Schach-WM Erneutes Remis zwischen Anand und Carlsen

Eine Stunde, dann war die neunte Partie schon vorbei: Bei der Schach-WM in Sotschi einigten sich Herausforderer Viswanathan Anand und Titelverteidiger Magnus Carlsen auf ein schnelles Remis.

Titelverteidiger Carlsen: Führt 5:4 gegen Anand
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Titelverteidiger Carlsen: Führt 5:4 gegen Anand


Hamburg - Die neunte Partie bei der Schach-WM im russischen Sotschi endete nach 20 Zügen mit einer dreifachen Stellungswiederholung und daher mit einem Remis. Titelverteidiger Magnus Carlsen führt nun 5:4 gegen Herausforderer Viswanathan Anand. Das Duell dauerte nur eine Stunde, besonders Anand schien gut vorbereitet und hatte auf Carlsens Züge schnelle Antworten parat.

Lesen Sie hier die Partie im Protokoll nach.

"Ich bin zufrieden mit dem Ergebnis. Ich wusste, dass die Stellung für mich angenehm ist. Ein leichtes Remis mit Schwarz ist natürlich zufriedenstellend, aber jetzt muss ich mit Weiß Druck ausüben", sagte Anand. Carlsen gab zu, dass der Inder "besser vorbereitet" war als er, ergänzte aber: "Natürlich möchte ich mit Weiß immer Druck ausüben, aber jeder halbe Punkt bringt mich dem Titel näher."

Die Kontrahenten wählten die gleiche Variante der Berliner Verteidigung, die auch in der siebten Partie auf dem Brett stand. Carlsen wich mit einem unscheinbaren Springerausfall im elften Zug ab, doch Anand konterte mit einem ungewöhnlichen Läufermanöver am Damenflügel.

Carlsen sah keinen Weg mehr, Druck aufzubauen und forcierte mit einem Bauernvorstoß im Zentrum den Zugang zum schwarzen König. Dieser diente ihm, um mit einem Dauerschach das Remis zu forcieren.

Der Wettkampf in Sotschi ist auf zwölf Partien angesetzt. Wer zuerst 6,5 Punkte erreicht, krönt sich zum Weltmeister. Bei Gleichstand folgt ein Tiebreak. Die zehnte Partie wird am Freitag ab 13 Uhr (Liveticker SPIEGEL ONLINE) ausgetragen, dort könnte bereits eine Vorentscheidung im Kampf um den Titel fallen.

luk/sid



insgesamt 4 Beiträge
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Khaled 20.11.2014
1. Frage an die Experten:
Wie kann man sich eigentlich auf so eine Partie "vorbereiten" (bei quasi unendlichen Zugmöglichkeiten)?
rumpyho 20.11.2014
2. Geht alles
Die beiden kennen sich ja schon lange - und kennen vor allem auch die Partien, die die beiden in den letzten Jahren gespielt haben.Ergo schaut man hauptsächlich in diese Varianten noch einmal rein und überlegt, wo man wie etwas verbessern könnte. Das machen ja nicht nur die Profis, sondern auch schon untere Ligen. Wenn ich in Chess Base sehe, das mein Gegner z.B. auf 1. E4 - E5 2. Sf3 russisch spielt, dann schaue ich mir das lieber noch einmal an ... und wenn mir das nicht liegt, dann spiele ich eventuell doch lieber C4 ...Und die Varianten sind in den ersten 2-3 Zügen noch nicht soo unendlich. Das Eröffnungsspiel ist schon ziemlich weit ausgerechnet und Abweichungen davon sind äußerst selten erfolgsversprechend.
badduck 20.11.2014
3.
Zitat von KhaledWie kann man sich eigentlich auf so eine Partie "vorbereiten" (bei quasi unendlichen Zugmöglichkeiten)?
Hi.In dem man in Schach-Datenbanken nach Eröffnungsvorlieben seines Gegners sucht, und dann was dazu passendes zusammen mit Sekundanten und Rechnerunterstützung findet.Schach ist m.E. sehr Eröffnungslastig. Wer schlecht aus dem Startblock kommt kann es auf diesem Niveau nicht mehr herumreissen.
imalipusram 21.11.2014
4.
Auf diesem hohen Niveau muss man die Eröffnungsvarianten, die man spielt, und die damit verbundenen Pläne und Ideen extrem gut kennen sowie die aktuelle Entwicklung dieser Varianten (also neue Züge/Ideen aus den Partien der Großmeisterkollegen) ständig verfolgen. Selbst Top-Spieler wie Anand und Carlsen können diesen Aufwand nur für eine begrenzte Anzahl von Varianten leisten. Das heißt, die Anzahl der Eröffnungen bzw. Züge, die ein Spieler in seinem Eröffnungsrepertoire hat, ist begrenzt und dank der Schach-Datenbanken, die alle gespielten Partien enthalten, transparent. Die Aufgabe der Spieler und ihrer Sekundanten bei der Wettkampfvorbereitung ist nun, Schwächen in den Eröffnungsvarianten des Gegners zu finden und in diesen Eröffnungsvarianten neue (idealerweise sogar bessere) Züge und Pläne zu finden.Ein anderer wichtiger Aspekt ist auch, solche Varianten zu wählen, die zu Stellungen führen, die einem mehr liegen als dem Gegner.
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