Vincent Keymer Deutscher Schach-Großmeister mit 14 Jahren

91 deutsche Schach-Großmeister gibt es derzeit - aber nie war einer so jung wie Vincent Keymer. Mit 14 Jahren, elf Monaten und vier Tagen hat er sich nun in den Kreis der Besten gespielt.

Vincent Keymer spielte als Kind regelmäßig gegen einen Schachcomputer
Georgios Souleidis / DPA

Vincent Keymer spielte als Kind regelmäßig gegen einen Schachcomputer


Teenager Vincent Keymer ist zum jüngsten deutschen Schach-Großmeister aufgestiegen. Im Alter von 14 Jahren, elf Monaten und vier Tagen holte sich der Schüler aus dem rheinland-pfälzischen Saulheim am Wochenende den begehrten Titel beim Turnier auf der britischen Isle of Man, das am Abend zu Ende geht. Keymer erfüllte die erforderliche dritte Norm des Weltverbands Fide durch ein Remis gegen den russischen Großmeister Wadim Swjaginzew. Lesen Sie hier mehr über das Schach-Wunderkind.

"Es ist toll, die dritte Großmeisternorm erreicht zu haben, und ich freue mich darüber sehr", sagte Keymer der Plattform Chess.com. Derzeit gibt es 1519 aktive Schach-Großmeister weltweit - das sind nur 0,4 Prozent der knapp 400.000 registrierten Spieler in der Fide-Datenbank. Russland führt diese Liste mit über 200 Großmeistern an, aus Deutschland kommen 91 Titelträger.

Luis Engel wird mit 16 Jahren Großmeister

Anfang Oktober kürte sich Luis Engel mit zum bis dahin jüngsten deutschen Großmeister. Jahren zum bis dahin jüngsten deutschen Großmeister. Beim 1. Christoph-Engelbert-Gedenkturnier in Hamburg holte er sich mit dem geteilten Turniersieg seine dritte Norm. Wenige Tage später wurde Engel 17.

Mit dem Großmeistertitel kam Engel Keymer zuvor, dem man das noch früher zugetraut hatte. Zuletzt hatte Keymer aber eine kleine Durststrecke. Nachdem er im April 2018 als Nr. 99 der Setzliste mit einer Weltklasseleistung sensationell die Grenke Open in Karlsruhe gewonnen hatte und einige Monate später bei einem Turnier in Dänemark die zweite Norm erfüllte, dauerte es nun über ein Jahr bis zum Titel.

Experten sagten Keymer, der als Fünfjähriger mit dem Schachspielen begann, früh eine große Zukunft voraus. Als Kind spielte Keymer, der mit dem Ungarn Richard Rapport und Boris Gelfand aus Israel schon Weltklassespieler schlagen konnte, regelmäßig gegen einen Schachcomputer. Irgendwann konnte er das Gerät in jeder Spielstufe besiegen. Seine Eltern meldeten ihn in einem Schachklub an. In rasantem Tempo entwickelte sich seine Spielstärke immer weiter:

  • Mit zehn Jahren hatte Keymer schon zwei deutsche Jugendmeistertitel in der Tasche.
  • Als Elfjähriger gewann er mit der Jugendnationalmannschaft den U18-Europameistertitel.
  • Ein Jahr später verpasste Keymer nur knapp den Weltmeistertitel in seiner Altersklasse.

Keymer wird seit einiger Zeit vom früheren ungarischen Weltklassespieler Peter Leko, WM-Herausforderer von 2004, trainiert. Leko war selbst als junger Spieler schon sehr talentiert. "Wenn man fast alle verfügbare Zeit mit Schach verbringt, wie ich das tue, dann ist es vor allem wichtig, dies auf die richtige Art und mit der richtigen Perspektive zu tun", sagte Keymer.

Vincent Keymer im Video - 2018 bei seinem Sieg in Karlsruhe

Georgios Souleidis/ DPA

Anmerkung: In einer früheren Version des Textes hieß es, Luis Engel sei mit 17 Jahren Großmeister geworden. Richtig ist, dass Engel noch 16 Jahre alt war und erst wenige Tage später 17 wurde. Wir haben die Stelle korrigiert.

mey/dpa



insgesamt 20 Beiträge
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Seite 1
ambulans 21.10.2019
1. kompliment,
junger mann. aber, auch das leben nicht vergessen ...
aschu0959 21.10.2019
2. Sehr hoffnungsfroher Beitrag.
Bleibt zu wünschen, daß der Junge weiter dran bleibt, und endlich einmal wieder ein deutscher in den Schacholymp aufsteigt. Ich drücke ihm die Daumen!
StefanXX 21.10.2019
3. Riesen Respekt, aber ...
Tolle Leistung von Vincent Keymer, ich bewundere jeden der auf diesem Niveau Schach spielen kann. Leider wird das in Zeiten des Schachcomputers, in der Hinz und Kunz die besten Züge auf jedem Smartphone sehen können, nicht immer ausreichend wertgeschätzt. Mit Hilfe des Computers lässt sich leicht schlau daherreden. Fairerweise muss man aber auch sagen, dass es in den letzten Jahrzehnten eine Großmeisterschwemme gibt, sodass der Titel leider Jahr für Jahr mehr an Wert verliert.
hm2013_3 21.10.2019
4. bestimmte Bereiche werden den Maschinen überlassen werden
Menschen werden untereinander Schach oder Dame oder Go spielen und Spass dabei haben, aber sie haben keine Chance gegen die Computer. Es ist dasselbe mit Sprachen lernen, wenn man sich nicht unbedingt zum Agenten ausbilden lassen will, gibt es kleine Maschinen, die jeden Satz sofort in die x-beliebige Sprache übersetzen und sie sind bezahlbar. Die Menschen müssen sich auf Bereiche konzentrieren, was die Maschinen nicht tun können.
StefanXX 21.10.2019
5.
Zitat von hm2013_3Menschen werden untereinander Schach oder Dame oder Go spielen und Spass dabei haben, aber sie haben keine Chance gegen die Computer. Es ist dasselbe mit Sprachen lernen, wenn man sich nicht unbedingt zum Agenten ausbilden lassen will, gibt es kleine Maschinen, die jeden Satz sofort in die x-beliebige Sprache übersetzen und sie sind bezahlbar. Die Menschen müssen sich auf Bereiche konzentrieren, was die Maschinen nicht tun können.
Das seh ich anders, warum sollte man einen Bereich aufgeben nur weil Maschinen es besser können? 100 Meter-Läufe sind ja auch nach wie vor noch spannend, obwohl jedes Auto viel schneller ist.
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