Satanische Ferse Nadeln gegen den Sehnenschmerz

Untenrum, im Achilles-Bereich unserer Läufer, scheint vieles im Argen zu liegen, so zahlreich waren die Mails mit Fragen, Tipps und Leidensberichten zum Thema Sehne. Der eine Schmerzfall steht auf Akupunktur, der andere schwört auf Schockwellentherapie. Dr. Dimeo verrät, was wirklich hilft.


Hallo Achim,

Mitte Mai habe ich mir die Achillessehne gerissen und wollte fragen, ob Du oder einer Deiner Bekannten Erfahrung hat, ob, wann und in wie weit man nach einer OP wieder Sport treiben kann.
Danke und Gruß, Nico

Lieber Nico,
selbstverständlich sollte man nach einer Operation wieder Sport treiben können, schließlich war der Grund für die OP die Wiederherstellung der Funktion. Ab wann die Sehne exakt wieder belastbar ist, hängt von der Ausprägung der Verletzung, der Art der Operation und auch vom Alter des Patienten ab. Deswegen müssen Sie diesen Punkt mit Ihrem Arzt klären, bevor sie wieder einsteigen.
Besten Gruß, Dr. Fernando Dimeo

Hallo Achim und Doc Dimeo,
ich bin lange Jahre regelmäßig zehn Kilometer "gejoggt", dreimal in der Woche, immer volle Pulle. Aufwärmen ist etwas für Frauen und Kinder. Vor drei Jahren hat es dann angefangen am Achillessehnenansatz zur Ferse zu drücken. Egal, Arztbesuche sind ja auch was für Kinder. Im Laufe eines halben Jahres ist es schlimmer geworden. Habe dann versucht, eine Pause zu machen. Ist nicht besser geworden: Gerade morgens beim Aufstehen hat's ziemlich geschmerzt. Schliesslich habe ich mich zum Doc geschleppt. Achillessehnenentzündung! Ab zum Physiotherapeuten, Massage, Schockwellentherapie, etc. Keine Verbesserung. Das hat sich fast zwei Jahre lang hingezogen. Dann habe ich "Tendonitis" gegoogelt und eine Studie gefunden, nach der 30 Läufer mit den gleichen Achillessehnenschmerzen in zwei Gruppen aufgeteilt wurden. Eine Gruppe wurde mit Salben, Massagen, Flektor und was weiß ich behandelt, die andere Gruppe hat Streckübungen gemacht. Morgens und abends jeweils 3 mal 15 Sekunden mit der Fußspitze auf einer Treppenstufe stehen, auf die Zehenspitzen strecken und dann den Fuß langsam absenken - das habe ich gemacht, vier Wochen lang. Alles weg! Keine Schmerzen mehr, nichts! Jetzt bin ich wieder im Aufbautraining.
Beste Grüsse, Sven

Lieber Sven,
keine Einwände. Kräftigungs- und Dehnungsübungen sind das A und O der Vorbeugung und auch der Behandlung bei chronischen Beschwerden. Bei akuten Probleme bewirken sie jedoch eine zusätzliche Belastung und damit häufig zu einer Zunahme der Beschwerden. Deswegen: Bei akuten Beschwerden immer schonen und weniger belasten.
Besten Gruß, Dr. Fernando Dimeo

Hallo Herr Dr. Dimeo,
habe nach einjähriger Sportpause recht intensiv mit Laufen begonnen, um wieder fitter für meinen Mannschaftssport zu werden. Dann entzündete sich meine linke Achillessehne und kleinere Pausen von einer Woche oder Kühlung halfen nichts. Als es nach einem Spiel einmal relativ stark schmerzte, habe ich es schließlich mit einem recht simplen "Fersenkeil" probiert, den ich tagsüber in beiden Schuhen trug. Innerhalb von zwei Tagen konnte ich schmerzfrei trainieren und wieder zwei Tage später habe ich den Fersenkeil ganz weggelassen, um mich nicht daran zu gewöhnen. Parallel dazu habe ich nach dem "ersten" Schmerz eine durchblutungsfördernde Salbe aufgetragen und eine Magnesiumtablette eingenommen, denn sonst drohen wegen der ungewohnten Belastung Wadenkrämpfe, wie ich jetzt aus leidvoller Erfahrung weiß...
Mit freundlichen Grüßen, Benjamin

