Schach-WM Anand lässt große Chance ungenutzt

Herausforderer Viswanathan Anand nutzte in der sechsten Partie der Schach-WM einen Fehler des Weltmeisters nicht aus und gab auf. Magnus Carlsen übernimmt mit dem Sieg wieder die Führung in der WM.

Weltmeister Carlsen (r.): Sieg in der sechsten Partie
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Weltmeister Carlsen (r.): Sieg in der sechsten Partie


Hamburg - Magnus Carlsen hat die sechste Partie der Schach-WM gegen Herausforderer Viswanathan Anand gewonnen und wieder die Führung übernommen. Vor der siebten Partie am Montag steht es zwischen dem Weltmeister und seinem Herausforderer 3,5 : 2,5.

Auch in der sechsten Partie zeigten die beiden Kontrahenten ein neues Eröffnungssystem. In der Paulsen-Variante des Sizilianischen Systems verschwanden die Damen früh vom Brett. Deshalb ergaben sich zunächst leichte Vorteile für den mit Weiß spielenden Titelverteidiger, die Anand aber mit guten Verteidigungszügen ausgleichen konnte.

Im 26. Zug unterlief Carlsen dann allerdings ein Fehler, der seine gute Stellung hätte gefährden können. Anand übersah den Patzer des Weltmeisters und konnte diesen nicht zu seinem Vorteil nutzen. Im Gegenteil: Der Druck von Carlsen wurde immer größer. In der Schlussstellung hatte der Norweger drei Mehrbauern. Ohne Chance auf Gegenspiel gab Anand die Partie auf.

"Wenn du ein Geschenk nicht erwartest, siehst du es manchmal auch nicht. Das war insgesamt eine furchtbare Partie", sagte Anand. Auch Carlsen war nur bedingt zufrieden: "Ich bin total erleichtert, das hätte den WM-Verlust bedeuten können. Aus meiner Sicht stand ich klar besser, hatte aber natürlich sehr viel Glück, dass er meinen Fehler nicht ausnutzte."

Der Inder liegt nun zum zweiten Mal zurück und wird sich am Montag, wenn Carlsen erneut mit Weiß spielen wird, schnell vom Schock dieser Niederlage erholen müssen.

Hier können Sie die Höhepunkte des Spiels im Liveticker nachlesen.

krä/sid



insgesamt 10 Beiträge
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allesamt 15.11.2014
1. Die Nerven
Auch bei diesem Spiel zeigt sich: Nicht nur die geistig-intellektuelle bzw. körperliche Konstitution. sondern auch die psychische Verfassung kann ein Match entscheiden!
TS_Alien 15.11.2014
2.
Statt Kd2 hätte Kd1 zur Partie führen können. Die taktische Chance für Anand hätte das Spiel auf den Kopf gestellt. Davon abgesehen ist das heute wieder ein Spiel auf ein Tor gewesen. Carlsen gewinnt zu leicht.
robertbwise@gmail.com 15.11.2014
3. Warum ist der Fehler ein Fehler?
Für normale Menschen ist nichts in dieser WM trivial. Warum kann der Report nicht mit einem Satz wenigstens erklären, warum dieser Fehler ein Fehler ist? "Hier macht Carlsen einen Fehler, denn ..., weil.. , besser wäre ..., weil ..." Das kann doch nicht zu viel Arbeit machen. Hier wird interessierten Menschen der Zugang zu diesem Sport ohne Grund schwer gemacht.
slawischlumpf 15.11.2014
4. Fehlererklärung
Zitat von robertbwise@gmail.comFür normale Menschen ist nichts in dieser WM trivial. Warum kann der Report nicht mit einem Satz wenigstens erklären, warum dieser Fehler ein Fehler ist? "Hier macht Carlsen einen Fehler, denn ..., weil.. , besser wäre ..., weil ..." Das kann doch nicht zu viel Arbeit machen. Hier wird interessierten Menschen der Zugang zu diesem Sport ohne Grund schwer gemacht.
Ich bin auch kein wirklich guter Schachspieler, aber hier wird es sehr gut im Videotool erklärt. http://www.zeit.de/sport/2014-11/schachweltmeisterschaft-2014-sotschi-carlsen-anand-partie-6-live
s_a_b 15.11.2014
5. @robertbwise
Meinten Sie den Zug 26.Kd2? Der gestattete Schwarz, 26.../Sxe5 zu spielen, nimmt Weiß nun den Springer mit 27.Txe5 heraus, so verliert er den Turm auf g4, spielt er indessen 27.Txg8, so verfügt Schwarz über 27.../Sxc4+ (und falls nun 28.Kd3, so folgt 28.../Sb2+). Durch den zwingenden Charakter des Schachgebotes gewinnt Schwarz das nötige Tempo, um den Turm auf g8 herausnehmen zu können. Schwarz hätte an dieser Stelle also Material gewinnen und so in Vorteil kommen können, deshalb war es ein Fehler von Carlsen. Ob das die Partie indes "auf den Kopf gestellt" hätte, wie Forist TS_Alien schrieb, darüber bin ich nicht ganz sicher. Vorher hatte Weiß Vorteil (der aber m.E. nicht bereits spielentscheidend war), nachher hätte Schwarz Vorteil gehabt, die Stellung sieht für mich aber auch noch nicht endgültig entschieden aus...
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