Lizenz für getrennte Vereine Saudi-Arabien will Frauensport erlauben

Saudi-Arabien plant offenbar eine kleine Revolution: Die Regierung wolle erstmals Frauensportvereine zulassen, berichtet eine einheimische Zeitung. Körperliche Ertüchtigung von Frauen gilt seit Jahren als erbittertes Streitthema.

Sarah Attar: Die saudischstämmige Läuferin startete 2012 bei den Olympischen Spielen
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Sarah Attar: Die saudischstämmige Läuferin startete 2012 bei den Olympischen Spielen


Riad - Saudi-Arabien will erstmals Frauensportvereine zulassen. Dies berichtet die saudische Zeitung "al-Watan". Sie gilt als reformorientiert und gehört einem der Prinzen. Frauensport ist seit Jahren ein kontroverses Thema in dem islamischen Königreich.

Bisher ist Frauensport in Saudi-Arabien nicht zugelassen. 2009 hatte einer der wichtigsten Scheichs, Abdullah al-Manea, Mitglied des offiziellen obersten Rats der islamischen Gelehrten des Landes, davor gewarnt, Frauen Sport machen zu lassen. "Fußball und Basketball sind Sportarten, bei denen man sich viel bewegen und springen muss." Solch exzessive Bewegungen könnten dazu führen, dass bei Mädchen das Jungfernhäutchen reiße.

Zwar gibt es Fitnessclubs für Frauen. Anders als die Gyms für Männer unterstehen sie nicht der Aufsicht des Sportministeriums, sondern des Gesundheitsministeriums und werden ausdrücklich als "Gesundheitszentren" bezeichnet.

Erbitterter Streit in Saudi-Arabien über die Sportlerinnen

Vergangenes Jahr nahmen auf Druck des Internationalen Olympischen Komitees erstmals Sportlerinnen für Saudi-Arabien an den Olympischen Spielen teil, eine Läuferin und eine Judo-Kämpferin. Viele Saudis begrüßten den Schritt. Konservative dagegen beschimpften die Athletinnen auf Twitter als Prostitutierte.

Beide Sportlerinnen mussten als Vertreterinnen des islamischen Königreichs sich den saudischen Bekleidungsvorstellungen anpassen und starteten langärmlig und mit Kopftuch. Im Vorfeld gab es hitzige Debatten darum - ihr Vater drohte mit einem Boykott. Im Einklang mit saudischen Sitten mussten beide auch einen männlichen Schutzbefohlenen, ihren Vater oder Bruder, nach London mitbringen.

Im Judo startete die damals 16-jährige Wojdan Shahrkhani aus Mekka. Sie hatte wohl zu Hause trainieren können, da ihr Vater Judo-Sportler und Judo-Schiedsrichter ist. Shahrkhani war als Blaugurt deutlich weniger erfahren als ihre Schwarzgurt-Konkurrentinnen und schied bei ihrem ersten Kampf aus. Die Olympischen Spiele waren der erste Wettkampf, an dem Shahrkhani teilgenommen hatte.

Im 800-Meter-Lauf ging die saudischstämmige Sarah Attar an den Start. Sie wurde in den USA geboren und hat dort ihr ganzes Leben verbracht. Obwohl Attar als Letzte eine halbe Minute nach der Siegerin ihrer Qualifikationsrunde einlief, applaudierten Hunderte der Läuferin.

König Abdallah hatte zuletzt gegen den Widerstand der konservativen Klerikalen den saudischen Frauen ein Zugeständnis gemacht. Er nominierte im Januar 30 Frauen in den Schura-Rat, der der Regierung beratend zur Seite steht. Saudi-Arabien ist eine absolute Monarchie.

ras/Reuters



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Gerard Le Peintre 30.03.2013
1. Aber bitte mit Burkas und ohne Publikum.
In einem Land, wo die Frauen nicht einmal berechtigt sind, Autos zu fahren, das klingt wie eine Revolution. Revolutionen fördert das Königsreich, aber woanders, in laïzistischen Ländern, zB. wie Syrien. Es ist zu erwarten dass die Sportlerinnen bekleidet mit Burkasähnlichen Kleidern und womöglich ohne männliches Publikum erlaubt werden Fussball zu spielen.
Atheist_Crusader 30.03.2013
2.
Wenn Allah gewollt hätte, dass Frauen Sport machen, dann hätte er ihnen Laufschuhe in die Wiege gelegt. Andererseits hätte er das auch bei Männern machen können. Genaugenommen kann man aus Allahs "Handeln" nicht schlüssig erkennen, was er eigentlich will. Deshalb ist es gut, dass ein paar alte Männer das können. Wen stört denn da schon, dass ihnen Gott genau das sagt, was sie selbst ihr ganzes Leben lang propagiert haben? Alles Zufall. Man könnte jetzt natürlich den ganzen Religionsmist auch einfach begraben, aber das wäre ja total kulturunsensibel. Aber wenn die USA plötzlich den Schwarzen den Sport verbieten würde (eine weit kleinere Minderheit als die 50% Frauen in Saudi-Arabien), die hätten nie wieder Ruhe. Da würde niemand kultursensibel sein wollen.
rainbowman1 30.03.2013
3.
Zitat von sysopGetty ImagesSaudi-Arabien plant offenbar eine kleine Revolution: Die Regierung wolle erstmals Frauensportvereine zuzulassen, berichtet eine einheimische Zeitung. Körperliche Ertüchtigung von Frauen gilt seit Jahren als erbittertes Streitthema. http://www.spiegel.de/sport/sonst/saudi-arabien-will-laut-al-watan-frauensport-erlauben-a-891782.html
Deutschland plant offenbar eine kleine Revolution. Die Regierung will erstmals unverheirateten Vätern zum Sorgerecht zulassen. Der Menschengerichtshof in Straßburg hatte dies erzwungen. (nur um mal zu zeigen, daß hierzlande ebenfalls nicht alles in Ordnung ist)
frl_klara 30.03.2013
4. Revolution?
Gemessen daran, daß die flächendeckende Verschleierung in Saudi Arabien erst in den achtziger Jahren durchgesetzt wurde, könnte man eher von einer Rückeroberung des öffentlichen Raumes sprechen.
Atheist_Crusader 30.03.2013
5.
Zitat von Gerard Le PeintreIn einem Land, wo die Frauen nicht einmal berechtigt sind, Autos zu fahren, das klingt wie eine Revolution. Revolutionen fördert das Königsreich, aber woanders, in laïzistischen Ländern, zB. wie Syrien. Es ist zu erwarten dass die Sportlerinnen bekleidet mit Burkasähnlichen Kleidern und womöglich ohne männliches Publikum erlaubt werden Fussball zu spielen.
Und wie wir alle wissen, ist ein bodenlanges, schwarzes Gewand das ideale Trikot, um in der heißen Sonne der arabischen Halbinsel schweißtreibende Sportarten zu betreiben. Wundert mich, dass da noch keiner die Gefahren lesbischer Gefühlswallungen beim Duschen angemahnt hat.
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