Zwölftes Remis Die Schach-WM wird im Tiebreak entschieden

In der letzten regulären Partie war es Magnus Carlsen, der Herausforderer Fabiano Caruana die Punkteteilung anbot. Das kam überraschend, denn der Weltmeister stand besser. Nun geht die Schach-WM in den Tiebreak.

Magnus Carlsen
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Magnus Carlsen


Mit einem einzigen Sieg in nun zwölf Partien hätte sich der Gewinner zum Schach-Weltmeister krönen können. Doch auch das letzte reguläre WM-Duell zwischen Weltmeister Magnus Carlsen und Herausforderer Fabiano Caruana endete nach rund drei Stunden Remis, nachdem Carlsen trotz besserer Stellung die Punkteteilung anbot.

"Ich war nicht in der Verfassung, den Punch zu finden. Ich bin mit dem Remis zufrieden", sagte Carlsen anschließend. Caruana zeigte sich überrascht von der Punkteteilung: "Es war sehr schwer, er war sehr gut vorbereitet. Mit meiner Position hatte ich keine Chance zu gewinnen."

Der Tiebreak beginnt am Mittwoch um 16 Uhr (Liveticker SPIEGEL ONLINE). Zuerst stehen vier Partien Schnellschach mit einer Bedenkzeit von 25 Minuten plus zehn Sekunden Zeitgutschrift pro Zug und Spieler an.

Carlsen glaubt offenbar, im Tiebreak der bessere Spieler zu sein

Carlsen hat offenbar großes Vertrauen in seine Fähigkeiten im Schnellschach. Bereits vor zwei Jahren hatte er seinen Titel erst im Tiebreak erfolgreich verteidigen können. Damals hatte der 27-Jährige das Stechen mit 3:1 gegen den Russen Sergej Karjakin gewonnen.

Falls jedoch auch danach kein Weltmeister gefunden ist, folgen fünf Blitz-Mini-Matches mit fünf Minuten und drei Sekunden Gutschrift pro Zug und Spieler. Sollte es auch danach beim Remis bleiben, fällt die Entscheidung in der Variante "Armageddon". Dabei hat Weiß fünf und Schwarz nur vier Minuten Bedenkzeit. Dafür wird Schwarz zum Sieger erklärt, falls es zum erneuten Remis kommen sollte.

Weitere Informationen zur Schach-WM 2018, Videoanalysen von Großmeister Daniel King sowie Nachspieltools finden Sie hier.