Akupunktur: Nadeln gegen das Leiden
DPA

Akupunktur: Nadeln gegen das Leiden

Lieber Benjamin,
viele wollen es nicht glauben, aber recht intensiv mit dem Sport nach einer langen Pause anzufangen, bedeutet immer Überbelastungen und Verletzungen. In Ihrem Fall hat der Keil zu einer Entspannung und Entlastung der Achillessehne geführt. Dadurch konnte sie sich von der Überbelastung erholen und die Schmerzen haben nachgelassen. Also beim nächsten Mal bitte das Training besser dosieren, um Probleme zu vermeiden.
Besten Gruß, Dr. Fernando Dimeo

Hallo Achilles-Team,
mit Interesse habe ich die Berichte über fragwürdige bis helfende Maßnahmen Achillodynie-Betroffener gelesen. Als ehemaliger Volleyball-Leistungssportler und heute immer noch (bin 47) dem bunten Ball Nachhechelnder, kämpfe ich seit gut 25 Jahren mit diesen Problemen. Meist habe ich sie durch intensives Dehnen oder aber auch durch einige Spritzen, Einlagen und ähnliches hinbekommen. Zumindest so, dass ich mich gut bewegen konnte. Längeres Dauerlaufen geht schon lange nicht mehr. Seit anderthalb Jahren weiß ich, dass ich an Zöliakie, oder einheimischer "Sprue", leide. Das ist eine Gluten-Unverträglichkeit, wohl von Geburt an. Durch Einhalten einer strengen glutenfreien Diät hat sich mein Wohlbefinden massiv verbessert. Auch sportlich konnte ich an frühere Leistungen heranreichen - unglaublich. Dann begann es aber mit muskulären Verspannungen, Faserrissen der Muskulatur und natürlich wieder mit der mich so lange begleitenden Achillodynie. Intensive Stosswellen-Therapien über den ganzen Körper, Herstellen des Säuregleichgewichts und letztlich doch wieder zwei Spritzen und einer abschließenden Akupunktur haben die linke Seite quasi geheilt. Rechts ist es schlimmer denn je. Zurzeit dehne ich die unteren Fußsehnen (Verbindung zwischen Ferse und Zehen) und spiele einfach weiter (meist fast einbeinig). Tags drauf ist Gehen eine Tortur. Hilft da wirklich eine Operation? Gibt es technische Hilfsmittel (Bandagen, spezielle Einlagen)? Oder gibt man in dem Alter einfach auf?
Mit freundlichen Grüßen, Dietmar

Lieber Dietmar,
Ballsportarten, vor allem in der Halle, sind eine ungemeine Belastung des Halteapparats. Je intensiver der Sport getrieben wird, umso häufiger sind die Teilnehmer verletzt. Ob in Ihrem Fall eine Operation wirklich helfen kann, vermag ich aus der Ferne nicht zu beurteilen. Sie sollten den Punkt mit Ihrem Arzt besprechen. Aber manchmal muss man der Realität einfach ins Auge sehen. Mit knapp 50 Jahren sind sie nicht so belastbar wie mit 30. Wenn Ihre Beschwerden so massiv sind, ist möglicherweise die Zeit gekommen, um sich zu überlegen, wie wertvoll Ihnen der Volleyball ist. Eventuell sollten Sie nach alternativen Sportarten suchen.
Besten Gruß, Dr. Fernando Dimeo

Lieber Dietmar,
soviel Trubel für ein paar Minuten Volleyball, das ist doch nicht mehr normal. Hüpf auf dem einen Bein doch einfach zum Schwimmen.
Mitleidigen Gruss, Achim

Lieber Achim,
mir ging es auch so. Zwei Jahre Probleme mit der Achillessehne und nichts hat geholfen, bis ich auf eigene Kosten ganze zwei Ultraschallwellen-Sitzungen hatte (Wohl dasselbe System wie Nierensteinzertrümmerer?). Die Behandlung war etwas unerfreulich, aber nach diesen beiden Sitzungen waren meine Achillessehnen wieder völlig in Ordnung. Kann ich echt empfehlen!
Grüsse, Rainer

Lieber Rainer,
jeder Körper reagiert ein wenig anders auf das Training, und das gleiche gilt für die Behandlung. Es gibt mehrere Therapien für Beschwerden an der Achillessehne. Manchmal klappt es leider nicht mit dem ersten Versuch und man muss verschiedene Methoden ausprobieren, was meistens Zeit, Geduld und teilweise Geld bedeutet.
Besten Gruß, Dr. Fernando Dimeo

