Spektakulärer Sieg in Las Vegas Álvarez knockt Kovalev aus und feiert historischen WM-Erfolg

Saúl "Canelo" Álvarez hat sich mit einem Schlag unsterblich gemacht. Nach seinem Sieg gegen Sergey Kovalev ist der Mexikaner amtierender Weltmeister in drei verschiedenen Gewichtsklassen.

"Canelo" Álvarez (r.) trifft Sergey Kovalev mit einem harten rechten Haken
Ethan Miller / AFP

"Canelo" Álvarez (r.) trifft Sergey Kovalev mit einem harten rechten Haken


Er hat sich lange schwer getan, am Ende aber doch seine Ankündigung wahr gemacht und Geschichte geschrieben. Der Mexikaner Saúl "Canelo" Álvarez ist nach einem K.o.-Sieg gegen den Russen Sergey Kovalev Boxweltmeister im Halbschwergewicht nach Version der World Boxing Organization (WBO).

Das Ende kam nach einer sehenswerten Kombination nach 2:15 Minuten in der elften Runde. Ringrichter Russell Mora brach den Kampf sofort ab, als Kovalev nach einer harten Rechten in die Seile stürzte.

Durch den Erfolg ist Álvarez der vierte Mexikaner, der WM-Titel in vier Gewichtsklassen gewonnen hat. Da er aktuell von der World Boxing Association (WBA) als Supermittelgewichts-Champion geführt wird und die Titel der International Boxing Federation (IBF) und des World Boxing Council (WBC) im Mittelgewicht hält, ist er zudem amtierender Weltmeister in drei verschiedenen Gewichtsklassen. Das ist vor ihm nur dem US-Amerikaner Henry Armstrong gelungen, der 1938 zeitgleich WM-Gürtel im Feder-, Leicht- und Weltergewicht hielt.

Álvarez und sein Team zeigen vier Finger für WM-Titel in vier verschiedenen Gewichtsklassen
John Locher / AP

Álvarez und sein Team zeigen vier Finger für WM-Titel in vier verschiedenen Gewichtsklassen

Im Vorfeld sprach viel für einen spektakulären Kampf zwischen Álvarez und Kovalev. Tatsächlich bekamen die Zuschauer in Las Vegas ein taktisch geprägtes Duell zu sehen, in dem sich beide Boxer vor allem auf die Defensivarbeit konzentrierten. So konnte weder "Krusher" Kovalev seine überlegene Schlagstärke ausspielen, noch Álvarez seine harten Körperhaken in der sonst bekannten Frequenz anbringen.

"'Canelo' wird noch mehr Geschichte schreiben"

Der kleinere Álvarez war permanent im Vorwärtsgang, um nah genug an seinen Gegner heranzukommen. Kovalev wich zwar zurück, war dabei aber der aktivere Boxer und nutzte seine Führhand, um den Mexikaner auf Distanz zu halten. So kam es nur selten zu intensiven Schlagabtauschen und packenden Sequenzen. Bis zur elften Runde.

Den entscheidenden Angriff bereitete Álvarez mit einem rechten Körperhaken vor, der Kovalev in die Seile drängte. Es folgte eine harte Linke auf das rechte Ohr des Russen, der angeschlagen taumelte und die Deckung fallen ließ. Diese Chance nutzte Álvarez zu einem hart und punktgenau geschlagenen rechten Haken zum Kinn, der Kovalev schwer ausknockte.

Unmittelbar nach dem Abbruch deutete Álvarez mit einer Geste an, das zuvor unruhig gewordene Publikum möge ruhig bleiben. "Ich bitte euch um Geduld", sagte er im Anschluss. "Das ist nur ein weiterer Schritt. 'Canelo' wird noch mehr Geschichte schreiben."

Wie geht es für Álvarez weiter?

Dass der Kampf über weite Strecken nicht so spektakulär war wie erhofft, hatte Álvarez nach eigener Aussage einkalkuliert. "Ich wusste, dass ich ein paar Runden brauchen würde, um ihn richtig zu erwischen", sagte der Mexikaner. "Es war ein enger Kampf, weil er defensiv sehr klug geboxt hat. Er hat Punkte gesammelt, aber am Ende ist alles so ausgegangen, wie ich es geplant hatte."

Auf die Frage, gegen wen und vor allem in welcher Gewichtsklasse er als nächstes boxen würde, sagte Álvarez, dass er nun erstmal eine Pause machen und dabei mit seinem Team die nächsten Schritte besprechen würde. Viele Box-Fans wünschen sich ein drittes Duell zwischen dem Mexikaner und dem kasachischen Mittelgewichts-Champion Gennady Golovkin. Die beiden haben sich 2017 und 2018 gegenübergestanden. Der erste Kampf endete unentschieden, das zweite Aufeinandertreffen gewann Álvarez knapp nach Punkten.