sak



insgesamt 12 Beiträge
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Seite 1
testuser2 26.11.2018
1. Das Remis-Angebot hat die Kommentatoren staunen lassen.
Das Remis-Angebot war für viele Live-Kommentatoren nicht nur überraschend, es hat einige sogar sprachlos staunen lassen. Es gab auch Unverständnis. Sesse lag bei -1,1 Caruana hatte im Verlauf der Partie schon Carlsens stilles Remisangebot ausgeschlagen. Mal sehen, wie Daniel King den Partieverlauf und vor allem das unerwartete Ende beschreibt. Ich freue mich jedenfalls auf die weiteren Rapid- und evtl. Blitzpartien.
flupso 26.11.2018
2. Carlsen muss sich hinterfragen
gegen "Ende" der Partie sprang die Engine-Bewertung stark aus (von ca -0,8 auf 0 dann wieder auf ca. -0,8) - offenbar hatte die Engine etwas gesehen, was die Spieler übersehen haben. Wie auch immer - Carlsen stand mit schwarz um einiges besser. Möglicherweise ist es anstrengender, einen im Endeffekt tödlichen Angriff zu finden als es zu verteidigen. Möglicherweise hat Carlsen nach mehrfachen Partien dieser WM, bei denen einer der Spieler in ähnlichem Abstand besser stand und am Ende immer Remis herauskam, heute nicht die Kraft verplempern wollen. Andererseits hätte dieses eine Spiel das letzte sein können. Unbedingter Siegeswille sieht anders aus. Wenn er im Schnellschach gewinnt, hat er keinen Fehler gemacht, allerdings hat er heute so schnell gespielt, dass bis zur Remisierung Caruana deutlich angestrengter wirkte. Vielleicht ist er ja doch etwas "weltmeisteramtsmüde".
swandue 26.11.2018
3.
Gibt es auch in der Variante "Armageddon" weitere Sekunden Gutschrift pro Zug und Spieler? Wenn nicht, wäre denkbar: Spiel steht auf Remis, aber Weiß mit 60 Sekunden auf der Uhr zieht immer weiter, bis Schwarz mit 20 Sekunden auf der Uhr am Ende angelangt ist.
frederic_1618 26.11.2018
4. Übersättigt?, Zu müde um weiterhin
Weltmeister sein zu wollen? Oder übermütig und einer -der Computerwertung nach- nahezu schon gewonnenen Partie ade zu sagen, um noch einen Kick draufzusetzen? Hoffentlich rächt sich das nicht! Caruana hat wohl in den Spielen zuvor auch sehr gut die Zeit des Nachdenkens des Weltmeisters nutzen können, um sich in die Partien zu vertiefen. Wohl deswegen hat Magnus Carlsen im letzten regulären Duell im (langen) Turniermodus schnell gespielt, um Caruana zu einem schwerwiegenden Fehler zu verleiten. Nachdem aber 30 Züge gespielt waren und weitere Zeit hinzu addieren wird, war diese Möglichkeit vertan. Ob die Schnellschachpartien den gewünschten Erfolg bringen? Auch ein Magnus Carlsen kann Fehler machen. Ich habe den Eindruck, dass dem Weltmeister zur Zeit der letzte Biss fehlt. Aber gerade weil er ansonsten die Partien bis zum Letzten ausgereizt hat wünsche ich ihm auch jetzt noch die erfolgreiche Verteidigung der Schachweltmeisterschaft und damit die Gelegenheit in den nächsten zwei Jahren nochmals Kasse zu machen. Und weil ich ihm wünsche, dass er nicht zu einer tragischen Figur wird wie z.B. ein Fischer oder Tal sollte er die Zeit bis 2020 nutzen, sich ein ordentliches Finanzpolster zu verschaffen, um dann z.B. auf Funktionärsenebene auch noch Zeit zu haben, die Früchte des Erfolges zu geniessen.
fatal.justice 27.11.2018
5. Zwölf Remis.
Zitat von frederic_1618Weltmeister sein zu wollen? Oder übermütig und einer -der Computerwertung nach- nahezu schon gewonnenen Partie ade zu sagen, um noch einen Kick draufzusetzen? Hoffentlich rächt sich das nicht! Caruana hat wohl in den Spielen zuvor auch sehr gut die Zeit des Nachdenkens des Weltmeisters nutzen können, um sich in die Partien zu vertiefen. Wohl deswegen hat Magnus Carlsen im letzten regulären Duell im (langen) Turniermodus schnell gespielt, um Caruana zu einem schwerwiegenden Fehler zu verleiten. Nachdem aber 30 Züge gespielt waren und weitere Zeit hinzu addieren wird, war diese Möglichkeit vertan. Ob die Schnellschachpartien den gewünschten Erfolg bringen? Auch ein Magnus Carlsen kann Fehler machen. Ich habe den Eindruck, dass dem Weltmeister zur Zeit der letzte Biss fehlt. Aber gerade weil er ansonsten die Partien bis zum Letzten ausgereizt hat wünsche ich ihm auch jetzt noch die erfolgreiche Verteidigung der Schachweltmeisterschaft und damit die Gelegenheit in den nächsten zwei Jahren nochmals Kasse zu machen. Und weil ich ihm wünsche, dass er nicht zu einer tragischen Figur wird wie z.B. ein Fischer oder Tal sollte er die Zeit bis 2020 nutzen, sich ein ordentliches Finanzpolster zu verschaffen, um dann z.B. auf Funktionärsenebene auch noch Zeit zu haben, die Früchte des Erfolges zu geniessen.
Der kommende Titelträger wird im Schnellschach ermittelt. Wozu benötigt man nun Endlospartien, um am Ende eh den Weltmeister nach dem flinken Spiel zu küren? Warum führt man nicht gleich die Uhr ein, um den Sport medial, und damit für den Nachwuchs attraktiver zu machen? Tradition? Deshalb siechen Wettbewerbe dahin und locken nur noch die Alteingesessenen. Erneuerung wird man mit dieser Haltung nicht erreichen.
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