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Seite 1
Paulizei, 11.04.2005
1. Thema gestorben?
Hallo liebe Laufsportfanatiker, Walker-Hasser oder -Anwälte, Spiegelleser oder sonstige Ehrgeizlinge! Hat diese herrliche Thema den Umzug ins neue Forum nicht überlebt oder seid Ihr in Woche 2 vor dem Olympus Marathon alle so intensiv im Lauftraining, dass keine Zeit mehr für weltliche Angelegenheiten wie das Internet bliebt? Es grüsst Euch Eure Startnummer 16781
seductive, 12.04.2005
2. Pillen-Anleitung
also, ich find ja den Beitrag von Achilles sehr lustig. Leider glauben echt viele Leute dran, dass das Zeug was hilft. Ich muss gestehen, einige Sachen muss ich auch nehmen, allerdings nach Anraten des Arztes. Dass Eisen stopft, hab ich selbst noch nie bemerkt. Magnesium gegen die Krämpfe - wenn ich das mal einige Wochen nicht nehme, weiß ich genau, dass ich beim Spitzentanz nach einigen Minuten wieder fiese Krämpfe in den Fußsohlen kriege, die mir schwerelose Drehungen und minutenlange Balance unmöglich machen. Vitamine etc. nehme ich mit der Nahrung genug auf, nur an Magnesium und Eisen fehlt es mir oft. dass die sich gegenseitig aufheben, ist klar. Zink gegen die Erkältung, das ist doch auch selbstverständlich. Man sollte nicht jedes Mittelchen verteufeln. Aber wahre Sportler greifen sowieso lieber zur altbekannten ACE-Mischung (Kenner wissen, was ich meine). Ob man dann evtl. weit vor der Zeit einen Herzkasperl kriegt und vielleicht mit 25 tot umfällt, ist ja egal - denn man trainiert ja effektiver...
Carmen Cienfuegos, 19.04.2005
3.
---Zitat von sysop--- Jogging, obwohl eine fast schon archaische Form des Fitnesstrainings, bleibt nach wie vor angesagt. Unser Kolumnist Achim Achilles ist ein Durchschnittssportler, aber einer mit Ambitionen. Er läuft, weil er will und muss. Er kämpft um Kondition und gegen die Bequemlichkeitsverfettung. Sind Sie auch ein "heimlicher Achim"? Wie halten Sie es mit dem Training? Joggen wie Achilles? Oder was ist Ihr Rezept gegen Bauch und Trägheit? ---Zitatende--- Dem Marathon Achim rate ich: Creme alle Koerperteile die wundlaufen oder heisslaufen koennen mit Calendula Babycreme ein. Lass die billige Vaseline weg. Keine Chemie oder Drogen schlucken. Doping ist fuer loser. Mental stark antreten. Hoer dir volle Lautstaerke per Headset die Musik: We are the Champions oder Like a rock oder Against the Wind etc. an. Harte Sohlen fressen (wie beim Auto) weniger Energie. Alles andere ist Gummizelleneffekt. Das Abrollen der Sohlen macht den Lauf weich, elegant und elastisch. Das kann man sich antrainieren. Viel Glueck und Willenstaerke.
robbatberlin 26.04.2005
4.
Find ich ja doch ganz schön schade, daß Achim so gelitten hat bei seinem ersten Marathon, daß er jetzt nie wieder will... Aber vielleicht legt sich dieser Wunsch ja wieder. Denn 4.20 ist ja keine schlechte Zeit fürs erste Mal! Das ist ausbaufähig! :)
Paulizei, 26.04.2005
5. Herzlichen Glückwunsch
---Zitat von robbatberlin--- Find ich ja doch ganz schön schade, daß Achim so gelitten hat bei seinem ersten Marathon, daß er jetzt nie wieder will... Aber vielleicht legt sich dieser Wunsch ja wieder. Denn 4.20 ist ja keine schlechte Zeit fürs erste Mal! Das ist ausbaufähig! :) ---Zitatende--- Ist doch normal, oder? Ich jedenfalls bin bisher zwar erst 2 Marathons gelaufen, falle danach aber offenbar immer in ein psychisches Loch. Spätestens bei Kilometer 30 kommt die Einsicht, wie schwachsinnig es ist, im dritten Jahrtausend noch 42km zu laufen. So schlimm sind die Benzinpreise nun auch wieder nicht. Nach Überschreiten der Ziellinie stand dann beide Male fest: Nie wieder! Wo ich letztes Mal noch in 48stündige Bewusstlosigkeit fiel, konnte ich diesmal nach einem langen heißen Bad wenigstens schon wieder ohne fremde Hilfe gehen, was mich zu dem Schluß wird, dass die körperlichen Konsequenzen von Mal zu Mal weniger schlimm ausfallen. Das psychische "Down" bleibt aber vermutlich. Sorgen würde ich mir an Achims Stelle nur machen, wenn er nicht von allein scharf drauf wird, seine eigene Bestzeit zu knacken, nachdem die Schmerzen erstmal verflogen sind... In dem Sinne :-)
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