstoß gegen die Etikette, über den wochenlang diskutiert wurde. "The Jingoism of Brookline" ("Der Chauvinismus von Brookline") wie dieser Zwischenfall in der britischen Presse getauft wurde, dürfte das englische Publikum kaum vergessen haben.

Doch beide Kapitäne habe bereits signalisiert, dass es in diesem Jahr nicht zu derartigen Eskalationen kommen soll. "Vor drei Jahren sind die Emotionen einfach übergelaufen", beurteilt Torrance inzwischen die Lage. "Wenn so etwas wie in Brookline passiert, stellt man hinterher fest, dass alles etwas übertrieben war, und nimmt sich vor, sich in Zukunft zu bessern." Hoffentlich war das Erbeben zum Anfang der Woche kein schlechtes Omen.



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