Einer dritten Auflage erteilte Álvarez vorerst eine Absage. "Golovkin ist keine Herausforderung für mich", sagte er. "Wir haben 24 Runden geboxt, und ich habe bewiesen, dass ich der Bessere bin." Ganz ausschließen wollte Álvarez die Vollendung der Trilogie allerdings auch nicht. "Wenn die Leute den Kampf trotzdem unbedingt sehen wollen, können wir es auch nochmal machen."

mmm



insgesamt 6 Beiträge
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TOKH1 03.11.2019
1. Fragwürdig
mir entzieht sich die Faszination für dieses Sport zusehends. Wenn ich noch vor Jahren einem Henry Maske oder Sugar-Ray Leonard begeistert zugeschaut habe, wie sie diesen Sport zelebrierten, empfinde ich die bewusste Inkaufnahme und gewollte Verletzung meines Gegenübers als primitiv. Aber jeder muss das für sich beurteilen. Natürlich wissen die Kontrahenten auf was sie sich einlassen. Das ist auch nur der eine Aspekt. Der Voyeurismus der Gesellschaft ist das eigentlich primitive hierbei.
ra.bieker 03.11.2019
2. @1
So kann man natürlich bei jedem Kampfsport argumentieren. Primitiv ist das aber schon lange nicht mehr. Es geht um Technik, einen Gegenspieler und Willen. Eigentlich alles, was man in anderen Sportarten auch findet. Nur dass hier der Körperkontakt im Vordergrund steht. Kampfsport ist doch eigentlich eine sehr alte, urtümliche Form des Sports und vielleicht deshalb so attraktiv.
Waahrer 03.11.2019
3. Kovalev hat alles richtig gemacht.
Er ist lang geblieben und hat den Kampf gemacht. Nur in der 11. Runde wurde er offenbar etwas übermütig und hat seine Deckung nicht hoch genug gezogen. Wo hat der kleine "Canelo" nur diese Schlagkraft her?
giggs1999 03.11.2019
4.
Allein der Vergleich Maske und Leonard verbietet sich für jeden Box-Fan. Hat Maske je zelebriert? Gegen Rocchigiani klar verloren, dank RTL zum Sieger erklärt. Langeweile im Ring und Maske sind untrennbar verbunden. Dagegen Leonard, Unterhaltung und Können pur.
Aberlour A ' Bunadh 03.11.2019
5. dank RTL zum Sieger erklärt??????
Zitat von giggs1999Allein der Vergleich Maske und Leonard verbietet sich für jeden Box-Fan. Hat Maske je zelebriert? Gegen Rocchigiani klar verloren, dank RTL zum Sieger erklärt. Langeweile im Ring und Maske sind untrennbar verbunden. Dagegen Leonard, Unterhaltung und Können pur.
Zum Glück vergisst das Internet ja nie: Kampf 1: Rocchigiani hat das aus der massiven Doppeldeckung heraus sehr gut gemacht. Viel besser als das die Experten ihm zugetraut hätten. Großes Kämpferherz natürlich und Maske zumindest in der letzten Runde in große Schwierigkeiten gebracht. Aber man darf halt nicht vergessen, dass Maske vorher über weite Strecken den Kampf im Griff hatte, sonst hätte das Gesicht von Rocchigiani am Ende nicht so ausgesehen, wie es ausgesehen hat. O-Ton Rocchigiani nach dem Kampf: "im Endeffekt hat er (Maske) verdient gewonnen!" Rematch: ganz klare Dominanz von Maske und absolut verdient und klar nach Punkten gewonnen. Er hat die Lehren aus dem ersten Kampf gezogen und gezeigt, dass sich am Ende die bessere technische Ausbildung und das größere Schlagrepertoire gegen den "Straßenkämpfer" durchsetzten. Trotzdem großes Kompliment an Rocchigiani. Das waren zwei absolut sehenswerte Kämpfe, die natürlich auch einen gewissen Reizfaktor hatten: "Ost gegen West" - "Rocky Mythos" gegen "Sportinstrukteur im Rang eines Oberleutnants der Nationalen Volksarmee" (gleich "Rocky vs. Drago"). Nur das in der Realität der Kampf anders ausging als in Hollywood. Langeweile im Ring? Maske hat begriffen, dass der Kopf zum Denken da ist. Was sich leider bei vielen Boxern bis heute nicht herumgesprochen hat. Er war nie auf den K.o. aus, sondern hat technisch feines Boxen zelebriert. Wer das langweilig findet, soll sich Kirmesschlägereien anschauen.
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