Sieg über Sergej Karjakin Magnus Carlsen gewinnt die Schach-WM

Magnus Carlsen ist zum dritten Mal Schach-Weltmeister: An seinem 26. Geburtstag verteidigte der Norweger seinen Titel gegen Herausforderer Sergej Karjakin. In den Schnellschach-Partien setzte sich die Klasse des Champions durch.

Magnus Carlsen
AFP

Magnus Carlsen


Der alte Champion ist auch der neue: Magnus Carlsen hat sich am 13. Tag der Schach-Weltmeisterschaft gegen seinen Herausforderer Sergej Karjakin durchgesetzt. Gleich die erste Phase des mehrstufigen Tiebreaks brachte die Entscheidung: Nach zwei Remis gewann der Norweger die dritte von vier Schnellschach-Partien mit jeweils 25 Minuten Bedenkzeit.

Der Sieg war mit Blick auf die vier Schnellpartien am Mittwoch verdient. Carlsen ließ schon im zweiten Spiel den möglichen ganzen Punkt liegen, da er ein theoretisch gewonnenes Endspiel mit Läuferpaar gegen Turm nicht zum ganzen Punkt verwerten konnte.

Nach diesem ausgelassenen Sieg psychisch sichtbar angeschlagen, lieferte der Norweger in der dritten Partie ein Glanzstück ab: Carlsen kreierte mit Schwarz aus einer ausgeglichenen Stellung heraus einen guten Angriff und platzierte einen Springer mitten in der weißen Stellung. Karjakin fand in Zeitnot keine Antworten mehr - und ließ auf seiner Grundreihe einen tödlichen Angriff zu.

In der vierten Partie zeigte der alte und neue Weltmeister dann noch einmal sein starkes positionelles Verständnis für Stellungen und ließ Karjakin, der unbedingt einen Sieg brauchte, überhaupt nicht zur Entfaltung kommen. Der Herausforderer opferte in der Schlussphase zwar noch die Qualität, doch Carlsen gelang ein wunderschöner Schlussakkord: Er gab seine Dame für den mattbringenden Angriff auf den gegnerischen König.

Die Schach-WM war seit dem 11. November in New York ausgetragen worden. Die zwölf angesetzten regulären Partien hatten keinen Gesamtsieger hervorgebracht. Carlsen und Karjakin hatten jeweils ein Duell für sich entscheiden können. Die restlichen zehn Partien waren remis geendet.

Für den 26 Jahre alte Carlsen ist es der dritte WM-Titel: 2013 hatte er durch einen Erfolg gegen den Inder Viswanathan Anand erstmals bei einer Schach-Weltmeisterschaft gesiegt, ein Jahr später verteidigte er seinen Titel gegen Anand. Der norwegische Schach-Star steht seit Juli 2011 ununterbrochen an der Spitze der Weltrangliste.

bes/chh



insgesamt 46 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Attraktor1 01.12.2016
1. Die letzte Stellung ist genial!
Carlsen hat meines Erachtens verdient gewonnen...angriffsfreudiger und mit Mut zum Risiko. Gratulation und danke für an beide Kontrahenten für die interessanten Schachabende.
Der_Widerporst 01.12.2016
2. Gute Show! Gratulation an den Weltmeister
Ein würdiger Weltmeister wird man durch einen würdigen Gegner und den hatte Carlsen zweifellos. Carlsen hat vor allem lehrbuchartig gezeigt wie man Raumvorteil in einen praktischen Vorteil ummünzt. Wir Normal-Sterblichen müssen und dann immer "Wieso, Du hast doch nix Konkretes!" anhören. So wie Aljechin ein Meister der Taktik und Kasparow ein Monster des Kampfschachs war, so ist Carlsen eine Augenweide bei der Umsetzung eines Raumvorteils wie kaum jemand vor ihm, ausser Tarrasch vielleicht noch.
furiousfunkfanatic 01.12.2016
3. Verdienter Sieger
Karjakin hat sich über fast alle Spiele hinweg sehr gut verteidigt. Er hatte aber nie eine Idee um Carlsen unter Druck zu setzten. Immer war es Carlsen, der versuchte interessante Stellungen anzustreben und für sich Vorteile zu erkämpfen. Karjakin wartete ab und gewann sogar so eine Partie, weil Carlsen entnervt zu riskant spielte. So sollte niemand Weltmeister werden und Karjakin gelang dies zum Glück auch nicht. Es ist sehr schade, dass daher die meisten Partien eher langweilig abliefen: Carlsen war immer der, der eine Abzweigung aus bekannten Eröffnungs-Varianten suchte. Carlsen war immer der, der bereit war für Vorteile auch Risiken einzugehen. Carlsen war fast in allen Partien irgendwann im Vorteil. Karjakin verteidigte sich - das tat er gut. Aber von einem Herausforderer hätte ich etwas mehr Kampfesmut erwartet. Nakamura oder Aronian zB hätten bestimmt aufregendere Partien abgeliefert, sie hätten vielleicht öfter verloren, aber vielleicht auch öfter mal gewonnen. Spätestens bei den Schnell-Schach-Partien war Karjakin hoffnungslos unterlegen. Aber vielleicht kommen wir mittlerweile wirklich an eine Grenze, an der die meisten Möglichkeiten auch dank moderner Computer-Analysen ausgereizt sind. Wann kommt Chess960?
Dr. L 01.12.2016
4. Journalisten können sich nicht mehr korrekt ausdrücken
Wenn die Entscheidung wirklich in der dritten Schnellschachpartie gefallen wäre, warum hast man dann noch eine vierte gespielt. Man könnte vielleicht sagen, dass eine gewisse Vorentscheidung in der dritten Partie gefallen ist, aber ganz bestimmt keine Entscheidung.
homodigitalis 01.12.2016
5. Schachweltmeister, ja aber ...
Sehr gut Herr Carlsson! Aber die Besten waren nicht am Tisch. Deep Blue & co lässt grüssen. Am Ende zählt immer das Resultat. Und hier sind wir Second best in Class.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.