Sauna-Weltmeisterin Butz "Spaziergang am Nordpol"

Für Michaela Butz ist die Sauna der schönste Ort der Welt. Sie liebt Hitze. Im Interview mit achim-achilles.de spricht die Weltmeisterin über heiße Herausforderungen, Eisbären und die Gefahren ihrer Extremsportart.

Sauna-Fans (in Russland): Heißes Vergnügen und kühlender Schnee
REUTERS

Sauna-Fans (in Russland): Heißes Vergnügen und kühlender Schnee


Frage: Frau Butz, Sie sind amtierende Sauna-Weltmeisterin, brutzeln bei 110 Grad Celsius minutenlang in der Saunakammer. Was macht daran Spaß?

Butz: Ich gehe in die Sauna, seitdem ich fünf Jahre alt bin. Vor zwei Jahren habe ich das Saunieren bei extremer Hitze kennengelernt, bei der Weltmeisterschaft war ich noch eine absolute Newcomerin. Mein Sieg galt als Sensation, normalerweise finden Sie nur Finnen oder Russen auf den vorderen Plätzen. Und bei Wettkämpfen ist es doch so: Wenn man besser ist als die anderen, macht es Spaß.

Frage: Aber ist dieser Sport nicht wahnsinnig strapaziös?

Butz: Es ist nicht so, dass man mit Verbrennungen aus der Sauna kommt. Natürlich ist die Haut schon mal krebsrot. Das geht aber nach einer halben Stunde vorüber. Es ist alles eine Frage des Trainings. In meinem Sauna-Sportverein "Die Saunaritter" trainieren wir drei- oder viermal pro Woche die Belastbarkeit der Haut und die richtige Atemtechnik.

Frage: Klingt alles recht locker. Aber vergangenes Jahr starb bei der Weltmeisterschaft in Finnland ein Finalteilnehmer aus Russland in der Saunakammer.

Butz: Es ist eine Extremsportart - und die sind nie ganz ungefährlich. Außerdem muss man wissen, dass bei dem verstorbenen Russen Schmerzmittel und eine lokale Betäubung nachgewiesen wurden. Er konnte die Hitze nicht mehr spüren.

Frage: Auch der andere Finalteilnehmer, ein Finne, kollabierte.

Butz: Ja, er lag im Koma und hat wohl nur überlebt, weil er so kräftig gebaut ist und dadurch die Hitze besser vertragen konnte. Der Russe dagegen bestand nur aus Haut und Knochen. Das war wirklich eine tragische WM.

Frage: Deshalb hat der Veranstalter die WM 2011 abgesagt. Ob es 2012 weitergehen wird, ist ungewiss. Muss man da nicht noch stärker reglementieren und kontrollieren?

Butz: Jeder Teilnehmer muss ein ärztliches Attest vorlegen, die Regel galt auch schon 2010. Jetzt achten die Schiedsrichter aber noch viel stärker auf den Zustand der Wettkämpfer. Und bei den Deutschen Meisterschaften steht vor jeder Sauna ein Arzt und hält Augenkontakt mit den Sportlern.

Frage: Haben Sie manchmal Angst, dass Sie umkippen könnten?

Butz: Nein, habe ich noch nie gehabt. Wenn ich mal an meine Grenze stoße, gibt mir mein Körper deutliche Signale. Ich kann dann meinen Herzschlag hören und gehe sofort raus aus der Sauna.

Frage: Sie haben immer alles unter Kontrolle?

Butz: Ich war auch schon in der Situation, dass mein Kopf sagte: Bleib sitzen! Aber wenn es zu heiß wird, laufen meine Füße los. Für mich selbst kann ich sagen: Mir geht's nach jedem Training oder Wettkampf gut. Mir war noch nie schwindelig oder schlecht.

Frage: Warum halten Sie es länger in der Hitze aus als andere?

Butz: Ich bin das Saunieren seit der Kindheit gewöhnt. Womöglich bin ich auch schmerzresistenter als andere. Männer können es in der Sauna übrigens länger aushalten als Frauen. Sie haben eine dickere Haut und schwitzen doppelt so viel wie die Frauen. Das macht die Hitze erträglicher.

Frage: Woran denken Sie, wenn Sie bei einem Wettkampf in der Sauna schmoren?

Butz: An etwas Kaltes.

Frage: Und zwar?

