Fall Saeid Mollaei Judoka sollte offenbar nicht gegen Israeli kämpfen - Sperre für iranischen Verband

Der iranische Judoverband soll einen iranischen Judoka gedrängt haben, aus der WM auszuscheiden, um nicht auf einen israelischen Sportler zu treffen. Nun ist der Verband gesperrt worden.

Saeid Mollaei
Kim Kyung-Hoon/REUTERS

Saeid Mollaei


Der iranische Judo-Verband ist wegen des Falles des geflüchteten iranischen Judokas Saeid Mollaei mit einer Schutzsperre belegt worden. Sportler des Verbands dürfen laut der internationalen Judo-Föderation IJF nicht mehr an internationalen Wettkämpfen und allen weiteren IJF-Aktivitäten teilnehmen.

Saeid Mollaei war nach der Weltmeisterschaft in Tokio nicht in sein Heimatland Iran zurückgekehrt, weil er sich nach eigenen Angaben einer Anweisung des stellvertretenden iranischen Sportminister Davar Zani und anderer Offizieller widersetzt hatte.

Mollaei hätte im Halbfinale in der Klasse bis 81 Kilogramm nicht gegen den Belgier Matthias Casse antreten sollen, damit er nicht im Finale auf den israelischen Judoka Sagi Muki treffen könne. Mollaei kämpfte trotzdem, verlor allerdings, laut eigener Aussage absichtlich.

Sperre gilt ab sofort, Iran kann vor den Cas ziehen

Der internationale Judoverband stützt Mollaeis Aussagen. Der iranische Teammanager Majid Zareian hatte dem britischen "Guardian" hingegen gesagt, alles sei von vorneherein darauf ausgelegt gewesen, dass Mollaei gegen einen Teinehmer aus Israel kämpfen sollte. Er bestritt, dass es Druck aus dem Iran gegeben habe.

Sehen Sie hier ein Interview mit Saeid Mollaei:

Eine Anfrage des SPIEGEL an das nationale Olympische Komitee des Iran blieb unbeantwortet. Dem Nachrichtenportal Khabar-Online sagte NOK-Chef Reza Salehi Amiri: "Ich habe Mollaei bereits Bescheid gegeben und versichert, dass er bei einer Rückkehr keine Angst um sich und seine Familie haben sollte." Mollaei traute diesem Versprechen nicht und floh nach Deutschland.

Die IJF machte eine klare Ansage: Das Handeln des iranischen Verbands im Fall Mollaei habe gleich gegen mehrere Statuten und Regeln verstoßen, hieß es vom internationalen Judo-Verband. Die Schutzsperre gilt ab sofort, Irans Verband kann gegen die Entscheidung Berufung vor dem Internationalen Sportgerichtshof Cas einlegen.

Seit mehreren Jahrzehnten treten iranische Sportler immer wieder nicht gegen israelische Kontrahenten an, weil Iran Israel als Staat nicht anerkennt. Auch im Judo kam es in der Vergangenheit zu plötzlichen Verletzungen oder anderen Vorkommnissen, damit Iraner Duelle mit Israelis vermeiden konnten.

bka/dpa/AP



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