Schach-Entscheidung Anand verteidigt Weltmeistertitel

Ein Remis reichte: Der Inder Viswanathan Anand bleibt Schach-Weltmeister. In der elften Partie half Herausforderer Wladimir Kramnik eine aggressive Variante nichts. Ein Großmeister nannte das Resultat "einen Untergang".


Bonn - Titelverteidiger Anand erkämpfte bei der WM in Bonn am Mittwoch mit Weiß in der elften Partie das benötigte Remis zum insgesamt deutlichen 6,5:4,5-Erfolg gegen den russischen Herausforderer Wladimir Kramnik.

Weltmeister Anand: Offensiv zur Titelverteidigung
REUTERS

Weltmeister Anand: Offensiv zur Titelverteidigung

"Ich hatte mich ein halbes Jahr auf diese WM vorbereitet. Für mich war es etwas Besonderes und das größte Match seit dem Kampf gegen Garri Kasparow 1995 in New York", erläuterte Anand seine souveräne Vorstellung in der Bonner Kunsthalle. Er spielte fast fehlerlos und zugleich brillant, mit Mut zu Neuerungen und Verwicklungen. "Vielleicht wirke ich nach außen ruhig, innerlich war ich aber auch nervös", gestand der Weltmeister.

In der letzten Sizilianischen Partie eröffnete er erstmals mit dem Königsbauern und wehrte alle Angriffe seines Herausforderers ab. Anand blieb sich trotz des beruhigenden Vorsprungs vor der Partie treu und wählte einen offensiven Beginn mit Bauer auf e4. Kramnik reagierte angesichts seiner fast hoffnungslosen Situation mit der aggressiven Najdorf-Variante der sizilianischen Eröffnung.

Es entwickelte sich eine undurchsichtige Partie, in der Kramnik beim 17. Zug mit Bauer auf f5 seine Chancen schmälerte. Nach 3:01 Stunden und 24 Zügen einigten sich Anand und Kramnik auf das Remis. "Ich habe alles versucht, aber es hat nicht gereicht. So ist das Leben, Niederlagen gehören dazu", kommentierte Kramnik, dessen Vorstellung dennoch für Verwunderung sorgte.

"Unglaubliches ist geschehen, einen solchen Ausgang hätte ich mir nicht träumen lassen", sagte der deutsche Großmeister Helmut Pfleger, der das Duell beobachtete: "Es ist unerhört, dass Kramnik zweimal mit Weiß verloren hat. Auf diesem Weltklasseniveau ist das Endergebnis fast schon ein Untergang."

Robert von Weizsäcker, Präsident des Deutschen Schachbundes, lobte Anand: "Er hat rechenintensive Stellungstypen herbeigeführt, dabei fühlte er sich wie ein Fisch im Wasser. Aber der Abstand ist am Ende etwas zu hoch, so viel besser ist Anand nicht."

Beide Spieler erhalten je 600.000 der 1,5 Millionen Euro Preisgeld. 300.000 Euro gehen an den ausrichtenden Weltverband Fide. 2009 muss Anand seinen - 2007 in Mexiko errungenen - Titel entweder gegen Wesselin Topalow, Ex-Weltmeister aus Bulgarien, oder den US-Amerikaner Gata Kamsky verteidigen. Wann und wo dieses Duell stattfinden wird, ist offen. Das Duell Kamsky gegen Topalow um das Herausforderungsrecht ist bereits für November angesetzt, organisatorische Probleme erfordern aber wahrscheinlich eine Verschiebung.

all/sid



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