Butz: Ein Spaziergang am Nordpol zum Beispiel. "Eisbären zählen" nennen wir Saunasportler das im Spaß. Ich versuche außerdem, mein Umfeld auszublenden und ruhig zu atmen. Schlecht ist dagegen, wenn man sich selbst bemitleidet. Dann wird man panisch und hektisch.

Frage: Wie viel Zeit verbringen Sie in der Sauna?

Butz: Zwischen 20 und 30 Stunden pro Woche. Da sind aber Training und Saunagänge zur bloßen Entspannung eingerechnet.

Frage: Manche Leute halten es nicht mal bei 60 Grad lange in der Sauna aus. Haben Sie einen Einsteigertipp?

Butz: Wer 60 Grad nicht aushält, ist vielleicht am Nordpol besser aufgehoben. Ansonsten ist ein häufiger Fehler, nur durch die Nase oder nur durch den Mund zu atmen. Das überfordert diese Organe.

Frage: Was kann man dagegen tun?

Butz: Besser ist es, die Atmung zu verteilen. Allerdings ist die Atemtechnik nur bei heißen Saunagängen wichtig. Bei 60 Grad kann man bedenkenlos durch Nase oder Mund atmen. Grundsätzlich sollte man bei jedem Saunagang nur so lange in der Kammer bleiben, wie man sich wohlfühlt. Das gilt auch für den Aufguss.

Frage: Welche Regeln sind noch wichtig?

Butz: Man sollte unbedingt genügend trinken und sich zwischen den Saunagängen abkühlen. Wer hinterher warm duscht, wird nachschwitzen - was natürlich unangenehm ist. Außerdem sollten Anfänger sich nicht überfordern und nicht nach ganz oben setzen, wo es am heißesten ist. Ganz wichtig auch: Zwischen den Saunagängen ausreichend Pause machen. Ein Saunabesuch sollte niemals in Stress ausarten.

Das Interview führte Wendelin Hübner



insgesamt 7 Beiträge
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Holperik 09.12.2011
1. Sauna-Weltmeisterin?
Langsam wundert's mich, für wat'n Schiet es mittlerweile Weltmeistertitel gibt.
sackpfeife 09.12.2011
2. ...
Zitat von HolperikLangsam wundert's mich, für wat'n Schiet es mittlerweile Weltmeistertitel gibt.
Mich wundert vor allem, dass da nicht schon vorher einer auf die Idee gekommen ist, dass das gefährlich sein könnte.
berbatof 09.12.2011
3. Irgendwie...
Zitat von sackpfeifeMich wundert vor allem, dass da nicht schon vorher einer auf die Idee gekommen ist, dass das gefährlich sein könnte.
..gehe ich beim Thema Gesundheit auch nach dem Aussehen. Und ich finde, dass der durchschnittliche Alnatura-Kunde immer etwas angegriffen aussieht. Über das Saunieren erfahre ich, dass es entschlackt, das Bindegewebe strafft und den Kreislauf stärkt. Der typische Saunierer sieht für mich aber eher wie ein vertrockneter Pferdeappel auf der Hauptstrasse von Langeoog im Sommer aus.
sikasuu 09.12.2011
4. Saunaweltmeister? So ein Blödsinn!
Zitat von HolperikLangsam wundert's mich, für wat'n Schiet es mittlerweile Weltmeistertitel gibt.
. Finnen sind ja schon immer ein wenig anders (machen die langen Winter) üben Gummistiefel-, Handyweitwurf, schreiben sich ein eigenes Betriebsstem wenn sie nicht passendes finden,.... usw. . Aber zur Saunaweltmeisterschaft sollte man doch wirklich nicht gehen. Da hat man nur Chancen, wenn man sich vorher mit "selbst Gebrannten" die letzten grauen Zellen aus der Halsabdeckung geätzt hat:-(( . Hab immer gedacht Europäer (das sind die vom Kontinent:-)) würden solch einen Irrsinn höchstens belächeln. . Na ja! Auf die nächste WM im "Händewaschen","Dauerbaden","Saufen", "Dauerorgasmus" oder "Zwergenweitwurf"............. . Gruesse Sikasuu . Ps. Der ohne Sauna nicht leben kann, aber das als genetischen defekt geniest! .
cor 09.12.2011
5. Sport
In-die-Sauna-gehen ist nach meiner Definition kein "Sport". Aber gut, man kann es sich natürlich auch einfach irgendwas zurecht definieren, besonders wenn es um diesen Begriff geht. Hauptsache sportlich halt. Aber wenigstens stimmt das "extrem". Diese "Sportart" ist nämlich extrem bescheuert.
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